Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
MV aktuell Auftakt bei Mordprozess im Fall Maria K.: Angeklagter zeigt den Mittelfinger
Nachrichten MV aktuell Auftakt bei Mordprozess im Fall Maria K.: Angeklagter zeigt den Mittelfinger
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:20 20.08.2019
Der Angeklagte Nicolas K. zeigt im Gerichtssaal im Landgericht den Mittelfinger. Quelle: Stefan Sauer/dpa
Anzeige
Stralsund/Zinnowitz

Jetzt stehen sie vor Gericht: Kurz nach 9 Uhr begann am Dienstagmorgen am Landgericht Stralsund der Prozess gegen die beiden mutmaßlichen Mörder der 18-jährigen Maria K. aus Zinnowitz. Die Angeklagten wurden in Handschellen und Fußfesseln in den Saal gebracht. Auch Gästen und Journalisten wurde nur nach einer umfangreichen Sicherheitsprozedur – ähnlich wie an Flughäfen – Einlass gewährt.

Gleich zu Beginn der erste Aufreger: Der Beschuldigte Nicolas K. zeigte, während die Fotografen ihre Fotos machten, leicht verdeckt, aber sichtbar den Mittelfinger. Er erschien verhüllt in Kapuzenpullover, Basecap und mit Tuch vor dem Mund. Der ebenfalls angeklagte Niko G. verzichtete auf Verhüllung, trug Jackett und Jeans.

Der Prozess wurde schon am Anfang zwischenzeitlich unterbrochen. Die Verteidigerseite beantragte, das Verfahren auf Ende August zu verschieben, da ein forensisches Gutachten über einen der Angeklagten noch nicht bei ihnen eingegangen sei. Der Antrag wurde vom Gericht abgelehnt.

Der 19-jährige Nicolas K. und sein 21-jähriger Kumpel Niko G. müssen sich vor der Großen Jugendkammer verantworten, weil sie am 18. März dieses Jahres laut Staatsanwaltschaft die schwangere junge Frau aus Mordlust heimtückisch durch zahlreiche Messerstiche getötet haben sollen. Sie wollten einen Menschen sterben sehen, lautet der Vorwurf der Staatsanwaltschaft zum Mordmotiv.

Lesen Sie auch:
Angeklagter zum Mord an Maria K.: „Wir wollten uns nicht schmutzig machen“

Bilder vom Prozessauftakt im Mordfall Maria K. in Stralsund:

Bilder vom Prozessauftakt im Mordfall Maria K. am Landgericht Stralsund

Mutmaßliche Täter waren Freunde von Maria K.

Maria K. wurde in ihrer Zinnowitzer Wohnung brutal ermordet. Quelle: privat

Die beiden Deutschen aus Karlshagen und Zinnowitz hatten Maria – so die Anklage – nach der Tat liegengelassen und sich weiter in der Region aufgehalten. Einen Monat später wurden sie nach intensiver Fahndung festgenommen. Die Mordwaffe ist bis heute verschwunden. Möglicherweise haben die Männer das Messer in die Ostsee geworfen. Spezialtaucher hatten tagelang im Wasser an der Zinnowitzer Seebrücke und der Ostsee nach der Mordwaffe gesucht, aber nicht gefunden.

Die beiden Kumpel hatten sich bei Befragungen in der Untersuchungshaft gegenseitig belastet. Nicolas K. habe mittlerweile eingeräumt, zugestochen zu haben. Die beiden Aussagen seien aber noch nicht deckungsgleich, hieß es von der Staatsanwaltschaft Stralsund.

Lesen Sie auch: Dieser Mann verteidigt den mutmaßlichen Mörder von Maria K.

Angeklagte waren bei der Trauerfeier für die Ermordete

Das abscheuliche Verbrechen hatte auf Usedom für Fassungslosigkeit und tiefe Betroffenheit, aber auch gerade unter jungen Leuten für Ohnmacht und Angst gesorgt. Am 3. April kamen bei einer Gedenkandacht für Maria K. in der Zinnowitzer Kirche über 70 Menschen zusammen. Für viele unverständlich: Die beiden mutmaßlichen Täter waren unter den Anwesenden. Nach der Andacht in der Kirche sollen sie mit anderen Jugendlichen von der Insel Usedom gefeiert haben. Einen Monat nach der Tat wurden die beiden Kumpel festgenommen.

Niko G., der seit seiner Festnahme in Untersuchungshaft sitzt, droht laut Landgericht wegen Mordes eine lebenslange Freiheitsstrafe. Der Jüngere, Nicolas K., gilt als Heranwachsender. Im Falle der Anwendung von Jugendstrafrecht droht ihm bei einer Verurteilung wegen Mordes eine Jugendstrafe bis zu 15 Jahren, wenn wegen der besonderen Schwere der Schuld das Höchstmaß der Jugendstrafe von 10 Jahren nicht ausreicht. Daneben droht auch die Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus. Nicolas K. war bereits seit 14. Mai bis zum Beginn der Verhandlung in einer psychiatrischen Klinik untergebracht. Wegen seiner Alkoholisierung und einer psychischen Erkrankung könnte er bei der Tat vermindert schuldfähig gewesen sein.

Bildergalerie: Diese Kriminalfälle haben MV bewegt

Seit 1992 wurden in Mecklenburg-Vorpommern etwa 400 Menschen ermordet. Mehr als 90 Prozent dieser Fälle wurden aufgeklärt. Doch auch dreiste Raubüberfälle, Trickbetrugsserien und mysteriöse Skulpturen bewegten in den letzten Jahren das Land. Wir zeigen spektakuläre Kriminalfälle, die in MV für Aufsehen sorgten.

Großes Medieninteresse am Gerichtsprozess in Stralsund

Für den Prozess sind fünf Verhandlungstage (20., 22., 23., 29. und 30. August) vorgesehen, an denen insgesamt 21 Zeugen und drei Sachverständige gehört werden. Das Urteil gegen die beiden mutmaßlichen Täter soll am 30. August gesprochen werden. Am ersten Verhandlungstag sind bereits die ersten Zeugen geladen: Polizeibeamte, Rettungssanitäter, Ärzte und der Leiter der Sonderermittlung. Sie alle waren als Erste am Tatort.

Das Medieninteresse an diesem Fall ist groß, zahlreiche Pressevertreter und Fernsehteams berichten aus Stralsund. Zudem nehmen Freunde von Maria K. aus Zinnowitz an der öffentlichen Verhandlung teil. Aus diesem Grund gilt während der gesamten Verhandlung Handyverbot. Zudem wurden vor Prozessbeginn bei allen Zuschauern, die während der Verhandlung dabei sind, Taschenkontrollen durchgeführt.

Mehr zur Autorin

Zinnowitz: Der Fall der getöteten Maria K. – Eine Chronik

31. Juli: Täter vermindert schuldfähig – weitere grausige Details bekannt

15. Juli: Details aus der Mordnacht: So hinterhältig wurde Maria K. getötet

12. Juli: Mutmaßliche Täter stehen ab August vor Gericht

19. Juni: Zinnowitzer Tatverdächtiger Nicolas K. gesteht, die junge Frau erstochen zu haben

23. Mai: Fall Maria K.: Hauptverhandlung im September

17. Mai: Anklage gegen Tatverdächtige bis zum Sommer

8. Mai: Schuhe eines mutmaßlichen Täters gefunden

26. April: Keine Spur vom Mord-Messer in der Ostsee

24. April: Hier sucht die Polizei mit Tauchern in der Ostsee nach der Mordwaffe im Fall Maria K.

17. April: Verdächtiger im Fall Maria K. drohte Freundin: „Sagst du was, bringe ich dich auch um!“

17. April: Fall Maria K.: Tatverdächtige belasten sich gegenseitig – Motiv Mordlust?

17. April: Polizei sucht jetzt nach zwei Tatwaffen

16. April: Entsetzen in Zinnowitz: „Die mutmaßlichen Täter lebten mitten unter uns“

16. April: Tatverdächtige waren bei Gedenkandacht für Maria K. dabei

16. April: Zwei Tatverdächtige im Mordfall Maria K. festgenommen

11. April: Getötete Maria K. in Stralsund beigesetzt

3. April: Die Polizei hofft jetzt auf Urlauber

2. April: Viele Trauergäste bei Gedenkgottesdienst

1. April: Polizei sucht mit diesen Fotos nach Hinweisen

1. April: Zinnowitz trauert – Abschied von getöteter Maria K. (18)

30. März: Erstochene Maria: Jetzt spricht die Mutter

27. März: Spurensuche auf dem Wertstoffhof Neppermin

25. März: Polizei sucht jetzt bundesweit nach Täter

25. März: Sechs Tage nach ihrem Tod: Ermittlungen im Fall Maria K. weiter ohne heiße Spur

24. März: Gedenken in Zinnowitz: Blumen und Kerzen erinnern an Maria K.

21. März: So zeigte sich Maria K. in den sozialen Medien

21. März: Maria K. (18): Das ist das Todesopfer von Zinnowitz

20. März: Spurensuche in Zinnowitz: Warum musste Maria K. sterben?

20. März: Ostseebad Zinnowitz steht unter Schock

20. März: Obduktionsbericht: 18-Jährige aus Zinnowitz wurde erstochen

19. März: Zinnowitz: 18-Jährige tot in Wohnung aufgefunden

Von Cornelia Meerkatz

Im Vergleich zu anderen Flächenländern können sich in MV weniger Mieter den Wunsch vom Eigenheim erfüllen. Nun werden staatliche Bürgschaften für potenzielle Käufer, denen das nötige Eigenkapital fehlt, gefordert. Und die Schweriner Landesregierung steht in der Kritik, weil sie die Hürden noch einmal erhöht habe.

20.08.2019

Wer den Kauf von Wohneigentum in Mecklenburg-Vorpommern fördern will, darf die Grunderwerbssteuer nicht erhöhen, meint OZ-Redakteur Thomas Luczak.

20.08.2019

Marina Siegmund verwirklichte sich in Prora auf Rügen ihren Traum vom Leben am Meer. Dass die vielen Wohnungen im Block 2 des ehemaligen „Kraft durch Freude“-Bads meistens leer stehen, stört sie nicht. Zu ihren Nachbarn gehört angeblich sogar ein arabischer Prinz.

20.08.2019