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MV aktuell Mathe-Ass aus Rostock: Aus dem Leben eines Hochbegabten
Nachrichten MV aktuell Mathe-Ass aus Rostock: Aus dem Leben eines Hochbegabten
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08:57 27.04.2019
August Botezatu (13) aus Rostock ist hochbegabt. Quelle: Frank Söllner
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Rostock

Ein Blick ins Zimmer von August Botezatu verrät: Hier wohnt ein Teenager. Der Schreibtisch ist zugemüllt, Krempel liegt auf dem Boden verteilt. Doch wie sagte angeblich Albert Einstein: „Ordnung halten kann jeder, das Genie überblickt auch das Chaos.“

Das Wort Genie wird allerdings bei der Rostocker Familie Botezatu/Nannen vermieden. August gilt als hochbegabt, ist aber dabei ein normaler 13-Jähriger mit vielen Freunden und Hobbys – entspricht also so gar nicht dem Klischee des strebsamen Stubenhockers. „Wir lehnen so eine Kategorisierung auch ab. August hat einfach, wie jeder andere Mensch, seine Stärken“, betont Vater Claus Nannen.

Alleine lesen gelernt

Und diese Stärken liegen vor allem im Rechnen: Dass August ein Mathe-Ass ist, zeigte sich schon in der Grundschule. „In der ersten Klasse bekamen wir ein Mathe-Heft mit Aufgaben für das ganze Jahr. Mit einem Freund hatte ich einen kleinen Wettstreit, wer es schneller schafft und wir waren beide schon vor Ende des ersten Halbjahres damit fertig“, erinnert sich August. Weil dann nichts mehr zu tun war, hat er dann auch gleich noch die Aufgaben für die zweite Klasse gelöst. „Manchmal ist es langweilig, wenn man schon alles verstanden hat“, erklärt er.

Augusts schnelles Auffassungsvermögen und die überdurchschnittlichen Fähigkeiten im logischen Denken wurden sogar noch früher offensichtlich, erinnert sich Mutter Carmen Botezatu: „Seine Kindergärtnerin hat uns berichtet, dass er sich selbst das Lesen beigebracht hatte und früh schon Spiele für größere Kinder spielte.“

Zunächst habe ihr die Hochbegabung ihres Sohnes ein wenig Sorgen gemacht. „Ich wusste ja nicht, was das genau bedeutet.“ Nachdem sie sich aber über das Thema informiert hatte, war sie beruhigt: „Das hat mir geholfen, mein Kind zu verstehen.“ Auch Vater Claus war zunächst unentschlossen: „Wir standen vor der Frage, ob wir die Begabung fördern oder alles einfach laufen lassen sollten.“ Aber Carmen Botezatu kam dann zu dem Schluss: „Wenn Potenzial nicht gefördert wird, verkümmert es.“

Bruchrechnung anhand von Pizza

Vater Claus zeigte dann August unter anderem spielerisch mit Hilfe von Pizza, die er zunächst in vier und dann in acht Teile schnitt, was Bruchrechnung ist. „Augusts Stärke liegt im Verstehen, andere können eben gut werfen oder sich in andere hineinversetzen. Das ist normaler, als es vielleicht wahrgenommen wird.“ Auch Mutter Carmen betont: „Hochbegabten Kindern wird oft unterstellt, dass sie in einer eigenen Welt leben, aber August ist sehr sozial.“

Das belegen unter anderem seine zahlreichen Hobbys: Lange war August in einem Eishockeyteam, heute spielt er noch Tennis, dreht mit Freunden kleine Filmszenen, spielt Klavier, lernt Musiktheorie, macht Gehörbildung. „Musik ist neben Mathe auch mein Lieblingsfach in der Schule“, sagt August. „Das ist lockerer Unterricht, wir singen viel und es kommt nicht so auf Leistung an.“ Denn mit Leistungsdruck tut sich der 13-Jährige schwer, er mag es lieber, wenn er das, was er tut, mit Freude macht. „Ich bin manchmal ehrgeizig, aber nicht, weil ich gut in der Schule sein will, sondern weil mich etwas interessiert.“

Eine Klasse übersprungen

Als August mit der Familie von Berlin nach Rostock zog, übersprang er die zweite Klasse und durfte gleich in der dritten weitermachen, wo es zum ersten Mal überhaupt um Noten ging. „Ich war völlig baff, weil ich gar nicht an Leistung gewöhnt war. Vorher hatte es immer nur Spaß gemacht.“ Das Ergebnis war prompt auch eine Drei in der ersten Mathe-Arbeit. Die Schule hatte er sich damals selbst aussuchen dürfen. Als er die Rostocker Grundschule Am Wasserturm besichtigte, war er gleich entflammt: „Auf dem Tisch stand ein Schachbrett und die Schule war nicht so groß. Dieser erste Eindruck hat mich überzeugt.“

Inzwischen geht August in die neunte Klasse des Rostocker CJD-Gymnasiums. Dort besucht er eine eigene Hochbegabtenklasse. Dort blühte er richtig auf, erinnert sich sein Vater: „Wir hatten das Gefühl, dass es August da richtig gut ging.“ Das machte sich auch an den Zensuren bemerkbar: Im Vergleich zur vierten Klasse verbesserte er sich in allen Fächern um eine Note.

Hausaufgaben im Bus

Und obwohl das Niveau der Hochbegabtenklasse höher ist als in „normalen“ Klassen, wirkt August nicht überfordert. „Hausaufgaben mache ich in der Pause oder im Bus.“ So hat er mehr Zeit für seine Hobbys. Nur wenige Stunden Freizeit in der Woche sind nicht verplant. Wenn er doch mal ein wenig Zeit für sich allein hat, liest er gerne Fantasy-Bücher, spielt Klavier „oder ich sitze einfach auf dem Sofa und genieße die Sonne.“

Gerne programmiert er auch mit einem Freund kleine Spiele am Computer. Zu lange soll August jedoch nicht am PC hocken, sagt sein Vater: „Wir versuchen, das unter der Woche auf eine halbe Stunde am Tag zu begrenzen.“ Trotz dieser Einschränkung steht Augusts Berufswunsch schon fest: Er will Informatiker werden. „Der Job wird gut bezahlt, es werden Mitarbeiter gesucht und es macht Spaß.“

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