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MV aktuell Nach schockierendem Mobbing-Ritual: Ministerin Hesse (SPD) in Crivitz erwartet
Nachrichten MV aktuell Nach schockierendem Mobbing-Ritual: Ministerin Hesse (SPD) in Crivitz erwartet
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16:07 18.03.2019
Die Regionale Schule Crivitz: Hier sollen Kinder vier Jahre lang ein Mobbing-Ritual betrieben haben, ohne dass Lehrer etwas bemerkten. Quelle: Juliane Schultz
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Crivitz

Die Regionale Schule Crivitz befindet sich seit einer Woche im Ausnahmezustand. Die Fronten zwischen Eltern sowie Rektor und Lehrern verhärten sich zunehmend. Am Montagabend um 19 Uhr wird Bildungsministerin Birgit Hesse (SPD) in der Kleinstadt bei Schwerin erwartet, um die Wogen zu glätten. Für den 25. März hat Mobbing-Experte Carsten Stahl sein Kommen zugesagt, um mit den Kindern zu reden.

Grund für die Aufregung: Die Ostsee-Zeitung hatte am vergangenen Montag über ein Mobbing-Ritual berichtet, das an der Schule über vier Jahre praktiziert wurde. Deutschlandweit sorgte der Fall des sogenannten „Stängelns“ für Aufsehen. Im Laufe der Woche meldeten sich immer mehr Eltern öffentlich zu Wort, die insbesondere die Rolle der Schulleitung kritisierten.

„Sein Schweigen macht alles schlimmer.“

Zunächst wurden Fragen laut, wie es möglich war, dass Lehrer jahrelang die körperlichen Übergriffe von Sechstklässlern auf jüngere Schüler nicht bemerkten. Hierzu schreibt eine Mutter öffentlich auf Facebook: „Vielleicht sollte man darüber nachdenken, dass Lehrer sich auf den Hof begeben, wenn Sie Hofaufsicht haben und nicht nur hinter der Glasscheibe stehen.“

Nachdem sich Rektor Egbert Dähn auch vier Tage nach Bekanntwerden der Ereignisse nicht äußerte, forderten immer mehr Stimmen eine Erklärung des Schulleiters. Dieselbe Mutter schreibt auf Facebook: „Sich zu verstecken und – statt nach Lösungen – nun Schuldige zu suchen, finde ich einfach nur noch schlimm. Als Schulleiter hätte ich schon längst reagiert! Sein Schweigen macht alles schlimmer.“

Anfang März 2019 wurde bekannt, dass sich Kinder hier jahrelang mit einem Ritual mobbten. Die Schulleitung wusste von den Vorfällen seit September 2018. Einige Eltern klärten die Vorgänge intern auf.

„Wir wollen doch nur ernstgenommen werden“

Auch Annett Mehlitz-Albat sagt zum Schweigen des Rektors: „Das macht mich so wütend.“ Besonders enttäuscht ist die Mutter zweier Kindern von einem Rundschreiben, das Dähn schließlich am Freitag verbreiten ließ. Darin enthalten sind die Formulierungen „sollten Kinder zu Schaden gekommen sein“ oder „sollen Stängel-Spiele stattgefunden haben.“ Mehlitz-Albat ist entsetzt: „Das gibt den Ereignissen so einen Fake-News Charakter, dabei ist es unstrittig, dass es stattgefunden hat. Er muss das endlich zugeben.“

Die 35-Jährige hat sich Hilfe bei Birgit Hesse gesucht, um mit ihr über die Vorgänge zu reden. Die Mutter ist froh, dass die Ministerin am Montagabend in Crivitz dabei sein wird, wenn Elternschaft, Lehrer und Schulleiter Egbert Dähn erstmals gemeinsam über die Mobbing-Fälle reden werden. „Wir wollen doch nur ernstgenommen werden“, betont Mehlitz-Albat.

Sie hat ebenfalls zu Carsten Stahl den Kontakt aufgenommen. Der Mobbing-Experte ist aus der Fernsehsendung „Stahl:hart gegen Mobbing“ bekannt. Mit Schuldirektoren geht der 46-Jährige hart ins Gericht: Nach seinen Erfahrungen würden 50 Prozent der Schulleiter, mit denen er zu tun hatte, sagen, dass es an ihrer Schule kein Mobbing gebe. Er spricht von Verharmlosung, Leugnen und dass Eltern betroffener Kinder mundtot gemacht würden. Das wollen die Crivitzer am Montagabend jedoch nicht zulassen.

Alle Artikel zum Mobbing-Fall Crivitz

11. März 2018 Sexualisiertes Mobbing-Ritual: 30 Schüler an Schule in Crivitz beteiligt

11. März 2018 – Kommentar: Schamgefühle von Eltern und Lehrern schaden Opfern und Tätern

12. März 2018 Mobbing-Ritual in Crivitz: Eltern erheben Vorwürfe gegen Rektor

13. März 2018 Mobbing-Ritual in Crivitz: Noch mehr Kinder betroffen

13. März – Kommentar: Brecht das Schweigen!

Juliane Schultz

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