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MV aktuell Marode Seebrücken kosten Kommunen in MV Millionen
Nachrichten MV aktuell Marode Seebrücken kosten Kommunen in MV Millionen
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20:14 12.09.2019
Die Ahlbecker Seebrücke ist die älteste in Deutschland. Sie hat Anfang der 90er Jahre als Kulisse für den Loriot-Film „Pappa ante portas“ große Bekanntheit erlangt. Quelle: Jens Büttner/dpa
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Rostock

Marode Statussymbole mondäner Seebäder: Viele Seebrücken im Land werden für die Urlaubsorte in den nächsten Jahren zu einem Kostenproblem. Beispiel Wustrow auf der Halbinsel Fischland-Darß-Zingst: „Seit den 90er Jahren haben wir einen mittleren sechsstelligen Betrag in die Unterhaltung unserer Seebrücke investiert“, sagt der Geschäftsführer der Kurverwaltung Wustrow, Dirk Pasche. Dennoch seien die Seebrücken für die touristische Attraktivität unverzichtbar, schiebt er hinterher.

In Wustrow müssten nun die Betonpfeiler neu konserviert werden. Allein diese Maßnahme werde für die gesamte Brücke mit ihren 36 Pfeilern gut 300 000 Euro verschlingen. Die hohen Kosten würden auch mit den strengen Umweltauflagen zusammenhängen, die bei Arbeiten an den Seebrücken in der offenen Ostsee erfüllt werden müssten. In Binz werden demnächst sogar 2,5 Millionen Euro für den Erhalt der Seebrücke ausgegeben.

20 Seebrücken gibt’s in MV

Entlang der Ostseeküste von MV gibt es 20 Seebrücken zwischen Boltenhagen im Westen und der historischen Brücke in Ahlbeck auf Usedom im Osten des Landes. Die Holzbauwerke reichen oft mehrere hundert Meter ins Wasser. Den längsten Seesteg im Nordosten hat Heringsdorf mit 508 Metern, den kürzesten Sassnitz (105 Meter).

Die Ahlbecker Seebrücke ist indes die älteste in Deutschland. Sie hat Anfang 90er Jahre als Kulisse für den Loriot-Film „Pappa ante portas“ große Bekanntheit erlangt und wurde damals für den Film komplett weiß gestrichen.

Bildergalerie: Die Seebrücken entlang der Ostseeküste in MV

Sie sind Wahrzeichen entlang der Ostseeküste – die Seebrücken. 20 dieser imposanten Bauwerke gibt es in MV. Die OZ stellt sie vor.

Fast zur gleichen Zeit hatte die Landesregierung seinerzeit ein üppiges Förderprogramm über knapp 19 Millionen Euro zur Sanierung und dem Bau neuer Seebrücken aufgelegt. Tourismusorte, die ihre Gäste aufs Meer hinaus flanieren lassen wollten, bekamen satte 90 Prozent der Baukosten von der Landesregierung erstattet. Mit den Instandhaltungskosten stehen die Gemeinden nun mehr als 25 Jahre später alleine da.

Allein um die regelmäßigen Schäden nach den Herbststürmen eines jeden Jahres reparieren zu können, legen die Urlaubsorte und ihre Kurverwaltungen pro Brücke jedes Jahr einen fünfstelligen Betrag zurück: Sellin etwa 30 000 Euro, Wustrow kommt meistens mit rund 10 000 Euro aus. Das Geld dafür wird in den meisten Fällen aus den Kurtaxe-Einnahmen abgezweigt, da Seebrücken eine vornehmlich touristisch genutzte Infrastruktur darstellen.

Koserow plant Neubau für 7,5 Millionen Euro

Inzwischen sind viele der Flaniermeilen auf der Ostsee in die Jahre gekommen. Nachdem die Seebrücke in Koserow auf Usedom aufgrund ihrer Baufälligkeit bereits im August 2013 gesperrt worden ist, soll sie nun im Oktober abgerissen und durch einen 7,5 Millionen teuren Neubau vollständig ersetzt werden.

Lesen Sie auch: Abriss der Koserower Seebrücke beginnt Mitte Oktober

Pläne gibt es in Kühlungsborn – und zwar für den Bau einer zweiten Seebrücke im Stadtteil West. „Das Vorhaben ist im Gespräch, aber noch nicht konkret“, betont die Sprecherin der Tourismus, Freizeit und Kultur GmbH Kühlungsborn, Katja Schneider. Zunächst müsse diskutiert werden, wie Strand und eine möglicherweise neue Seebrücke in Kühlungsborn West touristisch ausgerichtet sein sollen, um sich von der bereits bestehenden Brücke im östlichen Stadtgebiet zu unterscheiden.

Auch in Zinnowitz werden in einer entsprechenden Arbeitsgruppe derzeit erste Überlegungen angestellt, wie der Zustand der Seebrücke dort verbessert werden könnte. Etwas genauer fallen derweil die Pläne für Modernisierungen an den Seebrücken in Heiligendamm und Rerik aus. Um unter Umständen doch Fördermittel zumindest für einen Teil der Arbeiten zu bekommen, müssen Bürgermeistern und Kurdirektoren neue Dinge einfallen, die es bisher nicht gab.

Dann gibt es eine Förderung für Seebrücken

„Modernisierungsmaßnahmen von Seebrücken werden dann gefördert, wenn funktionale Änderungen herbeigeführt werden, die beim Seebrücken-Bau in den 90er Jahren noch keine Berücksichtigung fanden“, teilte ein Sprecher des Wirtschaftsministeriums auf Anfrage mit.

Was es bedeutet, wenn die Anlagen mehr bieten sollen als schlichte Bretter, um darauf zu laufen, könnte sich in Prora bald zeigen. Dort soll unmittelbar vor dem ehemaligen „Kraft-durch-Freude“-Komplex der Nazis eine völlig neue Seebrücke entstehen. Sie soll einem anderen Konzept folgen als die bisherige Brücke in Binz, wie der Binzer Kurdirektor Kai Gardeja sagt.

Als neuer Ort für Kunst und Kultur hätten die Stege ebenso Potenzial wie als gut genutzte Anleger für Schiffe, mit denen Urlauber und Einheimische zwischen den Seebädern hin- und herfahren könnten. Dies sei ursprünglich die Hauptaufgabe der Seebrücken gewesen.

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