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Nachrichten MV aktuell MV-Wirtschaft in Sorge: Steht das Land vor einer Rezession?
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07:04 16.08.2019
„Mehr Innovationen“: Prof. Michael Hüther, Institut der deutschen Wirtschaft, und MV-Arbeitgeberpräsident Thomas Lambusch. Quelle: Frank Pubantz
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Schwerin

Null Prozent Wachstum in Deutschland: Der Stillstand, der von vielen Experten in der Wirtschaft als Rückgang gewertet wird, besorgt auch Unternehmer aus MV. Im zweiten Quartal 2019 hat die deutsche Wirtschaft ein Nullwachstum beim Bruttoinlandsprodukt (BIP) erlebt. Geht es jetzt bergab mit der Wirtschaftskraft, gar eine Rezession?

Möglich, warnen Unternehmer aus dem Nordosten und fordern bessere Bedingungen für Start-Ups und innovative Betriebe. Einer beruhigt: Prof. Michael Hüther, Direktor des deutschen Instituts für Wirtschaft in Köln. Die Lage sei ernst, aber lösbar. Für den Bund sehe er 2019 ein Wachstum von „einem halben Prozent“. Bei MV passt er.

Wirtschaft warnt vor negativer „Sogwirkung“ für MV

Steak liegt auf dem Grill beim Jahresempfang der Vereinigung der Unternehmensverbände MV (VUMV) am Donnerstag in Schwerin. Dabei sind die fetten Jahre womöglich vorbei, bevor sie richtig da waren. „Sollte sich die derzeitige Entwicklung des BIP für ganz Deutschland verstetigen, ist eine Sogwirkung auf die Wirtschaftsleistung in MV nicht auszuschließen“, sagt VUMV-Geschäftsführer Sven Müller. Glück für das Bundesland sei, dass es weniger vom Exportgeschäft abhängig sei als andere. Denn nach den Beben im Handelsstreit zwischen den USA und China und auch Richtung Europa sind viele Exporteure betroffen.

Experte: mehr Innovation, Klima nicht gegen Wirtschaft ausspielen

Als Risiken für die deutsche Wirtschaft sieht Hüther US-Präsident Donald Trump und den drohenden Brexit. Trump sei „unberechenbar“, die Folgen eines harten EU-Ausstiegs Großbritanniens schwer kalkulierbar. Seine These: Das über Jahre gute wirtschaftliche Wachstum in Deutschland werde geringer, sich aber hoffentlich wieder erholen. Es gebe aber keinen Grund für „Genöle“, wie er die aufgeregte öffentliche Debatte nennt. „Wir haben 30 Jahre nach dem Mauerfall allen Grund zu Freude“, so Hüther. Die Arbeitslosigkeit sei historisch niedrig, ein Strukturwandel im Osten erkennbar.

Er berichtet von „einer Fahrradstraße mitten im Wald“, die er in MV gesehen habe. „Sowas haben wir in Nordrhein-Westfalen nicht.“ Erst vor Kurzem hat Hüthers Institut eine Studie zur Zukunftsfähigkeit von 96 Regionen bundesweit veröffentlicht. In MV haben demnach, außer die Seenplatte, alle gute Karten bei Wirtschaft, Infrastruktur oder Demografie. Wichtig sei: „Wir brauchen Innovationen“, so Hüther. Die Werften seien für den Nordosten eine große Chance. Er warne davor, die aktuelle Klima-Debatte gegen die Wirtschaft auszuspielen.

MV ist gar nicht abgehängt: Laut aktueller Studie ist das Land zukunftsfähig

Studie sieht gute Zukunftschancen in fast ganz MV

Mehr Freiheiten wünschen sich Unternehmer. Mathias Schilling, Gastronom von der Insel Rügen, fordert „verlässliche Rahmenbedingungen“ der Politik ein. Junge Firmen bräuchten besseren Zugang zu Kapital. Dietrich Lehmann, Chef einer Energietechnik-Firma mit 550 Beschäftigten aus Torgelow, kritisiert Schwarzmalerei. Er habe studierte Leute aus dem Süden Deutschlands nach Vorpommern geholt, die hier für weniger Geld arbeiten, aber die Lebensbedingungen schätzen.

Hagen Reinhold, FDP-Bundestagsabgeordneter und Bauunternehmer aus Barth, plädiert für einen Abbau von Steuern, die Unternehmer belasten. Thomas Lambusch, Chef einer Firma für Energielösungen aus Rostock und Arbeitgeberpräsident von Nordmetall, findet: Das Ansehen von Unternehmern in MV habe sich deutlich verbessert. Wirtschaftsminister Harry Glawe (CDU) gelobt aus der Ferne Einsatz zur Stärkung der Wirtschaft. Kommende Woche eröffne die Firma Ypsomed, Diabetes-Spezialist aus der Schweiz, in Schwerin ein Werk mit 119 Arbeitsplätzen. „Das intensive Werben lohnt sich“, so Glawe.

SPD plaudert auch über Wirtschaft – aber woanders

Während die Unternehmer traditionell in Schwerin diskutieren, tut dies die SPD-Landtagsfraktion parallel zeitgleich zum selben Thema in Rostock. Dass der dortige Termin „gut gefüllt“ ist, teilte die SPD bereits Stunden vorher mit. MV habe sich wirtschaftlich „gut entwickelt“, erklärt Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD). Belege seien das höchste Bruttoinlandsprodukt seit der Wende in 2018 mit knapp 45 Milliarden Euro und sinkende Arbeitslosenzahlen. Zur Wahrheit gehört: MV blieb im Vorjahr mit 0,7 Prozent Wirtschaftswachstum weit hinter Gesamtdeutschland (1,4 Prozent) zurück, im Vergleich der Länder der drittletzte Platz hinter dem Saarland und Thüringen.

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