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MV aktuell Ostsee-Länder üben den Ernstfall
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10:58 12.09.2019
Das Schiff eines Minenabwehrverbands fährt an einem schwer bewaffneten Soldaten auf der Korvette „Oldenburg“ vorbei. 3000 Soldaten aus 18 Nationen sind an dem Manöver „Northern Coasts“ beteiligt. Am Mittwoch trafen sich auf der „Oldenburg“ die Spitzenkräfte der teilnehmenden Länder. Quelle: Bernd Wüstneck/dpa
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Rostock

So viel geballte Führungskraft findet sich wohl selten auf nur einem Schiff: Die obersten Befehlshaber fast aller Marine-Streitkräfte aus dem Ostseeraum trafen sich am Mittwoch an Bord der Korvette „Oldenburg“, um auf hoher See vor Warnemünde das Manöver „Northern Coasts“ zu verfolgen. Deutschlands Marine-Inspekteur Andreas Krause war Gastgeber für seine Amtskollegen aus Polen, Dänemark, Schweden, Estland und Litauen. Auch Frankreichs Marine-Chef Jean-Louis Lozier genoss das militärische Spektakel, Abgesandte der US Navy und der Seestreitkräfte Kanadas waren ebenfalls anwesend.

3000 Soldaten aus 18 Nationen und 47 Schiffe übennoch bis 18. September gemeinsam auf der Ostsee. Die hochrangigen Militärs sahen Scheinangriffe von Flugzeugen auf das Versorgungsschiff „Donau“, Hubschrauber-Landungen auf der Korvette bei voller Fahrt und Bergungen von ins Wasser gefallenen Soldaten aus der Luft.

Bildergalerie: So verlief die Großübung vor Warnemünde

Noch bis 18. September findet das Herbstmanöver „Northern Coasts“ statt – in diesem Jahr so groß wie noch nie.

Szenario: Streit um Bornholm

Unter den Spitzenmilitärs auf der „Oldenburg“ ging es dabei nicht nur militärisch streng zu. „Mein Schiff ist verdeckt“, sagte Jens Nykvist, Konteradmiral und Befehlshaber der Königlich Schwedischen Marine gespielt säuerlich, als drei Kriegsschiffe in enger Formation an der Korvette vorbeifahren, und ausgerechnet der Minenleger seines Landes hinter dem Rumpf der „Donau“ verschwindet. „Jens, das ist extra für dich“, erwidertet wenig später ein deutscher Militär, als die Gruppe noch einmal vorbeifuhr und das schwedische Schiff am besten zu sehen war. Der Schwede reckt den Daumen, Lachen und Schulterklopfen bei den Admirälen.

Der Hintergrund des Manövers ist weniger heiter. Die Schiffe, Flugzeuge und Hubschrauberspielen ein Szenario durch, bei dem ein fiktives Land namens „Barracudia“ Gebietsansprüche auf die Insel Bornholm erhebt. Streitkräfte sichern daraufhin mit UN-Mandat die Seewege ab, auf der Insel kommt es zu von „Barracudia“ unterstützten Unruhen, die Lage wird brenzlig.

Nato und Russland verstärken Präsenz

Beobachter verstehen das als Anspielung auf die Annexion der Krim durch Russland, auch wenn die Marine das offiziell zurückweist. Russland wurde als einziges Ostseeland nicht zu dem Manöver eingeladen. Die Krimkrise von 2014 gilt als Beginn einer neuen Ära der Unsicherheit im Ostseeraum – vor allem die baltischen Länder befürchten, ein ähnliches Schicksal wie die Krim zu erleiden. Seitdem zeigen beide Seiten – Nato und Russland – bei immer größeren Manövern auf der Ostsee verstärkt Präsenz.

Seit 2007 üben die Militärs der Ostsee-Länder gemeinsam auf der Ostsee – beim jährlichen Herbstmanöver „Northern Coasts“. Es ist kein Nato-Manöver. Auch neutrale Länder wie Schweden nehmen teil.

3000 Soldaten und 47 Schiffe aus 18 Nationen sind in diesem Jahr an den zwei Wochen andauernden Übungen beteiligt. Das sind so viele wie noch nie zuvor. Die gestiegene Beteiligung gilt als Zeichen der wachsenden Spannungen im Ostseeraum – zwischen dem Westen und Russland, das nicht eingeladen wurde.

Die Rollen im Manöver wechseln. „Am Anfang waren wir die eine Seite, am Wochenende andere“, sagt Yvonne Horn. Für die 25-jährige Deckoffizierin aus Rostock ist es der erste große Einsatz, sie gehört seit sechs Wochen zur Crew der „Oldenburg“. Wenn an einem etwas nicht so gut geklappt hat, wird es am nächsten noch einmal geübt“, erklärt Florian Feld, Kommandant des Rostocker Korvettengeschwaders.

„Zeichen der Solidarität“

Marine-Inspekteur Krause sprach in seiner Begrüßungsrede von „einem sichtbaren Zeichen der Solidarität“ durch „Northern Coasts“. Seit 2007 findet das Manöver jährlich im Herbst statt, so groß wie diesmal war es noch nie. Mit 1300 Soldaten stellt Deutschland das größte Kontingent. Auch Zivilisten sind beteiligt. Die simulierten Flugangriffe führt die private Firma Qinetiq aus Kiel durch, die Flieger starten dazu in Barth.

Am Ende des Manövertags mit den hochrangigen Gästen zeigte sich Krause zufrieden. „Es war ein perfekter Tag“, sagt der Marine-Chef. Solche Aktionen vieler Länder seien enorm wichtig, um das gemeinsame Zusammenspiel zu üben. Genauso zufrieden wie sein Vorgesetzter äußerte sich Flottillenadmiral Stephan Haisch, Vize-Kommandeur des dieses Jahr in Rostock gegründeten internationalen Einsatzstabs „Deu Marfor“, der erstmals einen Einsatzverband bei einem Manöver anführt.

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