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MV aktuell Nato-Stab koordiniert Einsätze von Rostock aus
Nachrichten MV aktuell Nato-Stab koordiniert Einsätze von Rostock aus
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21:03 23.01.2019
Mit einer feierlichen Zeremonie wird im Marinekommando Rostock die Aufstellung des "German Maritime Forces Staff" (Deu Marfor) gefeiert. Quelle: Bernd Wüstneck/dpa
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Rostock

Kosten-Explosion beim Segelschulschiff „Gorch Fock“, Berateraffäre im Verteidigungsministerium: Unberührt von den Krisenmeldungen der vergangenen Tage baut die Marine ihre Präsenz in Mecklenburg-Vorpommern weiter aus. Am Mittwoch nahm im Rostocker Marinehauptquartier der neue Einsatzstab der deutschen Marineeinsatzkräfte, was die Marine mit „Deu Marfor“ abkürzt, offiziell die Arbeit auf. Diese Organisation ersetzt die bisherigen Führungsstäbe in Kiel, Wilhelmshaven und Rostock. Von hier aus werden Operationen der Marineschiffe gesteuert, der Stab dient zudem als Schnittstelle zur Nato. „Wir werden das Beste aus allen Welten zusammenbringen“, kündigt Andreas Krause, Inspekteur der Marine an. Von den 107 Soldaten der „Deu Mafor“ angehören werden, sollen 25 aus den Nato-Partnerländern kommen. Die Ostsee ist zentraler Schauplatz der zunehmenden Spannungen zwischen dem westlichen Bündnis und Russland.

Marine-Inspekteur Andreas Krause überreicht Stabschef Guido Brach einen Hammer, der einst Ursula von der Leyen gehörte. Quelle: Dietmar Lilienthal

Der neue Führungsstab startet mit zunächst 40 Personen und wird schrittweise aufgebaut. Ende 2020 steht der Umzug in den 70 Millionen Euro teuren Neubau des Marine-Operations-Zentrums (MOC) an, das gerade in Rostock gebaut wird. Während der Übergangszeit arbeitet „Deu Marfor“ noch teilweise im alten MOC in Glücksburg (Schleswig-Holstein), erklärt Guido Brach. Der 49-jährige Kapitän zur See leitet den neuen Führungsstab.

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Zu kalt für Blasmusik im Freien

Bei einer feierlichen Zeremonie mit Blasmusik und Vertretern aus 19 Nato-Ländern stellte Marine-Chef Krause den neuen Stab in Dienst. Die fand in einer beheizten Halle statt – im Freien wären angesichts der Minusgrade die Instrumente eingefroren. Als symbolisches Eröffnungsgeschenk bekam Brach einen Hammer, dem Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) bei der Grundsteinlegung des MOC benutzt hatte.

Im internationalen Vergleich ist die deutsche Marine ein Nachzügler. Die Seestreitkräfte von Großbritannien, Italien und Frankreich haben schon vor Jahren nationale Führungsstäbe gegründet. Ab 2025 soll die Rostocker Einsatzzentrale zum „Baltic Maritime Component Command“ mit 180 Soldaten ausgebaut werden, das im Verteidigungsfall Einsätze an Land und auf See steuert. Die Marine könne sich die bisherige „Kleingliedrigkeit“ mit den drei verschiedenen Stabs-Standorten „nicht mehr leisten“, sagte Krause.

Oberbürgermeister Methling: Ein wichtiger Schritt

Rostocks Oberbürgermeister Roland Methling sprach zur Eröffnung von einem „wichtigen Schritt für die Marine und die Stadt“. Rostock sei „eine weltoffene Stadt“ und freue sich auf die Militärvertreter aus aller Welt. Methling verwies auf die lange militärische Geschichte der Hansestadt. Die begann 1913, als Kaiser Wilhelm II. in Warnemünde einen Flugzeugstützpunkt eröffnete.

In den kommenden Jahren wird die Marine ihre Präsenz in Rostock deutlich verstärken. Im Zusammenhang mit dem neuen MOC sollen rund 500 Dienstposten in der Hansestadt entstehen. Zudem soll das Korvettengeschwader bis 2025 um fünf neue Schiffe erweitert werden, auf denen noch einmal 500 Soldaten und Soldatinnen ihren Dienst verrichten. Insgesamt investiert die Bundeswehr in den kommenden Jahren 340 Millionen Euro in MV. Neben Rostock profitiert davon auch die Marinetechnikschule in Parow und der Eurofighter-Stützpunkt in Laage.

Gerald Kleine Wördemann