Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
MV aktuell Listerien in Streichmettwurst aus MV – das können die Folgen sein
Nachrichten MV aktuell Listerien in Streichmettwurst aus MV – das können die Folgen sein
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
Jetzt kostenlos Testen Zur Anmeldung
20:25 24.11.2019
Nur unter dem Mikroskop erkennbar: Listerien sind Bakterien, die vor allem für Menschen mit geschwächtem Immunsystem und Schwangere gefährlich sind. Quelle: Manfred Rohde/dpa
Anzeige
Rostock

Aufgrund des Nachweises von Listerien hat die Natur Fleischhandels GmbH aus Bollewick (Landkreis Mecklenburgische Seenplatte) ihre Streichmettwurst mit Knoblauch zurückgerufen. Betroffen sei die in Berlin und in MV als lose Ware an Fleischtheken verkaufte Wurst mit Haltbarkeitsdatum 29. November, erklärte die Firma am Freitag.

Bei dem Unternehmen war am Wochenende niemand zu erreichen, der Auskunft über die Ursache geben könnte. Auf Anrufe meldete sich nur ein Anrufbeantworter.

Anzeige

Laut Nordkurier hat die Natur Fleischhandels GmbH in Bollewick die Produktion mittlerweile wieder aufgenommen. In dem Bericht heißt es, dass vier Geschäfte in Berlin und eines in Rostock betroffen gewesen seien. Insgesamt habe es sich bei der betroffenen Charge um 100 Kilogramm Streichmettwurst gehandelt. Dem Geschäftsführer Bruno Jöbkes zufolge sind die betroffenen Geräte gereinigt worden.

Gesundheitsamt des Landes warnt geschwächte Personen

Die Warnung erfolgte über das Portal Lebensmittelwarnung.de. Nach Angabe von Medizinern äußert sich eine Listerien-Erkrankung meist innerhalb von 14 Tagen nach Infektion mit Durchfall und Fieber. „Besonders gefährdet sind Schwangere, Senioren und Menschen, die ein stark geschwächtes Immunsystem aufweisen. Bei letzteren handelt es sich nicht nur um ältere Personen“, betont Dr. Martina Littmann, Abteilungsleiterin Gesundheit im Landesamt für Gesundheit und Soziales MV.

Inkubationszeit bis zu sechs Tagen

Bei den Patienten kann diese zumeist lebensmittelbedingte Infektionskrankheit unter anderem zu einer Blutvergiftung, Fieber, Muskelschmerzen, Erbrechen und Durchfall führen, warnen die Experten des Berliner Robert-Koch-Instituts (RKI). Bei Problemen mit dem Magen-Darm-Trakt gehen sie von einer In­ku­ba­tions­zeit von wenigen Stunden bis zu sechs Tagen aus. Infizierte Personen können laut RKI-Angaben den Erreger über den Stuhl mehrere Monate lang aus­schei­den. Grundsätzlich kann zudem im Verlauf einer Listeriose jedes Organ befallen werden.

Lebensmittelbedingte Infektionskrankheit

Die Listeriose ist laut Berliner Robert-Koch-Institut vor allem eine lebensmittelbedingte Infektionskrankheit. Neben vielen tierischen Lebensmitteln, wie Geflügel, Fleisch, Fleisch­er­zeug­nisse (beispielsweise Wurst), Fisch, Fischerzeugnisse (vor allem Räucher­fisch), Milch und Milchprodukte (insbesondere Käse) werden Listerien auch auf pflanzlichen Lebensmitteln, zum Beispiel vorgeschnittenen Salaten, gefunden.

Eine Verunreinigung dieser Lebensmittel mit Listerien kann zum Beispiel beim Melken, beim Schlachten oder durch eine Kontamination über die Umwelt erfolgen. Zudem führt die Verarbeitung und Behandlung der kontaminierten Rohstoffe nicht immer zu einer vollständigen Abtötung der Bakterien, bei­spiels­wei­se bei Rohmilchweichkäse, Rohwurst oder Hackfleisch.

Schädigung des ungeborenen Kindes

Schwangere zeigen im Erkrankungsfall meist grippeähnliche Beschwerden. Mitunter seien gar keine Symptome zu beobachten, so das RKI. Dabei besteht die Möglichkeit eines Übergangs der Infektion auf das ungeborene Kind. Die Fachleute verweisen auf die Gefahr, dass das Kind infiziert zur Welt kommt. Zudem könne es zu Früh- oder Totgeburten kommen.

Hirnhautentzündung möglich

Säuglinge können zudem erst während der Geburt infiziert werden. Sie nehmen den Erreger auf, während sie den Geburtskanal passieren. Die Folge: Sie erkranken häufig an einer Hirnhautentzündung, so die RKI-Fachleute.

Zahl der Erkrankungen nimmt stetig zu

In Deutschland und in der EU steigen die Fälle lebensmittelbedingter Erkrankungen durch Listerien kontinuierlich an. In diesem Zusammenhang betont das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), dass die durch den Verzehr bestimmter Lebensmittel verursachte Listeriose sehr schwer verlaufen und sogar zum Tod führen kann. Erfasste das RKI bundesweit 2009 noch insgesamt 396 Fälle, so waren es 2017 bereits 771. Die Infektionskrankheit tritt laut BfR zwar vergleichsweise selten auf, habe aber durch die Schwere des Verlaufs eine besonders große Bedeutung. Im Jahr 2016 beispielsweise endeten sieben Prozent der gemeldeten Ereignisse mit dem Tod der Betroffenen.

Weiterer Listerien-Fall in Niedersachsen

Derweil verunsichert ein weiterer Listerien-Fund die Verbraucher und Behörden. Die Fleischerei Eckhoff mit Sitz in Moormerland im niedersächsischen Landkreis Leer ruft mehrere Produkte wegen einer möglichen Gesundheitsgefahr durch die Bakterien zurück. Betroffen sind unter anderem Mettwurst, Sülze, Mett, Schinkenwürfel und Lachsschinken sowie Bauch, Aufschnitt und Schweine-Hackfleisch, wie die Firma mitteilte. Der Rückruf gilt für Waren, die bis Samstag, den 23. November 2019, bereits ausgeliefert oder verkauft wurden. Vom Verzehr der Produkte wird dringend abgeraten. Verkauft wurden die Waren in der Filiale der Eckhoff-Fleischerei in Moormerland, in mehreren Verbrauchermärkten sowie anderen Verkaufsstellen in der Region.

Listerien-Vermehrung trotz Vakuumverpackung

Lebensmittel, insbesondere vakuumverpackte Lebensmittel, sollten möglichst zügig nach Einkauf und weit vor Ablauf der angegebenen Mindesthaltbarkeit verbraucht werden, rät das Berliner Robert-Koch-Institut.

Die Experten warnen: Vakuumverpackung und Kühlschranklagerung schützen nicht, wie bei anderen Lebensmittelinfektionserregern, vor einer Vermehrung der Listerien. Im Gegenteil. Bei langen Lagerzeiten kann es zu einer Vermehrung der Listerien kommen.

Risikogruppen, insbesondere Schwangere und Patienten mit schweren Grunderkrankungen bzw. stark geschwächtem Immunsystem sollten auf den Verzehr von Rohfleischerzeugnissen (beispielsweise Hackepeter) und Rohwurst (Salami), rohem Fisch sowie geräucherten und marinierten Fischerzeugnissen, vorgeschnittenen verpackten Blattsalaten sowie Rohmilchweichkäse verzichten.

Mehr zum Thema:

Behörden warnen vor Leberwurst von Greifswalder Hersteller Greifen-Fleisch

Lebensmittel: Warum gibt es aktuell so viele Rückrufe?

Abschlussbericht zum Fall Wilke: Betrieb wurde zu wenig kontrolliert

Stilllegung geht weiter: Bei Wilke wird das Kühlmittel vernichtet

Von Volker Penne

Doppeljubiläum in der Hansestadt. 60 Jahre Überseehafen. 70 Jahre Fischereihafen. Gemeinsam veranstalten die Häfen ein großes Fest mit ganztägigem Programm. Beide Häfen blicken auf eine eindrucksvolle Geschichte zurück.

24.11.2019

Mit Erfolg: Die Polizei hat in Banzin, Landkreis Ludwigslust-Parchim. eine Veranstaltung der rechten Szene verhindert. Rund 20 Menschen haben nach einer Kontrolle einen Platzverweis von den Beamten erhalten.

24.11.2019

Anfang Dezember wählt die SPD eine neue Bundesspitze und entscheidet darüber, ob sie in der ungeliebten großen Koalition mit der Union bleibt. Geht es nach den Jusos, ist das Ende der schwarz-roten Regierung nah.

24.11.2019