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MV aktuell MV statt China: Warum die Medizinfirma Ypsomed Millionen in Schwerin investiert
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10:00 23.08.2019
Rocco Krügel, Abteilungsleiter bei Ypsomed in Schwerin, überprüft, ob die Injektions-Pens fehlerfrei hergestellt sind. Quelle: Silke Winkler
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Schwerin

Mit Superlativen wird MV beim Thema Wirtschaft eher selten verbunden. Vertreter der Schweizer Firma Ypsomed, einem Hersteller von Medizin-Technik, sehen das anders: Etwas Besseres als Schwerin für ein neues Werk hätte dem Unternehmen nicht widerfahren können, sagt Geschäftsführer Simon Michel.

22 Standorte habe Ypsomed weltweit für ein neues Werk geprüft, in dem Zubehör für Insulin-Pumpen oder Injektions-Stifte (Pens) produziert werden. MV siegte vor Polen, Tschechien oder China. Weil die Wirtschaftsförderung hier „herausragende Arbeit“ geleistet habe.

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Ausbau-Potenzial für bis zu 200 Beschäftigte

Ypsomed hat am Donnerstag ein Werk im Schweriner Industriepark eröffnet. Von hier sollen künftig viele Millionen Komponenten vom Band laufen, die Erkrankte von zum Beispiel Diabetes benötigen. 150 Jobs sollen entstehen, später womöglich 200. Ypsomed investierte gut 80 Millionen Euro, knapp zehn Millionen kamen vom Land. Das Unternehmen hat für Expansion vorgesorgt – und kaufte im Schweriner Industriepark gleich 100 000 Quadratmeter Land.

Ypsomed-Chef Simon Michel führt Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) und Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU)durch das Werk. Quelle: Silke Winkler

Rocco Krügel (29) strahlt über das ganze Gesicht. Jedenfalls da, wo man etwas davon sieht. In der Produktionshalle ist Hygiene-Schutzkleidung Pflicht. Krügel ist Abteilungsleiter und überwacht die Herstellung von Pens, die Patienten später zur Selbstbehandlung durch Injektion flüssiger Medikamente verwenden können. Er stammt aus Dresden, lernte Werkzeugmacher, holte das Abitur nach, studierte Produktionstechnik. Wegen Ypsomed zog er nach Schwerin, wo seine Freundin lebt. „Besser geht es nicht“, sagt der junge Mann zufrieden.

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Aus fünf Kunststoff-Teilen besteht ein Pen. Sie rollen quasi im Sekunden-Takt vom Band, ausgespuckt von computergesteuerten Maschinen. Trotzdem greift Krügel zu den Stiften und prüft die Qualität. „Eine Kontrolle tut nicht weh“, sagt er. Eine Produktionslinie steht, sonst ist die Halle noch leer. Das soll sich bald ändern. Bis zu 120 Maschinen seien am Ende möglich, erklärt Veit Heberling (54), zuständig für die Optimierung der Produktionsanlage. Auch ihn zog es zu Ypsomed – über Danone und Nestlé sei er gekommen, stamme ursprünglich aus Dessau.

Von noch weiter her kommt Peter Perler. Der Produktionsleiter setzt in der Halle den Sound mit rollender Schweizer Mundart. „Wir verdoppeln die Kapazität“, sagt Perler. Das Geschäft mit kranken Menschen läuft. Auch wenn das keiner wolle, seien solche technischen Lösungen ja nötig, erklärt die Ministerpräsidentin von MV, Manuela Schwesig (SPD).

Glawe: 2600 Jobs in MV durch Schweizer Investitionen

Ypsomed gebe es seit über 30 Jahren, erklärt Firmengründer Willly Michel, der heute Chef im Verwaltungsrat ist. Man habe den Patienten das Leben erleichtern wollen, so seien verschiedene Injektionssysteme für die Selbstbehandlung entstanden. Jetzt ist Sohn Simon Michel der Chef.

Endkontrolle: Veit Heberling schaut durch eine große Lupe auf die Einzelteile der Injektions-Pens. Quelle: Silke Winkler

Wie Öl muss Vertretern der Landesregierung das Lob der Ypsomed-Verantwortlichen herunterlaufen. Das Unternehmen habe gemerkt, dass MV die Ansiedlung unbedingt wollte. Zudem gebe es gutes Fachkräfte-Potenzial, kurze Wege für Mitarbeiter. „Schweizer haben einen Sinn für Vorzügliches“, erklärt Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU). Allein in Deutschland gebe es etwa sieben Millionen Diabetiker. „Für die wollen wir eine gute Versorgung, die ihnen auch den Alltag möglichst leicht macht“, so Spahn. Schwesig hebt die guten Bedingungen für Mitarbeiter, wie günstige Bauflächen, Schulen, Kitas und Freizeitangebote, hervor. Wirtschaftsminister Harry Glawe (CDU) erklärt: Mittlerweile seien durch Schweizer Investitionen 2600 Jobs in MV entstanden. Das Kaffeekapsel-Werk von Nestlé in Schwerin habe 430, Cortronik, der Rostocker Hersteller von Stents, 340, Kranhersteller Liebherr in Rostock sogar 1600 Mitarbeiter.

1600 Beschäftigte weltweit

Die Firma Ypsomed hat ihren Hauptsitz in Burgdorf in der Schweiz. Sie beschäftigt nach eigenen Angaben derzeit 1600 Mitarbeiter und verfügt über ein globales Netzwerk aus Produktionsstandorten, Tochtergesellschaften und Vertriebspartnern. Die Firma stellt Injektions- und Infusionssysteme für die Selbstmedikation her.

81,1 Millionen Euro investiert Ypsomed laut Wirtschaftsministerium in das Schweriner Werk. Mit 9,75 Millionen Euro fördere das Land das Vorhaben.

Von Frank Pubantz

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