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MV aktuell Masernwelle: Mediziner und Politiker aus MV fordern Impfpflicht
Nachrichten MV aktuell Masernwelle: Mediziner und Politiker aus MV fordern Impfpflicht
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05:00 26.03.2019
Die Masernimpfung gehört in MV zu den am meisten genutzten Impfungen. Quelle: DAK/Picture-Factory
Rostock

Kommt bald die Impfpflicht gegen Masern? Eine neue Masernwelle in Mecklenburg-Vorpommerns Nachbarländern Niedersachsen und Schleswig-Holstein sowie weiteren Bundesländern beschäftigt jetzt auch die Bundesregierung.

Was Impfungen gegen die gefährliche Viruserkrankung betrifft, ist fast keine Region so vorbildlich wie MV. Außer Brandenburg erfülle kein Bundesland die geforderte Impf-Quote von 95 Prozent zur Einschulung der Kinder, sagt Anja Neutzling, Sprecherin des Landesamtes für Gesundheit und Soziales. Der Impfstatus im Nordosten sei sehr hoch. Er entspricht damit der Quote, die aus Expertensicht nötig ist, um die Krankheit als „ausgerottet“ einzustufen. Entsprechend trat die hochgefährliche Viruserkrankung in MV kaum auf. 2019 gab es laut Lagus bislang keinen Masernfall – in den Jahren 2016, 2017 und 2018 jeweils einen. Die Erkrankten waren junge Erwachsene, die in den Jahren 1992 und 1993 geboren wurden.

Große Masernwelle 2015

Bundesweit sind die Zahlen deutlich dramatischer. Im vergangenen Jahr gab es in Deutschland 543 Fälle. Insgesamt zählt das Robert-Koch-Institut (RKI) 2019 bereits 170 Erkrankungen. Im niedersächsischen Hildesheim sind mehrere Schulen betroffen. Die letzte große Masernwelle erreichte Deutschland im Jahr 2015. Fast 2500 Fälle traten damals bundesweit auf – ein anderthalbjähriges Kind in Berlin starb.

„Die Einführung einer Impfpflicht scheint wieder nötig zu sein“, sagt Gesundheitsminister Harry Glawe (CDU). Das Schweriner Gesundheitsministerium und das Lagus wollen mit der Impfkampagne „MV impft – gemeinsam Verantwortung übernehmen“ das Thema wieder stärker in den Blickpunkt der Bevölkerung zu rücken. Er betont, dass „Mecklenburg-Vorpommern ein impffreudiges Land ist“. „Dennoch müssen wir weiter intensiv auf die Vorteile des Impfens aufmerksam machen, um diese hohen Werte noch weiter zu verbessern“, sagt Glawe.

Mehr Eltern haben Bedenken gegen Impfungen

Kinderärzte in MV registrieren inzwischen eine zunehmende Verunsicherung bei vielen Eltern. 2017 hatte der umstrittene Dokumentarfilm „Eingeimpft“ Diskussionen ausgelöst. „Insgesamt sind es wenig Eltern, die nicht impfen lassen, aber es ist mehr geworden, dass Eltern grundsätzlich Bedenken haben“, sagt der Dr. Andreas Michel aus Greifswald. Der Pädiater führt immer öfter Aufklärungsgespräche. Er versuche Eltern – teilweise in mehreren Gesprächen, die bis zu einer dreiviertel Stunde dauern – zu überzeugen und Vertrauen zu vermitteln.

„Seit 30 Jahren haben wir diesen Impfstoff und gute Erfahrungen damit. Die Frage ist für mich nicht, ob eine Impfpflicht Sinn macht, sondern welche, außer Masern, noch Sinn machen“, sagt der Landesvorsitzender des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte MV. Eltern sollten nicht „zum Unwohl ihrer Kinder“ über ihre Gesundheit entscheiden dürfen. „Es gibt doch auch eine Anschnall- und Helmpflicht, das stellt auch keiner in Frage. Jedes Kind hat das Recht auf einen Schutz vor impfpräventablen Erkrankungen“, sagt Michel. Masern sei eine sehr gefährliche Erkrankung, die tödlich ausgehen und gravierende Komplikationen nach sich ziehen kann.

Viruserkrankung weltweit auf dem Vormarsch

Masern sindeine hochansteckende Viruserkrankung und werden vor allem durch Tröpfchen übertragen. Steigendes Fieber, Infekt des Nasen-Rachen-Raumes, Bindehautentzündung und Ausschlag am ganzen Körper können Symptome sein. Unter anderem gilt laut Robert-Koch-Institut als besonders gefürchtete Komplikation, die akute Enzephalitis, eine Gehirnentzündung. Eine immer tödliche, sehr seltene Spätfolge, die etwa sechs bis acht Jahre nach der Maserninfektion auftreten kann, ist die Panenzephalitis, bei der sich das Gehirn auflöst.

Die beste Vorbeugung gegen Masern ist laut Lagus die Schutzimpfung. Die zweimalige Masern-Mumps-Röteln-Impfung (MMR) wird laut Impfkalender der Ständigen Impfkommission (Stiko) im Alter von elf bis 14 Monaten und 15 bis 23 Monaten empfohlen. Ebenso sollten alle nach 1970 geborenen, ungeimpften oder nur nur einmal geimpften Personen ab 18 Jahre eine Spritze gegen Masern bekommen.

Weltweit hättenim Jahr 2018 insgesamt 98 Länder ein stärkeres Auftreten der Virusinfektion registriert als im Vorjahr, heißt es in einem aktuellen Bericht des UN-Kinderhilfswerks Unicef. Eigentlich sollten die Masern bis 2015 ausgerottet sein, dazu hatte sich die Bundesregierung 2011 vor der Weltgesundheitsorganisation verpflichtet. Danach dürfte es in ganz Deutschland pro Jahr nicht mehr als 80 Fälle geben.

Grüne lehnen Impfpflicht ab

Auch der gesundheitspolitische Sprecher der Linksfraktion, Torsten Koplin, befürwortet eine Impfpflicht: „Impfen bedeutet Leben retten. Es wäre absurd, das Erreichte durch Halbwissen und Vorurteile über das Impfen aufs Spiel zu setzen. Deswegen fordern wir eine allgemeine Impfpflicht für die dringenden Impfempfehlungen des Robert-Koch-Instituts für alle Kinder bis 14 Jahre.“

Anders sehen das die Grünen. Landesvorsitzende Ulrike Berger findet: „Statt einer Impfpflicht setzen wir deshalb auf noch stärkere Informationskampagnen und die Vorsorge-Untersuchungen im Kindes- und Jugendalter.“ Die sehr hohe Impfquote in MV zeige, dass „Impfskeptizismus gerade nicht – wie häufig angeführt – das Problem ist“.

Virginie Wolfram

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