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MV aktuell MV’s Unternehmer in der „Höhle der Löwen“: So ergeht es Gründern nach TV-Auftritten
Nachrichten MV aktuell MV’s Unternehmer in der „Höhle der Löwen“: So ergeht es Gründern nach TV-Auftritten
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14:56 12.07.2019
Konstantin Altrichter und Karl Hartmann (r.) aus Rostock präsentierten in der „Höhle der Löwen“ den ersten hygienisch zu reinigenden Venen-Stau-Schlauch. Investorin Dagmar Wöhrl probierte „DaisyGrip“ aus. Quelle: DaisyGrip
Rostock

 3880 Firmen-Neugründungen gab es im vergangenen Jahr in MV, wie das Bonner Institut für Mittelstandsforschung mitteilt. „Die Höhle der Löwen“ bei Vox und „Das Ding des Jahres“ bei ProSieben sind bekannte TV-Formate, bei denen Erfinder und Startups die Chance haben, ihr Produkt vor einer Jury zu vermarkten und sich Investitionen beziehungsweise Preisgelder zu sichern.

Auch aus MV haben bereits Gründer an den TV-Shows teilgenommen – mal mehr und mal weniger erfolgreich.

Galerie: Diese Startups aus MV haben es ins TV-Programm geschafft

DaisyGrip, Duschkraft und Darguner Soße – alle Produkte haben zwei Dinge gemeinsam: Sie kommen aus MV und waren schon mal im TV zu sehen. Die OZ zeigt die Gründer und ihre Arbeit.

Darguner Soße schmeckt der Jury

Als Klostervogt verkleidet trat Jürgen Hartwig (63) in der fünften Staffel „Die Höhle der Löwen“ auf. Der 63-Jährige führt den Darguner Klosterladen, in dem er regionale Liköre, Leckereien, Literatur und Kunst anbietet. In die Sendung brachte er die „Darguner Soße“ mit – einen speziellen Apfelessig, der in der kleinen Manufaktur von Marina Fellwock in Pamitz, Nähe Anklam, hergestellt wird. „Ich habe die Sendung immer verfolgt und mich dann einfach mal beworben“, erzählt Hartwig. Im April 2018 fand der Dreh statt, zu dem er mit Essig verfeinerte Salate mitbrachte und der, laut Hartwig, top professionell ablief.

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Trotzdem wusste er lange nicht, ob er ausgestrahlt werden würde, denn für einen Deal hat es leider nicht gereicht. „Es war schnell klar, dass Essig nicht der Renner für die Investoren ist, auch wenn es allen geschmeckt hat“, meint der Darguner. Sein Geschäft sei einfach zu klein. Als dann im November 2018 doch die Ausstrahlung erfolgte, gab es eine Überraschung für Hartwig: Innerhalb von einer Nacht gingen über 1000 Bestellungen ein. „Mit so viel hatte ich nicht gerechnet und musste die Bestellungen nach und nach abarbeiten“, berichtet er. Mittlerweile seien die Verkaufszahlen wieder etwas zurückgegangen, aber erheblich mehr Besucher als zuvor habe der Klosterladen trotzdem. Und noch eine zweite Folge hatte die Teilnahme bei der „Höhle der Löwen“: Hartwig wurde dieses Jahr zur Sendung „Leichter Leben“ auf Astro-TV eingeladen und durfte noch mal Werbung für sein Geschäft machen.

„DaisyGrip“ auf dem Weg zum Durchbruch

„DaisyGrip“ heißt das Produkt, das die beiden Rostocker Karl Hartmann (27) und Konstantin Altrichter (27) vor der „Löwen“-Jury präsentierten. Ihre Idee ist ein Venenstauer aus Silikon, der bei Blutabnahmen verwendet wird. „Die bisherigen Venenstauer können nur schlecht gereinigt werden und sind daher unhygienisch. Unsere dagegen lassen sich problemlos desinfizieren“, erklärt der junge Arzt Altrichter. Er und sein Geschäftspartner haben sich vor allem bei der TV-Show beworben, um eine höhere Reichweite für ihr Produkt zu erzielen. Vor der Sendung hatten sie ihre Prototypen lediglich in Krankenhäusern getestet und vorgestellt.

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Auch „DaisyGrip“ wurde im Herbst 2018 ausgestrahlt und es kam noch besser: Investor Carsten Maschmeyer war von dem Produkt überzeugt und bot den Rostockern 100 000 Euro für 25 Prozent der Firmenanteile an. „Einige Monate später bekamen wir den Vertrag und die Verhandlungen begannen“, berichtet Altrichter. Letztendlich konnten sich beide Parteien in zwei Punkten nicht einigen, weshalb der Deal final nicht zustande kam. „Die Gespräche mit Herrn Maschmeyer waren sehr angenehm. Wir sind wohl noch zu sehr am Anfang und passten nicht richtig in sein Portfolio“, bedauert der 27-Jährige.

Dennoch war die Teilnahme ein Gewinn: „Wir konnten durch die Sendung mit dem Vertrieb beginnen und verkaufen aktuell im vierstelligen Bereich“, freut sich der junge Arzt. Aktuell statten sie etliche Krankenhäuser in Deutschland, Österreich und der Schweiz aus. In Skandinavien, Finnland, Großbritannien und den Niederlanden gab es ebenso bereits Abnehmer. „Wir arbeiten weiter an der Internationalisierung und checken gerade den Markt in Frankreich und Spanien“, erzählt Altrichter stolz. Nebenbei arbeiten er und Hartmann an weiteren Produktentwicklungen für „Krankenhaus-Problemchen“. Mit Maschmeyer und dem „Löwen“ Ralf Dümmel stehen sie übrigens weiter in Kontakt.

Zweifache Show-Erfahrung für die Jungs von „Duschkraft

Ganz andere Erfahrungen haben die drei Jungs von „Duschkraft“ gemacht. Die beiden Geschäftsführer Stefan Goletzke (31) und David Bredt (31) aus Rostock entwickelten zusammen mit Arvid Reinwaldt (31) einen Dusch-Entfeuchter. Er verhindert das Beschlagen von Spiegel- und Fensterscheiben sowie Schimmelbildung, indem er die Feuchtigkeit beim Duschen direkt aufnimmt. Auch die Rostocker bewarben sich 2018 mit einem aufwendig gedrehten Video bei der „Höhle der Löwen“, wurden eingeladen, aufgezeichnet und am Ende bitter enttäuscht. „Wir haben uns vor den Aufzeichnungen intensiv coachen lassen, wie man sich professionell präsentiert. Erst zwei Wochen vor Ende der Staffel haben wir erfahren, dass wir nicht dabei sind“, ärgert sich Goletzke. Die Firmengründer hatten bereits Vorbereitungen getroffen, um für Bestellungen nach der Ausstrahlung der Sendung gerüstet zu sein.

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Damit steht „Duschkraft“ nicht alleine da: Annette Rieger und Alexandra Vasquez Bea, die Gründerinnen von Lenchen-Lebkuchen aus Hannover, standen nach eigenen Angaben wegen der „Höhle der Löwen“ fast vor der Insolvenz. Auch ihnen wurde erst kurz vor der geplanten Ausstrahlung mitgeteilt, dass sie im TV doch nicht zu sehen sein werden. Zwar gibt es in dem Vertrag, den die Teilnehmer der Show vorab unterzeichnen müssen, eine Klausel, dass es keine Garantie dafür gibt, ausgestrahlt zu werden, dennoch zweifelten die Hannoveranerinnen nicht daran. Und so produzierten sie vorab 35 000 Lebkuchen. Zwar hatten sie keinen Deal bekommen, glaubten aber, mit ihrem TV-Auftritt so viel Aufmerksamkeit zu erregen, dass viele Bestellungen eingehen würden.

ProSieben übernimmt Kosten

Ob „Duschkraft“ einen Deal angeboten bekam, dürfe Goletzke nicht verraten. Er möchte lieber über die positive Erfahrung sprechen: Seinen Auftritt im März bei „Das Ding des Jahres“. „Der Sender kam auf uns zu und fragte, ob wir mitmachen möchten“, staunt der Geschäftsführer noch heute. Womöglich war der Sender durch einen vorherigen Auftritt der Jungs beim MDR aufmerksam geworden und lud sie direkt in die Live-Sendung einer Finalvorrunde ein. „Die Qualität war eine andere als bei RTL, zu denen Vox ja gehört: Alle Kosten für Fahrt, Unterkunft und Bühnenbild übernahm ProSieben“, begeistert sich Goletzke. Leider war die „Duschkraft“-Idee die letzte, die an diesem Abend vorgestellt und deshalb recht kurz gehalten wurde. Am Ende gab das Publikum dann einer anderen Innovation den Vorzug.

„Der Auftritt in der Show hat sich trotzdem gelohnt: 300 Anfragen gingen bei uns ein, wenn auch bis heute nur circa 15 Geräte zusätzlich verkauft wurden“, berichtet der Geschäftsführer. Ihre Erfindung schaffe man sich nicht mal eben leichtfertig an – immerhin kostet ein Dusch-Entfeuchter rund 1250 Euro. Deshalb wollen Goletzke und seine Kollegen nun in den Vertrieb investieren. „Wir bauen ein Team auf, das sich darum kümmern wird, unser Produkt an den Mann zu bringen – unter anderem wollen wir Hotels für uns gewinnen“, erklärt der 31-Jährige. „Duschkraft“ hat den Erfolgsdurchbruch weiter fest im Blick.

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