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MV aktuell Landrat: Waldbrand in Lübtheen wurde wohl an drei Stellen gelegt
Nachrichten MV aktuell Landrat: Waldbrand in Lübtheen wurde wohl an drei Stellen gelegt
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18:27 02.07.2019
Probst Jesar: Zwei Hubschrauber CH53 der Bundeswehr nehmen jeweils 5000 Liter Löschwasser in einem See auf. Wegen des Feuers auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz bei Lübtheen in Mecklenburg-Vorpommern mussten Hunderte Menschen ihre Wohnungen verlassen. Quelle: Jens Büttner/dpa-Zentralbild
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Lübtheen

Es war wohl Brandstiftung: Die Hinweise, dass der verheerende Waldbrand auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz südöstlich von Lübtheen gelegt wurde, verdichten sich. Es erhärte sich „der Verdacht, dass es sich um Brandstiftung handelt“, sagte Stefan Sternberg (SPD), Landrat des Kreises Ludwigslust-Parchim.

Befragungen würden laufen. Ob es bereits Verdächtige gibt, sagte Sternberg nicht. Er schloss aber weitgehend aus, dass sich das Feuer aus einem vorhergehenden Brand auf etwa sechs Hektar entwickelt haben könnte. „Der Brand war in der Nachsorge und wurde dauerhaft betreut“, betonte Sternberg. Bei einem Überflug kurz nach Ausbruch des Großbrandes am Sonntag seien aus der Luft eindeutig drei Brandstellen entlang eines Waldweges auszumachen gewesen, berichtet der Landrat.

Ein erneutes Feuer auf einem ehemaligen Truppenübungsplatz in Lübtheen (Landkreis Ludwigslust-Parchim) hält die Region in Atem.

Kripo ermittelt

Derweil ermittelt die Kriminalpolizei weiter. Bereits am Montag hatte die Polizei einen Zeugenaufruf gestartet und darum gebeten, verdächtige Beobachtungen zu melden. Besonders interessiert sei man an Beobachtungen, Fotos oder Videos aus dem Waldgebiet südlich von Jessenitz-Werk. Insbesondere die Zeit am 25. Juni gegen 15.50 Uhr und am 30. Juni gegen 13.25 Uhr seien wichtig (Hinweise: 038208 888 2222 oder www.polizei.mvnet.de). Derzeit gehen die Ermittler etwa 60 Hinweisen, davon 22 Fotos und Videos nach, heißt es aus dem Polizeipräsidium in Rostock.

Zuversicht bei Feuerwehrleuten

Obwohl sich der Brand weiter ausgedehnt hat, schöpfen die Beteiligten Zuversicht, das Feuer unter Kontrolle zu bringen und schließlich löschen zu können. „Wir gehen nun von der Verteidigung auf Angriff über“, sagte Sternberg. Dabei setzen die Löschkräfte auf massive Hilfe der Bundeswehr, die mit schwerer Technik anrückte und sichere Wege in das stark mit Munition belastete Brandgebiet öffnen soll. Wegen der Hitze kommt es dort regelmäßig zu Detonationen alter Munition, weshalb Löschtrupps bislang nicht direkt in das Brandgebiet vordringen konnten. Zur Unterstützung der Feuerwehren, die vom Rand her eine Ausbreitung der Flammen unterbinden, waren am Dienstag erstmals auch Wasserwerfer der Polizei im Einsatz.

Vorerst keine Gefahr für Gebäude

Am Montagabend war wegen der ständig drehenden Winde Volzrade als vierter Ort vorsorglich geräumt worden. Doch seien all diese Dörfer am Rande des Brandherdes, der sich laut Sternberg am Dienstag auf eine Fläche von etwa 600 Hektar ausgeweitet hatte, gesichert. Somit bestehe vorerst keine Gefahr, dass das Feuer auf Gebäude übergreife.

Zuvor waren schon Alt Jabel, Jessenitz-Werk und Trebs evakuiert worden. Nach Angaben eines Sprechers sind damit rund 780 Menschen von Evakuierungen betroffen. Wie lange sie noch in Notunterkünften oder bei Verwandten ausharren müssen, war am zunächst noch unklar. Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) unterbrach am Dienstag ihren Urlaub, um sich am Abend ein Bild von der Lage vor Ort zu machen.

Schutzschneisen geschlagen

In Alt Jabel, das zuerst geräumt wurde, war das Feuer zwischenzeitlich ganz nah an das Dorf gekommen, konnte laut Sternberg aber um 150 Meter zurückgedrängt werden. Traktoren mit Tanks und Wasserwerfer der Bremer Polizei sorgten dafür, dass am Waldrand der Wassernachschub nicht versiegte. Zudem schlugen Forstarbeiter mit schwerer Technik gezielt Schutzschneisen in den Kiefernwald, für den Fall, dass drehende und auffrischende Winde das Feuer zurückbringen.

Die Sicherung der Orte bleibe auch weiterhin Priorität Nummer 1, doch müsse mit Blick auf die Dauer des Einsatzes auch die unmittelbare Brandbekämpfung verstärkt werden. „Wir arbeiten hier mit 2500 Kräften über den Tag. Wie lange wir das mit dem ehrenamtlichen Potenzial noch aufrechterhalten können, wissen wir nicht. Darum geht jetzt alle Kraft in die Richtung, dass wir so schnell wie möglich löschen, löschen, löschen. Das Feuer muss weg“, betonte Sternberg.

Bundeswehr vor Ort

Wie der Chef des Landeskommandos Mecklenburg-Vorpommern, Brigadegeneral Gerd Kropf, sagte, wurden bei der Planung des Räumpanzer-Einsatzes auch Bundeswehrangehörige zurate gezogen, die auf dem 2013 stillgelegten Übungsplatz tätig waren. Mit deren Hilfe seien früher befahrene Wege ausfindig gemacht worden, die von dichtem Buschwerk befreit würden. „Ziel ist es, bis Mittwochmorgen so viele Schneisen zu schaffen, dass die Einsatzleitung der Feuerwehr entscheiden kann, wie und wo ihre Kräfte eingesetzt werden“, sagte Kropf. Die zehn Räumpanzer würden von Einheiten im mecklenburgischen Hagenow und in Havelberg in Sachsen-Anhalt gestellt.

Während am Boden die Vorbereitungen für den großen Löschangriff liefen, setzten die Löschhubschrauber ihre Einsätze fort und ließen unablässig Wasser über dem Brandgebiet ab. Die Zahl der Helikopter war am Dienstag von vier auf sechs erhöht worden.

Hilfe aus anderen Bundesländern

Nach den Worten von Innenminister Lorenz Caffier (CDU) sind insgesamt zwölf Wasserwerfer der Polizei bei der Brandbekämpfung im Einsatz, die teilweise auch aus anderen Bundesländern stammten. Zudem komme der Bund seinen Hilfszusagen nach, unter anderem bei der Bereitstellung der Hubschrauber, die je zur Hälfte von der Bundeswehr und der Bundespolizei gestellt würden. Der Flughafen Berlin-Tegel hatte ein Löschfahrzeug entsandt, das in Volzrade Position bezog. „Das zeigt, dass alle an einem Strang ziehen“, betonte der Minister.

Caffier machte ebenso wie sein Kabinettskollege, Umweltminister Till Backhaus (SPD), erneut deutlich, dass mittelfristig Verbesserungen beim Brandschutz auf munitionsbelasteten Flächen notwendig sind und sie dabei in erster Linie den Bund in der Pflicht sehen. Es müssten Lösungen gefunden werden, wie man in ganz Deutschland solchen Katastrophen begegnet, technisch und personell.

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