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MV aktuell Lockruf des Geldes: Caffier wirbt IT-Studenten für Polizei
Nachrichten MV aktuell Lockruf des Geldes: Caffier wirbt IT-Studenten für Polizei
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10:48 28.12.2018
Internetkriminalität ist ein großes Problem für die Polizei. Innenminister Lorenz Caffier (CDU) wirbt nun um Studenten der IT-Branche. Quelle: epd-bild/Annette Zoepf (Symbolfoto)
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Rostock

Computerspezialisten gesucht! Innenminister Lorenz Caffier (CDU) geht bei der Werbung dringend benötigter IT-Experten für die Polizei neue Wege: Ab 2019 können Studenten an mehreren Hochschulen mit staatlichem Zuschuss studieren. Bedingung: Sie müssen sich über vier Jahre für den Landesdienst verpflichten. Auf diese Weise wolle man das wachsende Problem der Internet-Kriminalität bekämpfen.

„Im kommenden Jahr wollen wir IT-Ausbildungsplätze anbieten“, so Caffier. Vorzugsweise Schulabgänger sollen in Wismar und anderen Hochschulen für die Polizei ausgebildet und – bei Eignung – nach dem Studium übernommen werden. Mit Wismar gebe es bereits eine längerfristige Kooperation. Die Studiengänge IT Forensik (Bachelor-Studiengang) und IT Sicherheit (Master) seien „auf die Bedürfnisse der Polizei zugeschnitten“, erklärt Hochschulrektor Prof. Bodo Wiegand-Hoffmeister. Die jetzt angedachten Stipendien für junge Leute, die sich dem Land verpflichten, seien „das I-Tüpfelchen“.

Cybercrime bekämpfen

Auf diese Weise wolle er das Problem Cybercrime bekämpfen, erklärt der Innenminister. Laut Landeskriminalamt (LKA) hat sich die Zahl der Fälle von Computer-Kriminalität binnen zehn Jahren verdoppelt (Vorjahr: 1900). Allerdings liegt die Dunkelziffer hoch: Rund 99 Prozent der Fälle werden nicht be- oder erkannt. Es fehlen landesweit Experten bei der Polizei. „Wir müssen diese Lücke schließen. Das schaffen wir nur über gutes Personal“, so Caffier. Zeil sei es, dass neben dem LKA auch jedes Polizeirevier einige IT-Experten erhält. „Irgendwann wird es mal IT-Polizisten geben, die nichts anderes machen“, so Caffier. Auch Kommunen und Landkreise könnten vom neuen Studienmodell profitieren.

Und so soll es funktionieren: Ab Januar können sich Interessierte für die Studienplätze bewerben: an den Universitäten Rostock und Greifswald oder den Hochschulen Wismar, Stralsund, Lübeck oder Lüneburg. Ausschreibungen hat das Innenministerium bereits online unter https://karriere-in-mv.de. Der Clou: Studenten, die sich für ein sieben Semester dauerndes Bachelor-Studium entscheiden, erhalten vom Land monatlich 930 bis 1100 Euro Zuschuss. Im Anschluss können sie Angestellte des Landes oder Polizeibeamte werden, je nach Wunsch und Eignung. Auch Studenten, die bereits an den Hochschulen sind, könnten noch wechseln.

Polizei braucht IT-Experten

Lob kommt von der Gewerkschaft der Polizei (GdP). „Es darf keine Denkverbote geben“, erklärt Landesvorsitzender Christian Schumacher. Die Polizei brauche dringend IT-Experten. Allerdings lockten auch andere Bundesländer und der Bund mit Geld, so der GdP-Chef. Das könnte am Ende ein entscheidendes Kriterium werden. Beim Bund etwa sind Zulagen von monatlich 1000 Euro zum Gehalt möglich.

Das ist auch Caffier bewusst. Er hoffe auch längerfristige Bindung an die Landespolizei. Nach dem Studium werde eine Beschäftigung nach Tarif E10 oder 11 zugesichert, bei Verbeamtung A9 – heißt: 3000 Euro brutto aufwärts. Wer innerhalb der vier Jahre hinwirft, müsse das komplette Stipendium allerdings zurückzahlen.

Hier lesen Sie den Kommentar zum Thema.

Frank Pubantz