Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
MV aktuell Funklöcher in MV: Melde-App der CDU ist sofort ein Erfolg
Nachrichten MV aktuell Funklöcher in MV: Melde-App der CDU ist sofort ein Erfolg
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:59 18.12.2018
Funklochmeldungen in Mecklenburg-Vorpommern. Quelle: Cassandra Voigt
Anzeige
Rostock

Ein Land färbt sich um: Die neue Melde-App für Funklöcher der CDU-Landtagsfraktion hat voll eingeschlagen. Innerhalb eines Tages haben Bewohner des Landes mehr als 2000 Funklöcher angegeben. Unzählige Flecken hat die Karte bereits: blaue, grüne, gelbe – rote dort, wo der Handy-Empfang am schlechtesten oder nicht vorhanden ist. Genau das habe seine Fraktion erhofft, erklärt Wolfgang Waldmüller, wirtschaftspolitischer Sprecher der CDU. Die SPD reagiert – und bietet eine gemeinsame Initiative im Bundesrat an.

Funkloch an Funkloch – das kennt jeder, der sich telefonierend oder gar im Internet surfend durch den Nordosten bewegen will. Die neue App zeigt schon nach wenigen Stunden Problemzonen auf. So haben auf Usedom, westlich von Wolgast, auf dem Darß oder am Salzhaff bei Rerik bereits diverse Unzufriedene ihren Funkloch-Klick gesetzt.

funkloch-mv.de

Erst am Montag hat die CDU App und Internetseite im Landtag vorgestellt (die OZ berichtete). Unter www.funkloch-mv.de kann jeder seinen Frust über das Mobilfunknetz mitteilen – auf die Straße und den jeweiligen Anbieter (Telekom, Vodafone, O2) genau. Nutzer können Noten fürs Telefonieren und Surfen, aber auch den Empfangsstandard (2G, 3G, 4G) geben. „Wir wollen valide Daten“, erklärt Waldmüller. Mit diesen solle „politischer Druck auf die Netzbetreiber ausgeübt werden“. Denn theoretisch seien 98 Prozent der Menschen hier mit Breitband versorgt – in der Fläche gelte dies in MV aber ganz und gar nicht. „Die Leute nervt das“, erklärt Waldmüller. „Jeder kennt das Problem, wenn er sich außerhalb der Städte bewegt“, sagt CDU-Fraktionschef Vincent Kokert. Die App soll Ergänzung zur Breitbandmessung von Bundesminister Andreas Scheuer (CSU). Der Unterschied: „Scheuer misst den Käse, wir die Löcher“, so Kokert. Das halte er für Erfolg versprechender.

„Ja, wir wollen an jeder Milchkanne Empfang“

Bis März sei es möglich, Funklöcher zu melden, dann werde die CDU einen Funkwagen zum Messen losschicken – Nachkontrolle. „Wenn einer wilde Sau spielt“, so Waldmüller, also über die App schummelt, werde dies schnell ermittelt, der jeweilige Computer gesperrt. Mit den Daten wolle sich die CDU dann an die Netzbetreiber wenden – ähnlich, wie es in Brandenburg und Sachsen-Anhalt bereits geschieht. Am Ende solle eine Initiative für Roaming stehen, gemeinsame Nutzung von Masten aller Anbieter. Wichtig sei auch der Ausbau des hochmodernen 5G-Netzes. „Ja, wir wollen an jeder Milchkanne Empfang“, sagt Waldmüller.

„Eine super Idee“, lobt Claus Ruhe Madsen, Präsident der Industrie- und Handelskammer Rostock, den CDU-Vorstoß. Es werde Zeit, dass sich Landespolitik der Sache annimmt. „Wir haben als Bevölkerung und Unternehmen lange genug hingenommen, dass die Netze schlecht sind.“ Andreas Wellmann, Städte- und Gemeindetag MV, sieht den Bund gefordert, sodass „eine Netzabdeckung lückenlos erfolgt“.

Digitalisierungsminister Pegel (SPD) reagiert

Die CDU-App ist auch Affront gegenüber Digitalisierungsminister Christian Pegel (SPD). Waldmüller sieht das nicht so: „Der Minister hat erklärt, er hat keine eigenen Daten.“ Dem wolle man jetzt Abhilfe schaffen. Pegel wollte erst keinen Sinn im neuen Angebot sehen; gestern reagierte er und kündigte eine Initiative im Bundesrat an. „Telekommunikation ist Daseinsvorsorge. Deshalb kann es nur ein Ziel geben und das ist die hundertprozentige Netzabdeckung“, so Pegel. Bedenken habe er zur Aussagekraft der Daten, denn dort wo viele Menschen unterwegs seien, gebe es auch viele Meldungen.

Unzufrieden mit ihrer digitalen Realität sind viele Menschen in MV. Fast 90 Prozent erklärten Anfang des Jahres in einer OZ-Umfrage: Mehr Breitband-Ausbau sei wichtig. Laut Breitband-Atlas der Bundesregierung befindet sich MV gegenüber anderen Bundesländern immer noch im digitalen Tiefschlaf. 66,5 Prozent der Haushalte haben laut Pegel-Ministerium derzeit das Ausbauziel 50 Mbit pro Sekunde erreicht. Von Tribsees über Grimmen bis Usedom etwa zieht sich immer noch ein Gürtel der Internet-Ahnungslosen. Das spiegelt sich für Mobilfunk auch auf der neuen Funkloch-App wider.

Frank Pubantz

Das Fest der Liebe und der Familie hinter Gittern läuft etwas anders ab als normalerweise. Auf dem Plan stehen Sportturniere und Entenbraten.

18.12.2018

Ohne pflegende Angehörige würde das Pflegesystem in Deutschland zusammenbrechen. Drei Viertel der Pflegebedürftigen werden in MV zu Hause in der Familie betreut. Die Barmer stellt eine Studie und Ideen vor, die Angehörigen gesund und leistungsfähig zu halten.

18.12.2018

Mobilfunk: Pegel kündigt Initiative im Bundesrat an. CDU-App zu Funklöchern erfolgreich.

18.12.2018