Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
MV aktuell Nach Aus für Teterow: Neuer Schlachtplan für Schweineschnitzel aus MV
Nachrichten MV aktuell Nach Aus für Teterow: Neuer Schlachtplan für Schweineschnitzel aus MV
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:19 01.08.2019
Für die Schweinehalter in MV wäre ein Schlachthof in MV wichtig.
Für die Schweinehalter in MV wäre ein Schlachthof in MV wichtig. Quelle: Mohssen Assanimoghaddam/dpa
Anzeige
Rostock

Wird in Laage (Landkreis Rostock) ein neuer Schlachthof für Schweine gebaut? Nach OZ-Informationen könnte so die Schweineschlachtung in MV aufrechterhalten werden, nachdem der Konzern Danish Crown angekündigt hat, im Schlachthof Teterow die Schweinestrecke Ende August stillzulegen.

Ansonsten müssten die Schweine künftig hunderte Kilometer bis nach Perleberg (Brandenburg) oder Weißenfels (Sachsen-Anhalt) gefahren werden. Mit Bio oder Tierwohl ließe sich das kaum vereinbaren. Am Freitag soll im Landratsamt in Güstrow das weitere Vorgehen beraten werden.

Skepsis beim Halterverband

Wer einen Schlachthof im Gewerbepark Laage betreiben könnte, ist offen. Das Land jedenfalls nicht, betont das Schweriner Agrarministerium: „Das Land selbst wird und kann keinen Schlachthof betreiben, ist aber sehr an dem Erhalt einer Schweineschlachtung in MV interessiert.“ Die Akteure aus der Wirtschaft seien gefordert, ein tragfähiges Konzept zu entwickeln und miteinander abzustimmen.

Torsten Roder, Vorsitzender des Hybridschweinezuchtverbands Nord/Ost, ist skeptisch: „Wir hatten drei Schlachthöfe in MV, alle haben dichtgemacht. Warum sollte jemand einen vierten aufmachen?“

Kurzfristige Lösungen müssen her

Aber selbst falls der neue Schlachthof kommt, müsse es bis dahin kurzfristige Lösungen geben, sagt Detlef Kurreck, Präsident des Landesbauernverbandes. „Bislang gibt es nur die Idee, aber keine Akteure. Bis so ein neuer Schlachthof seinen Betrieb aufnehmen kann, gehen Jahre ins Land.“ Kurreck fordert daher einen runden Tisch, um den Schweinehaltern schnell zu helfen. Das Agrarministerium bestätigte der OZ, dass ein solches Treffen bereits für Ende August geplant ist.

Die Zeit drängt: Erste Schweinehalter denken wohl schon ans Aufgeben und Danish Crown will seine Anlagen in Teterow bald abbauen. Eine Möglichkeit wäre, die Schweinestrecke in Teterow unterzuverpachten. Danish Crown steht dieser Lösung offen gegenüber. „Interessenten sollten sich jedoch bald melden, denn die Technik in Teterow stammt von anderen Schlachthöfen, und wenn sie nicht mehr gebraucht wird, werden wir sie abbauen“, sagt Sprecher Jens Hansen. Angst vor der Konkurrenz im eigenen Haus habe der Konzern nicht: Dafür sei Teterow schlicht zu klein.

Kleine Schlachter sollen einspringen

Zudem könnten die 29 kleineren Schlachtbetriebe im Land immerhin einen Teil der Kapazitäten von Teterow übernehmen. Agrarminister Till Backhaus (SPD) sagt: „Neben kurzen Transportwegen bieten sie Möglichkeiten, die Tiere lokal zu vermarkten. Da diese Schlachtstätten überwiegend auch mit einer Verarbeitung verbunden sind, wird an Ort und Stelle Veredlung betrieben.“ So würden im ländlichen Raum Wertschöpfungsketten geschaffen, die dem Kunden auch Qualität und Rückverfolgbarkeit der Produkte bieten könnten. Für die Halter wiederum böte dieser Weg auch das Potenzial für höhere Einkünfte.

Doch dieser Weg werde schwierig, glaubt Schweinehalter-Verbandschef Roder: „Die kleinen Schlachtbetriebe sind zum großen Teil ausgelastet.“ Die meisten hätten auch gar nicht ausreichend Kühlkapazitäten, um das Schlachtfleisch aufzubewahren, oft gebe es zudem nur einen Schlachttag pro Woche. „Die Größenordnung von Teterow kann niemand auffangen“, so Roder. In Teterow wurden pro Jahr rund 500 000 Schweine geschlachtet, in den 29 kleinen Schlachtbetrieben in MV zusammen gerade mal 29 000.

Vier Betriebe rund um Rostock

Im Landkreis Rostock gibt es vier kleinere Schlachtbetriebe. In der Landfleischerei Wiechmann in Pankelow wurden im vergangenen Jahr 810 Schweine geschlachtet, in der Schlachterei Becker in Schlieffenberg waren es 370, bei Magdeburg in Stäbelow 316 und im Betrieb Nielebock in Krakow am See 194 Schweine. „Die Tiere wurden für die eigene Verarbeitung und Vermarktung in den Fleischereibetrieben geschlachtet“, informiert Romuald Bittl, Dezernent für Wirtschaft, Bau und Umwelt des Landkreises Rostock. Eine Aufnahme weiterer Schlachtungen erscheine daher nicht möglich.

In einer weiteren Schlachtstätte in der Forschungseinrichtung Dummerstorf wurden zu wissenschaftlichen Zwecken 1209 Schweine geschlachtet. „Sie ist für die kommerzielle Nutzung nicht vorgesehen“, erklärt Bittl.

Weniger ist mehr

Angefragt hat das Ministerium unter anderem beim früheren Schlachthof Parchim, der heute von der benachbarten Agrargenossenschaft Brunow betrieben wird. Früher wurden dort pro Jahr mehr als 10 000 Schweine geschlachtet, heute noch knapp 1000. Vorstand Helge Dieckmann könnte sich zwar vorstellen, diese Zahl noch zu verdoppeln – mehr aber auch nicht: „Wir wollen keine Menge machen. Für uns ist weniger mehr“, sagt Dieckmann, der mit seiner eigenen Landfleischerei auf Direktvermarktung setzt.

Die aktuelle Agrarförderung von 15 bis 20 Prozent reiche auch nicht aus, um mit den Großen mitzuhalten. „Dafür bräuchten wir 40 bis 50 Prozent Förderung“, sagt Dieckmann. „Den Menschen muss klar werden, dass man für 1,50 Euro pro Kilo kein regionales Schweinefleisch bekommen kann.“

Mehr zum Thema lesen Sie in der OZ-Reihe „Schweine Preise“:

Reportage aus der Landfleischerei: Kurze Wege vom Stall in die Kühlzelle

Kommentar: Landesregierung muss alle Fördermittel ausschöpfen

Wird Fleisch verramscht, macht der Bauer Miese

Debatte um kastrierte Ferkel: Für Bauern sind es kleine Schnitte

Interview mit Expertin: Das sollten Verbraucher beim Fleisch beachten

So wird Hack gemacht: Reportage aus einem Rostocker Fleischwerk

Axel Büssem und Doris Deutsch