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MV aktuell Leonies Mutter verstrickt sich in Widersprüche – Vater durch Drohbrief unter „seelischer Belastung“
Nachrichten MV aktuell Leonies Mutter verstrickt sich in Widersprüche – Vater durch Drohbrief unter „seelischer Belastung“
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17:41 24.10.2019
Der Prozess um den Fall der getöteten Leonie aus Torgelow wurde am Donnerstag in Neubrandenburg fortgesetzt. Im Bild: Kerzen und Plüschtiere vor dem Haus, in dem das Kind starb. (Archivfoto) Quelle: Tilo Wallrodt
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Neubrandenburg/Wolgast

Im Prozess um die getötete Leonie aus Wolgast muss der leibliche Vater des Mädchens immer mehr ertragen. „Schlimm genug, dass sich nach und nach offenbart, was genau passiert ist – aber durch den Drohbrief ist die seelische Belastung für ihn unbeschreiblich groß geworden“, schildert Falk-Ingo Flöter, Anwalt des leiblichen Vaters der kleinen Leonie.

Beim Landgericht in Neubrandenburg ist ein Brief angekommen, indem der Absender Oliver E. bedroht. Der Nebenkläger werde mit Begriffen wie „dreckiger Bastard“ beschimpft. Das zweiseitige Schreiben zeige den Vater aus Wolgast mit seinem Anwalt im Gerichtssaal und daneben eine Pistole. Darin heiße es, wer sein leibliches Kind nicht vor dem Tod bewahren könne, müsse mit Konsequenzen rechnen, sagte der Richter. Als Absender sei „Dein zweitschlimmster Alptraum“ angegeben worden. „Wir nehmen das sehr ernst“, betont Flöter. Für seinen Mandanten sei die Bedrohung spürbar. Woher das Schreiben kommt, könne er nicht sagen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt.

Mutter sagte unter Ausschluss der Öffentlichkeit aus

Zusätzlich musste Oliver E. am Donnerstag eine weitere Aussage der Mutter ertragen. Die 25-Jährige wurde wieder unter Ausschluss der Öffentlichkeit gehört. Dennoch kam heraus, dass sie womöglich besser über den kritischen Zustand ihrer Tochter vor deren Tod informiert gewesen ist als bisher bekannt war. Entgegen ihren Angaben soll die 25-Jährige an Leonies Todestag – am 12. Januar – doch in der Wohnung gewesen sein, als es dem Mädchen am Nachmittag sehr schlecht ging.

Das habe der angeklagte Stiefvater am 14. Januar in der Vernehmung bei der Polizei angegeben, sagte eine 52-jährige Kriminalistin. Die war ebenfalls als Zeugin vorgeladen. Die Mutter hatte nach Angaben eines Anwalts bislang vor Gericht erklärt, dass sie an dem Nachmittag Einkaufen war. Als sie zurückgekommen sei, habe sie den schwachen Zustand des Mädchens gesehen und Hilfe holen wollen, sei aber vom Stiefvater daran gehindert worden.

Stiefvater nahm kleiner Bruder Leonies mit zur Vernehmung

Bei der Vernehmung habe der Angeklagte Leonies kleinen Bruder auf dem Schoß gehabt, sagte die Beamtin. Dieser habe erstaunlich viele Verletzungen am Kopf gehabt, und der Mann habe den Kleinen „wie einen Schutzschild vor sich gehalten“. „Ich habe mich gefragt, warum ist der Junge noch hier“, sagte die Frau, die das Kind besser in einer Klinik aufgehoben gesehen hätte. Zeitgleich war in einem anderen Raum die Mutter vernommen worden, die das gemeinsame Baby bei sich hatte. Im Prozess schweigt der angeklagte 28-Jährige.

Er ist wegen Mordes durch Unterlassen und Misshandlung von Schutzbefohlenen angeklagt. Er soll das Kind laut Anklage so misshandelt haben, dass es starb, und mit Absicht erst viel später Hilfe geholt haben. Bei der Polizei hatte er angegeben, Leonie sei eine Treppe hinabgestürzt. „Die Aussage der Beamtin war klar, schlüssig und in sich logisch“, resümiert Flöter. Insgesamt positiv im Sinne der Anklage schätzt er.

Von der schrecklichen Nachricht über ihren Tod bis zum Prozess in Neubrandenburg

Prozess wird mit Aussagen der Kinderärzte fortgesetzt

Der Prozess wird am 25. Oktober fortgesetzt. Dann sollen Kinderärzte aus Wolgast, wo die Familie vorher lebte, und aus Torgelow zum gesundheitlichen Zustand von Leonie und ihrem Bruder vor dem tragischen Ereignis angehört werden.

Dem anstrengenden Prozesstag werden wohl noch viele folgen: Zu Beginn des Prozesses war von mindestens 13 Verhandlungstagen die Rede. „Das reicht nicht aus“, sagt Flöter. Er rechne damit, dass der Prozess bis in den Januar 2020 hinein dauern werde.

Lesen Sie hier, wie der Prozess begann:

Von Manuela Wilk und Winfried Wagner

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