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MV aktuell Medikamente belasten Gewässer in MV
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05:03 14.06.2019
Medikamente wie Pillen oder Kapseln gehören nicht in die Toilette, sondern müssen über den Hausmüll entsorgt werden, weil Kläranlagen die Stoffe nicht eliminieren können. Das gilt auch für Salben und medizinische Säfte. Quelle: FRISO GENTSCH/DPA
Rostock

Metoprolol, Bisoprolol oder Carbamazepin – noch immer sind viele Gewässer in Mecklenburg-Vorpommern mit solchen Arzneimittelresten belastet. Vor allem in Flüssen und Küstengewässern hat das Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie (Lung) in den vergangenen Jahren immer wieder Spuren von Medikamenten festgestellt. „Häufig konnten auch die Röntgenkontrastmittel Amidotrizoesäure und Iopamidol nachgewiesen werden“, heißt es aus dem Schweriner Agrar- und Umweltministerium.

Konkret: 39 Arzneimittel haben die Lung-Tester in Flüssen gefunden, in Küstengewässern waren es Reste von 20 Medikamenten, darunter z. B. das Analgetikum (schmerzstillendes Mittel) Diclofenac sowie Betablocker, mit denen etwa Bluthochdruck behandelt wird. Welche Flüsse oder Küstenabschnitte im Nordosten belastet sind, konnte das Ministerium allerdings nicht mitteilen. Voraussichtlich im Herbst 2019 werde das Lung dazu einen entsprechenden Bericht veröffentlichen, erklärte eine Sprecherin.

Medikamentenreste aus Haushalten und Krankenhäusern

Viele Rückstände gelangen über menschliche Ausscheidungen ins Abwasser. Auch stammen einige Substanzen aus Krankenhäusern und anderen medizinischen Einrichtungen, erklärte der Schweriner Umweltminister Till Backhaus (SPD). Zudem kommen aus der Tiermedizin sowie aus Privathaushalten Medikamentenreste ins Abwasser, oft durch unsachgemäße Entsorgung. Backhaus ruft daher zu einem sparsamen Umgang mit Medikamenten auf.

Doch was tun mit abgelaufenen Pillen, Salben oder Säften? „Die Restbestände kommen in den Hausmüll“, erklärt der Geschäftsführer der Apothekerkammer MV, Bernd Stahlhacke. Auf keinen Fall sollte man die Reste durch die Toilette entsorgen. Stahlhacke: „Dafür sind die Klärwerke nicht ausgelegt.“ Apotheken seien nicht verpflichtet, Arzneimittel zurückzunehmen.

Kläranlagen können Arzneimittel kaum eliminieren

Das Umweltministerium räumt ein, dass Arzneimittel in Kläranlagen „nur ungenügend eliminiert“ werden können. „Gelangen diese Substanzen in den Wasserkreislauf, können sie sich schon in niedrigen Konzentrationen auf Wasserorganismen auswirken“, betont Backhaus. Dass es in Küstengewässern trotz der stärkeren Verdünnung zu Befunden komme, zeige, „dass hier etwas passieren muss“, so Backhaus.

In Deutschland gebe es derzeit mehrere Pilotprojekte für die sogenannte 4. Reinigungsstufe in Kläranlagen. Diese bezeichnet nach Angaben des Fraunhofer Instituts „einen zusätzlichen Verfahrensschritt in der Kläranlage, der zur weiteren Reinigung des behandelten Abwassers dient“. Dazu gehöre auch die Elimination von Spurenstoffen wie Medikamentenreste, Hormone oder Röntgenkontrastmittel.

Kliniken halten keine Kläranlagen vor

Dass Kliniken eigene Kläranlagen vorhalten, sei nicht üblich, sagt der Sprecher der Universitätsmedizin Greifswald, Christian Arns. In Altersheimen oder anderen Einrichtungen, in denen pflegebedürftige Menschen leben, gebe es solche Anlagen auch nicht. Ausscheidungen mit radioaktiven Substanzen, etwa aus der Krebstherapie, würden verwahrt, bis die Strahlungen abgeklungen seien.

So wie in Greifswald werden Arzneimittel, die nicht mehr zu verwenden sind, „zusammen mit anderen medizinspezifischen Abfällen an einen Entsorgungsfachbetrieb übergeben“, erklärt Jenny Strozyk, Sprecherin der Universitätsmedizin Rostock. „Pro Woche gehen durchschnittlich 60 Volumenliter Arzneiabfälle – die sich in Form, Dosierung und Mengenverpackung unterscheiden – an das Entsorgungsunternehmen“, sagt Jenny Strozyk. In der Universitätsmedizin Greifswald werden laut Sprecher Christian Arns jährlich rund 100 000 Ampullen verbraucht, zudem drei Millionen Tabletten, eine halbe Million Liter Infusionslösungen sowie 750 Kilogramm Salben und Cremes.

Entwarnung kann Backhaus für das Trinkwasser im Land geben. Dafür ergebe sich aus den Messwerten „nach heutigem Stand der Wissenschaft keine Gesundheitsgefahr“, so der Minister.

Axel Meyer

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