Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
MV aktuell Rostock sucht Platz für 1000 neue Marinesoldaten
Nachrichten MV aktuell Rostock sucht Platz für 1000 neue Marinesoldaten
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:02 23.01.2019
Marine-Inspekteur Andreas Krause (links) überreicht Stabschef Guido Brach einen Hammer zur Gründung von „Deu Marfor“. Quelle: Dietmar Lilienthal
Anzeige
Rostock

Der nationale Führungsstab „Deu Marfor“ hat am Mittwoch in Rostock die Arbeit aufgenommen. Für 25 Nato-Soldaten aus aller Welt wird die Hansestadt sozusagen zum neuen Heimathafen. Sie kommen nicht allein: Rund 1000 neue Dienstposten entstehen in den kommenden Jahren in der „Marinehauptstadt“. Das Korvettengeschwader am Stützpunkt Hohe Düne soll fünf zusätzliche Schiffe erhalten, weitere Stellen entstehen mit dem Neubau des Operationszentrums MOC in der Hansestadt.

Gut 30 Prozent der Neuankömmlinge werden sich in Rostock und Umgebung mit ihrem Hauptwohnsitz dauerhaft ansiedeln. Das schätzt Jörg Hoyer, Leiter des Bundeswehr-Dienstleistungszentrums in Rostock, aufgrund von früheren Erfahrungen. Die übrigen dürften jedes Wochenende zurück in ihre alte Heimat fahren. Seit Anfang des Jahres ist der Anreiz umzuziehen allerdings größer geworden: Ab einer voraussichtlichen Dienstzeit von drei Jahren und mehr am neuen Standort, verlangt die Bundeswehr den Umzug, so ein neues Gesetz. Das finanziell attraktive Trennungsgeld, das Pendler mit einer Zweitwohnung in Rostock bekommen, fällt dann für viele weg.

Anzeige

400 Bundeswohnungen für Soldaten

Um wenigstens einen Teil der neuen Marinesoldaten unterzubringen, kann das Dienstleistungszentrum in Rostock und Umgebung auf rund 400 bundeseigene Wohnungen zurückgreifen. Die gibt es beispielsweise im zentrumsnahen Bezirk Reutershagen und etwas abgelegener im Stadtteil Toitenwinkel, der durch DDR-Neubauten geprägt ist. Letztere seien nicht so beliebt. Weil der Bedarf nicht reicht, sollen neuen Wohnungen gebaut werden, so Hoyer. Das hat der Bund kürzlich entschieden. Bis die Häuser fertig sind, werden aber noch zwei bis drei Jahre vergehen.

Marine-Inspekteur Andreas Krause übergibt am Mittwoch in Rostock an Kapitän zur See, Guido Brach, das Kommando als Chef des "German Maritime Forces Staff" (Deu Marfor). Quelle: Bernd Wüstneck/dpa

Besonders begehrt sind bei den Marine-Soldaten dagegen etwa 30 Reihenhäuser, welche die bundeseigene Immobiliengesellschaft Bima unter anderem in Sanitz im Rostocker Speckgürtel besitzt. „Früher war das Interesse für die Wohnungen allgemein nicht so groß“, erklärt Regierungsdirektor Hoyer. Das hat sich seit einigen Jahren mit dem Wohnungsmangel stark geändert. Inzwischen gibt es Wartelisten. Hoyers Behörde arbeitet darüber hinaus mit privaten Vermietern zusammen. Die böten von sich aus Wohnungen an, Marine-Soldaten seien beliebte Mieter.

Soldaten-WGs sind eher selten

Die 680 Mitarbeiter der Behörde mit Außenbüros unter anderem in Sanitz, Bad Sülze, Hagenow und Schwerin helfen neben ihren anderen Aufgaben den Zuzüglern in Uniform bei Wohnungssuche und Umzug. Die Ansprüche seien höchst unterschiedlich. „Es gibt den Kommandanten, dem ein trockenes Dach über dem Kopf reicht, und den Matrosen, der unbedingt vier Zimmer für sich allein braucht“, berichtet Hoyer. Das sei so wie im zivilen Leben auch, die Wünsche spiegelten einen „Querschnitt der Gesellschaft“ wider. Das zugezogene Marine-Angehörige WGs gründen, sei aber noch eher selten. Ihren bisher forderndsten Einsatz hatte das Dienstleistungszentrum, das die Bundeswehr attraktiver für Familien machen soll, 2012, als große Teile der Marine-Führung nach Rostock verlegt wurden. „Wir mussten damals über Nacht Wohnungen für 700 Soldaten suchen“, sagt Hoyer.

Hansestadt auf Werbetour

Vor 20 Jahren bemühte sich die Rostocker Stadtverwaltung aktiv um den Zuzug von Marinesoldaten. Eine Delegation mit Vertretern von Wohnungsfirmen, Uni und der Stadt reiste zweimal nach Wilhelmshaven, um Soldaten mit ihren Familien von einem Umzug zu überzeugen. Damals wurden Dienstposten von Wilhelmshaven nach Rostock verlegt. „Die Aktion war nicht besonders erfolgreich“, erinnert sich Rathaus-Sprecher Ulrich Kunze. Grundsätzlich müsse man Wechselwilligen „die Stadt erklären“, meint Anne Wilde vom „Rostock Welcome Center“ – wie die Stadtteile sind, wie man dort leben kann. Eine Hürde ist der angespannte Immobilienmarkt: „Das Wohnungsthema ist schwierig“, sagt sie.

Gerald Kleine Wördemann