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MV aktuell Nach Anschlag in Halle: Synagogen in MV unter Polizeischutz
Nachrichten MV aktuell Nach Anschlag in Halle: Synagogen in MV unter Polizeischutz
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18:00 09.10.2019
Vor dem Gebäude der Jüdischen Gemeinde in der Rostocker Augustenstraße steht ein Streifenwagen der Polizei. Quelle: OVE ARSCHOLL
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Rostock

Nach dem mutmaßlich rechtsextremistischen Anschlag auf eine Synagoge in Halle/Saale hat auch MV die Sicherheitsvorkehrungen rund um die jüdischen Gotteshäuser erhöht: Nach OZ-Information hat Innenminister Lorenz Caffier (CDU) verstärkte Streifen und Polizeischutz für alle jüdischen Einrichtungen im Land angeordnet. „Die Schutzmaßnahmen wurden erhöht“, bestätigte Dörte Lembke, Sprecherin des Schweriner Innenministeriums, der OZ.

Angriff auf Synagoge

In der größten Stadt Sachsen-Anhalts haben am Mittwoch mehrere Täter versucht, in die Synagoge einzudringen. Die Ermittlungen in dem Fall führt der Generalbundesanwalt. Er geht mittlerweile von einem rechtsextremistisch motivierten Angriff aus.

Die bewaffneten Männer erschossen in einem Döner-Imbiss einen Maler sowie auf der Straße eine Passantin. Zudem sollen die Angreifer laut Augenzeugen-Berichten auch einen Sprengsatz auf den jüdischen Friedhof der Stadt geworfen haben. Mindestens zwei weitere Menschen wurden durch Schüsse verletzt. Einen mutmaßlichen Täter konnte die Polizei nach kurzer Flucht stellen und festnehmen. Er wurde angeschossen und musste notoperiert werden.

Auf Video-Aufnahmen ist zu sehen, dass mindestens einer der Männer mit Schutzweste und Helm ausgerüstet war. Er soll Schrotgewehre und automatische Waffen bei sich getragen haben. Max Privorozki, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde in Halle, sagte dem Nachrichtenmagazin „Spiegel“, die Täter hätten versucht, in die Synagoge einzudringen. 70 bis 80 Gläubige hätten zu dem Zeitpunkt einen Gottesdienst zu Jom Kippur gefeiert. Das sogenannte Versöhnungsfest gilt als höchster jüdischer Feiertag.

Polizeischutz auch in MV

Obwohl Details und Hintergründe zu den Vorfällen in Halle noch unklar sind, reagierten bundesweit die Behörden mit verstärkten Sicherheitsvorkehrungen für Synagogen. Auch in Rostock stehen seit dem Nachmittag Streifenwagen vor dem Zentrum der Jüdischen Gemeinde.

Juri Rosov, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Rostock. Quelle: JULIANE SCHULTZ

Eine Maßnahme, die sonst nicht üblich ist: „Unser Haus steht allen Menschen offen. Ganz gleich, welchen Glauben sie haben“, hatte Gemeindevorsteher Juri Rosov erst vor wenigen Wochen zum 25-jährigen Bestehen der Rostocker Synagoge gesagt.

Kontrollen in Rostocker Synagoge

„Wir verfolgen voller Sorge, was in Halle geschehen ist“, so Rosov gegenüber der OZ. Er stehe in regelmäßigem Kontakt mit der Gemeinde in Sachsen-Anhalt. „Ein Mann hat versucht, mit Maschinengewehren in die Synagoge einzudringen. Das ist ihm zum Glück nicht gelungen“, schildert Rosov, was er erfahren hat. Womöglich hätte es sonst ein noch viel schlimmeres Blutbad gegeben.

Wenige Stunden nach der Tat in Halle habe Rosov mit der Polizei in Rostock gesprochen: „Wir wollten immer vermeiden, dass Besucher bei uns kontrolliert werden müssen. Wir wollen ein freies Haus sein. Aber wir haben jetzt keine andere Wahl.“ Vor der Synagoge wachen Polizeibeamte, innen kontrolliert der eigene Sicherheitsdienst. „Wir mussten unsere Politik überdenken. Leider.“

Oft Attacken zu Jom Kippur

In der kommenden Woche beginnen in Rostock die Jüdischen Kulturtage mit einem großen Programm. Welche Auswirkungen die Vorfälle in Halle darauf haben, sei noch offen. „Die Kulturtage werden in jedem Fall stattfinden“, sagt Rosov.

Dass sich die Angreifer in Halle ausgerechnet Jom Kippur für ihre Tat ausgesucht hätten, hält der Vorsitzende der Rostocker Jüdischen Gemeinde nicht für einen Zufall: „Weltweit gibt es immer wieder an diesem Tag Terrorakte gegen Juden“, so Rosov. Der wohl bekannteste ereignete sich 1973: Am Feiertag überfielen Ägypten und Syrien Israel. Die israelische Armee konnte den Angriff aber abwehren.

Von Andreas Meyer

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