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MV aktuell Lückenschluss an der A 20: Die Behelfsbrücke steht
Nachrichten MV aktuell Lückenschluss an der A 20: Die Behelfsbrücke steht
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17:12 12.11.2018
Das letzte Brückenteil schwebt ein.
Das letzte Brückenteil schwebt ein. Quelle: Stefan Sauer
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Tribsees

Fast geräuschlos senkt sich das 27 Tonnen schwere Brückenelement in die Lücke. Den beiden Kranfahrern ist anzumerken, dass sie inzwischen ein eingespieltes Team sind: Ohne anzustoßen passen sie die Stahlkonstruktion mit exakt abgestimmten Bewegungen der Kranausleger auf den Zentimeter genau ein. Jetzt noch die Schrauben festziehen und die Basis verschweißen, dann ist das 700 Meter lange Hauptstück der A-20-Behelfsbrücke bei Tribsees so gut wie fertig. Die Entlastung der umliegenden Dörfer vom Umleitungsverkehr rückt damit wieder etwas näher.

So leise das Element eingeschwebt ist, so laut wird es unter der Brücke, wo die Arbeiter die Feinarbeiten erledigen. Oben liefert ein Lkw die letzten Halterungen für die Seitenleitplanken an. Eine Mittelleitplanke wird es nicht geben, der Verkehr auf der Behelfsbrücke wird nur durch eine Doppellinie getrennt. „So können auch überbreite Schwertransporte die Brücke nutzen, die derzeit Umwege bis über den Berliner Ring fahren müssen“, erklärt Michael Eichert, Dezernatsleiter konstruktiver Ingenieurbau im Landesamt für Straßenbau MV.

Bis zu 90 Tonnen soll das Hilfsbauwerk problemlos tragen können, das entspricht zwei schweren Lkw, die aneinander vorbeifahren. Ist die Belastung größer, wird es ein wenig knifflig: „Der Schwertransport muss dann auf einer genau vorgegebenen Spur fahren, damit das Hauptgewicht direkt auf dem Tragwerk liegt“, beschreibt Eichert.

Würde man heute über die Brücke fahren, wäre schnell Schluss: Am Ende der Trasse klafft noch ein großes Loch. Denn aus statischen Gründen wurde an die bestehende Trebeltalbrücke ein Betonkasten angebaut, auf dem wiederum das Ende der Behelfsbrücke aufliegt. „Sonst hätten wir von der Trebeltalbrücke etwas abbrechen und nachher wieder anbauen müssen“, sagt Eichert. Der Kasten soll noch in dieser Woche mit rund 500 Kubikmetern Kies und Erde verfüllt werden. Später erhält er noch eine Asphaltdecke.

Viele Millionen für neue Brücke

50 Millionen Euro wird die Behelfsbrücke über das A-20-Loch bei Tribsees insgesamt etwa kosten. Alleine die monatliche Miete für die 81 Brückensegmente beläuft sich auf 153 000 Euro. Die neue Brücke könnte dann bis zum Jahr 2021 gebaut werden, hier werden Kosten von über 100 Millionen Euro erwartet. Die Arbeiten waren nötig geworden, nachdem die A 20 vor rund einem Jahr begonnen hatte, im moorigen Untergrund zu versinken.

Danach steht noch der kleinere östliche Teil des Ersatzbaus aus, denn auch auf der anderen Seite der Trebeltalbrücke musste ein Stück der A 20 abgerissen werden. Dort werden aber nur drei je drei 27 Meter lange Brückenelemente verbaut, die wiederum aus drei nebeneinander liegenden Segmenten bestehen. „Zwei Elemente haben wir beim Westteil pro Tag geschafft“, so Dezernatsleiter Eichert.

Anfang Dezember soll die A 20 dann für den Verkehr freigegeben werden. Ein richtiges Autobahn-Fahrgefühl dürfte sich aber kaum einstellen: einerseits wegen der fehlenden Mittelleitplanke, andererseits wegen der Geschwindigkeitsbegrenzung auf 60 km/h. Wenn man sich die Brücke im Querschnitt anschaut, erkennt man, dass dieses Tempolimit durchaus angemessen ist: Zwischen den Brückenelementen ist jeweils ein handbreiter Spalt, um die Dehnungen des Stahls bei Sommerhitze ausgleichen zu können. Über diesen Dehnungsfugen liegen Stahlplatten, die ordentlich klappern dürften, wenn man zu schnell drüberfährt.

Das könnten dann auch die Langsdorfer hören, deren Häuser nur einen Steinwurf weit entfernt liegen. Doch im Vergleich zum bisherigen Lärm durch die Umleitung mitten durch das Dorf wäre das immer noch eine spürbare Entlastung, glaubt Bürgermeister Hartmut Kolschewski. „Das Leben im Dorf wird sich drastisch verbessern.“ Er zollt den Arbeitern Respekt für das Tempo, in dem sie die Behelfsbrücke gebaut haben. „Jetzt bin ich mir fast sicher, dass wir bis Weihnachten den Verkehr aus dem Ort haben.“

Das A-20-Loch bei Tribsees und auch die Behelfsbrücke haben zwei Jahre lang für Negativschlagzeilen gesorgt. Nun beginnt der Wiederaufbau.

Axel Büssem

12.11.2018
12.11.2018