Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
MV aktuell MV lässt Mathe-Abi nach Schülerprotesten prüfen – Neubewertung möglich
Nachrichten MV aktuell MV lässt Mathe-Abi nach Schülerprotesten prüfen – Neubewertung möglich
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:03 06.05.2019
84 von insgesamt 85 Abiturienten bei der schriftlichen Mathematikprüfung in der Sporthalle des Gymnasiums am Tannenberg in Grevesmühlen. Quelle: Michael Prochnow
Anzeige
Rostock

Unverhältnismäßig schwer empfanden auch Schüler aus Mecklenburg-Vorpommern die Abiturprüfung im Fach Mathematik, die am vergangenen Freitag geschrieben wurde. Nachdem ihre Online-Petition bis Montagmittag bereits mehr als 3700 Unterstützer gewann, kündigte Ministeriumssprecher Henning Lipski eine Prüfung der Beschwerden an. Zunächst gelte es, festzustellen, ob sich die Klagen auf die bundesweit einheitlichen oder auf die landesspezifischen Prüfungsaufgaben beziehen.

Bewertungsmaßstab herabsetzen

In der Petition von Schüler Lucas Engler wird Bildungsministerin Birgit Hesse (SPD) dazu aufgefordert, den Bewertungsmaßstab der Prüfung herabzusetzen. Die Aufgaben seien sowohl auf grundlegendem als auch auf erhöhtem Anforderungsniveau zu schwer gewesen. „Selbst Mathematiklehrer beschwerten sich über die Wahl der Aufgaben“, heißt es in der Begründung.

Echte Aufgaben aus dem Mathe-Abitur 2018:

Aufgaben beim Mathe-Abitur 2018: Können Sie sie lösen?

Auch in anderen Bundesländern, darunter Niedersachsen, Hamburg, Brandenburg und Sachsen-Anhalt, haben Schüler Petitionen gestartet und dafür schon mehr als 60 000 Unterstützer gefunden. „Wenn sich so viele beteiligen, dann lässt das schon aufhorchen“, sagte Leo Radloff vom Landesschülerrat Mecklenburg-Vorpommerns. Die Schülervertretung wolle die Aufgaben nun mit denen aus den Vorjahren vergleichen, um dann „eine fundierte Entscheidung“ zu treffen. Radloff brachte zudem eine weitere Komponente in die Debatte: „Zu klären wäre auch, ob das Niveau zu hoch war oder die Vorbereitung auf die Prüfung unzureichend. Denn der Lehrermangel führt immer wieder zu Stundenausfall“, sagte der Schülersprecher.

Jörg Seifert vom Philologenverband Mecklenburg-Vorpommern berichtete, dass die Formulierung einiger Prüfungsfragen vielfach für Verwirrung gesorgt habe. „Es ist nun Aufgabe des Bildungsministeriums, herauszufinden, was der Grund dieser massiven Kritik ist“, sagte der Vorsitzende des Verbands der Gymnasiallehrer. Nach seinen Angaben stammte nur ein relativ kleiner Teil der Aufgaben – und zwar die, die ohne Hilfsmittel zu lösen waren – aus dem gemeinsamen Pool der Länder.

Simone Oldenburg, Fraktionschefin der Linken, sieht nun auch die Bildungsministerin in der Pflicht, zu überprüfen, ob die Anforderungen der Prüfung nicht zu hoch waren. „Wenn Abiturienten und Lehrkräfte gemeinsam beklagen, dass das Niveau der Mathematikprüfung zu hoch gewesen sei, dann darf der Aufschrei nicht ungehört verhallen“, teilt sie mit. Gegebenenfalls bedeute dies, dass der Bewertungsmaßstab so angepasst werden müsse, dass das Abitur nicht in Gefahr gerät.

Enttäuschung nach der Prüfung

Für viele Schüler sei die Enttäuschung nach der Prüfung groß gewesen. „Ich habe mich wochenlang darauf vorbereitet und habe in den Übungen fast immer alles hinbekommen, doch dieses Abitur war einfach schrecklich“, begründet Schülerin Romy Becker ihre Unterstützung der Petition. So habe sie nun das Gefühl, dass ihre Vorbereitungen sich kein bisschen gelohnt hätten. „Die Prüfung war nicht auf den Unterricht abgestimmt“, schreibt Laura Bartsch. Teilweise sei es extrem schwer gewesen, überhaupt zu wissen, was gefordert ist.

Abiturient Jakob Kuhlke sieht das etwas anders: „Ich persönlich fand die Aufgaben durchaus lösbar und vom Schwierigkeitsgrad angemessen“, schreibt er. Jedoch seien ein Großteil der Aufgaben extrem aufwendig, umfangreich und unelegant zu lösen gewesen. Dafür hätte die vorgesehene Zeit nicht gereicht. Auch Katrin Grushkovska schreibt: „Besonders bei der Analysisaufgabe fiel mir auf, dass die Ergebnisse im CAS dann unklar dargestellt wurden.“ So kämen unter anderem Kringel und Klammern heraus. Selbst nach Umstellen verschiedener Funktionen seien die Ergebnisse unbrauchbar gewesen.

Kommt es zu einer Neubewertung der Klausuren?

Bei der Kultusministerkonferenz in Berlin, in der die Bildungspolitik der Bundesländer koordiniert wird, will man sich die Abi-Aufgaben noch einmal genau anschauen. „Wir nehmen die Kritik sehr ernst. Wir müssen aber abwarten, bis die Ergebnisse der Klausuren vorliegen, um zu schauen, ob die Noten signifikant schlechter sind, als in den vergangenen Jahren“, sagt Sprecher Torsten Heil. Sollten sich die Vorwürfe der Schüler bestätigen, sei eine Neubewertung der Prüfungen denkbar.

Einen ähnlichen Fall hatte es 2016 in Niedersachsen gegeben. Dort hatte es damals ebenfalls nach einer Mathe-Prüfung eine Neubewertung gegeben. 2017 konnten sich Schüler in Brandenburg sogar aussuchen, ob sie ihr Mathe-Abitur nochmal schreiben wollen. Damals wurde Stoff abgefragt, der gar nicht Teil des Unterrichts gewesen ist.

Trotz der Schülerproteste gegen die Abiturprüfung in Mathematik sieht der Präsident des Deutschen Lehrerverbands bisher keine Anzeichen dafür, dass die Aufgaben zu schwierig waren. „Im Internet lässt sich Erregung sehr schnell mobilisieren. Deshalb sollten wir abwarten“, sagte Verbandspräsident Heinz-Peter Meidinger.

Mehr zum Thema:

Echte Aufgaben aus dem Mathe-Abitur: Hätten Sie es gekonnt?

Tausende Schüler protestieren gegen Prüfungen: Was ist das Abitur noch wert?

Immer mehr Schüler fallen durchs Abitur

Pauline Rabe

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) will verpflichtende Masern-Impfungen für Kita- und Schulkinder mit Geldstrafen und Kita-Ausschluss durchsetzen. Sein Landes-Kollege Harry Glawe (CDU) ist dafür – obwohl MV bereits jetzt die erforderliche Impfquote erfüllt.

06.05.2019

Die Einführung der Impfung gegen HPV-Viren hat in Deutschland für einen deutlichen Rückgang von Gebärmutterhalskrebs geführt.

06.05.2019

In den kommenden Jahren müssen die alten Lappen und Karten umgetauscht werden. Bereits Anfang des Jahres 2022 endet die Frist für einen Teil der Fahrerlaubnisbesitzer.

06.05.2019