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MV aktuell Nach Insolvenz: Mitarbeiter von „Lila Bäcker“ erhalten Geld
Nachrichten MV aktuell Nach Insolvenz: Mitarbeiter von „Lila Bäcker“ erhalten Geld
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17:31 22.01.2019
Lkw des Bäckereiunternehmens "Lila Bäcker" stehen in Pasewalk hinter einem Zaun. Die Bäckereikette hat beim Amtsgericht Neubrandenburg Insolvenzantrag gestellt. Quelle: Bernd Wüstneck/dpa
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Rostock/Pasewalk

Es ist eine Nachricht, die Mut macht: Am Montag konnten die meisten Mitarbeiter der Kette „Unser Heimatbäcker“, zu der „Lila Bäcker“ gehört, in Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Berlin endlich „frisches“ Geld auf ihrem Konto verbuchen. Das betrifft alle Beschäftigten, die zuvor eine Abtretungsvereinbarung unterschrieben hatten. „Bis spätestens 17 Uhr müsste bei denen das Dezember-Gehalt auf dem Konto eingegangen sein“, sagt Jörg Dahms, Landeschef der Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten (NGG) in MV. Und er versichert, dass die Gehälter fortlaufend gezahlt würden – auch über die Insolvenzzeit hinaus. Dazu gehöre auch die Vergütung der geleisteten Überstunden der Monate Dezember, Januar und Februar. Dagegen werden etwa 60 000 bislang unbezahlte Überstunden, die vor dem 1. Dezember geleistet worden sind, in der Insolvenzmasse verschwinden.

Gewerkschaft und Insolvenzverwalter haben gemeinsames Ziel

Dahms hat jedoch noch mehr gute Botschaften für die Mitarbeiter. Er war am Dienstag in Berlin bei einer Beratung mit dem Insolvenzverwalter. Dabei sei eins ganz klar geworden: „Gewerkschaft und Insolvenzverwalter wollen dieses Unternehmen in Gänze und im Paket erhalten – mit allen Arbeitsplätzen“, betont der Gewerkschafter. Bis zum 1. März werde nun ein Investor gesucht. Falls dies nicht gelinge, werde das Unternehmen trotzdem weitergeführt.

Am Sonnabend lädt die Gewerkschaft NGG die Mitarbeiter der Bäckerei-Kette in Pasewalk (Vorpommern-Greifswald) zu einer Informationsveranstaltung ein, sagt Dahms. Auch der Insolvenzverwalter werde dabei sein. „Wir wollen für Ruhe und Transparenz sorgen“, erklärt Dahms.

„,Unser Heimatbäcker’ ist ein im Kern gesundes Unternehmen. Wir haben eine Strategie für eine erfolgreiche Weiterentwicklung, an deren Umsetzung wir bereits arbeiten und das wir dem Gläubigerausschuss vorlegen werden“, sagt Pressesprecherin Kathrin Hansen. Und es würden bereits Gespräche mit möglichen Investoren zur künftigen Finanzierung geführt.

„Alle Mitarbeiter, die der Vereinbarung zur Insolvenzgeldvorfinanzierung schriftlich zugestimmt haben, haben ihre Zahlungen erhalten bzw. werden sie zeitnah erhalten“, sagt sie. Mit diesem Vertrag werde sichergestellt, dass die Mitarbeiter ihr Gehalt sowohl rückwirkend als auch bis zur Eröffnung des Insolvenzverfahrens erhalten.

Gekündigte Mitarbeiter klagen weiter

Indes wird der Rechtsstreit um 225 Kündigungen bei der Kette „Unser Heimatbäcker“ in Pasewalk vor etwa einem Jahr vorm Landesarbeitsgericht in Rostock verhandelt. Es gehe um elf Berufungsverfahren , erklärt ein  Gerichtssprecher. Prozesse würden frühestens Mitte 2019 beginnen.

In den Verfahren aus Neubrandenburg geht es um fristlose Kündigungen, weil neun Mitarbeiter noch mit der alten, Anfang 2018 abgelösten Geschäftsführung Sondervereinbarungen hatten. Diese schätzt die neue Geschäftsführung der „Lila Bäcker“-Kette wegen hoher Abfindungen als „sittenwidrig und veruntreuend“ ein. Die elf Beschäftigten aus Brandenburg und MV hatten die Prozesse an Arbeitsgerichten 2018 in erster Instanz gewonnen, wogegen die Kette Rechtsmittel eingelegt hat.

Gegen die abgelöste Geschäftsführung ermittelt in dem Zusammenhang auch die Staatsanwaltschaft wegen Untreue-Verdachts. „Lila Bäcker“ betreibt rund 400 Filialen in Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg sowie Berlin und hatte die Kuchenproduktion damals zentralisiert und Betriebsteile in Dahlewitz bei Berlin, Gägelow und Pasewalk geschlossen. 225 der rund 2700 Mitarbeiter erhielten Kündigungen. Vor einer Woche meldete die neue Geschäftsführung wegen Zahlungsproblemen Insolvenz an, darf die Produktion aber vorerst weiterführen.

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Bernhard Schmidtbauer und Winfried Wagner