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MV aktuell Experten schlagen Alarm: Hohe Zahl der Masern-Erkrankungen in Deutschland
Nachrichten MV aktuell Experten schlagen Alarm: Hohe Zahl der Masern-Erkrankungen in Deutschland
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07:12 20.05.2019
Eine Patientin erhält eine Impfung gegen Masern. In MV ist die Impfquote gegen die hoch ansteckende Infektionskrankheit besonders hoch. Quelle: dpa
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Rostock/Greifswald

Mediziner schlagen Alarm: Gefährliche Infektionskrankheiten, wie Masern, Keuchhusten und Tuberkulose, sind in Europa auf dem Vormarsch und in Deutschland ein ernstes Problem. Allein 2018 infizierten sich europaweit 82 500 Menschen mit dem Masernvirus, 72 Todesopfer waren zu beklagen. „Bundesweit wurden 544 Masernfälle registriert, in diesem Jahr sind es bereits 387“, verdeutlicht Dr. Martina Littmann, Abteilungsleiterin Gesundheit im Landesamt für Gesundheit und Soziales MV (LAGuS).

Obwohl der Nordosten aufgrund seiner derzeit mit 95,5 Prozent bundesweit höchsten Impfquote bei Schulanfängern gegen Maserninfektionen gut gewappnet scheint, zeigt sich die Expertin besorgt: Denn die Zahl jener Patienten, die hierzulande an anderen Infektionskrankheiten, wie Keuchhusten oder Tuberkulose leiden, ist beträchtlich. Konkret gab es in MV 2018 insgesamt 264 Fälle von Keuchhusten, in diesem Jahr sind es bereits 119.

Gegen Tuberkulose fehlt wirksamer Impfstoff

Während man sich gegen Masern und Keuchhusten durch Immunisieren schützen könne, fehle im Kampf gegen Tuberkulose ein wirksamer Impfstoff, bedauert Prof. Dr. Emil Reisinger, Vorstandsmitglied der Unimedizin Rostock. Ursache für das vermehrte Auftreten dieser bakteriellen Infektionskrankheit ist vor alllem die Einwanderung von Bürgern aus osteuropäischen Ländern, wie auch Dr. Wilfried Schimanke, Vizepräsident der Ärztekammer MV, bestätigt.

„Während Tuberkulose in Deutschland kam noch ein Thema war, gibt es dieses Problem vor allem in den ehemaligen Sowjetrepubliken“, sagt Schimanke. „Die sofortige Erfassung von Krankheitsfällen, eine Behandlung mit Antibiotika und die Beobachtung des familiären Umfeldes sind notwendig“, erklärt Reisinger. Dass dies in MV gut gelinge, zeige die leicht abnehmende Zahl von Erkrankungsfällen, so der Fachmann für Infektions- und Tropenmedizin. Waren es im vergangenen Jahr 80, so sind 2017 noch 90 vermerkt.

Maserninfektion kann tödlich enden

Beide Ärzte warnen gleichzeitig vor Versuchen, der Masernimpfung eine negatives Image anzudichten: „Die Gefahr, durch eine solche Vorsorgemaßnahme zum Beispiel an Autismus zu erkranken, ist Schwachsinn“, sagt Schimanke. „Wie bei allen Impfungen kann es zu leichten Nebenwirkungen kommen. Dazu zählen das Auftreten von Fieber oder kleineren Hautausschlägen“, erläutert Dr. Sebastian Schmidt. Die möglichen Komplikationen beim Ausbruch einer Masernerkrankung seien jedoch viel gravierender. So belege die Statistik, dass jeder 1000. Masernpatient insbesondere eine entzündliche Hirnerkrankung entwickle und daran zehn bis 20 Prozent versterben, warnt der Leitende Oberarzt der Kinderklinik der Greifswalder Unimedizin. Er betont, dass in Deutschland zwar etwa 95 Prozent der Kinder bis zu ihrem zweiten Geburtstag eine Masernimpfung erhielten, doch nur 74 Prozent auch die zweite. Dadurch sei der sogenannte Herdenschutz, der die Bevölkerung vor Epidemien bewahre, in Gefahr.

„MV ist das einzige Bundesland, in dem Betriebsärzte als Außendienstmitarbeiter des öffentlichen Gesundheitsdienstes am Arbeitsplatz öffentlich empfohlene Schutzimpfungen vornehmen können“, erklärt LAGuS-Expertin Martina Littmann. Hinzu komme, dass Ärzte, die impfen, sich ständig weiterbilden und ein gültiges Impfzertifikat vorweisen müssen. Auch dadurch sei es gelungen, dass in den vergangenen drei Jahren jeweils nur ein Masernfall im Nordosten zu beklagen war, so die Fachfrau.

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