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MV aktuell Nach Centogenes Börsenstart: Warum MV mehr Aktiengesellschaften braucht
Nachrichten MV aktuell Nach Centogenes Börsenstart: Warum MV mehr Aktiengesellschaften braucht
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18:10 13.11.2019
Knar Arakelyan stanzt im Labor von Centogene Proben aus: Das Rostocker BioTech-Unternehmen ist eine von nur drei Firmen aus MV an der Börse. Quelle: OVE ARSCHOLL
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Rostock/Greifswald

An den großen Handelsplätzen der Welt – in New York, London oder Frankfurt – spielt der Nordosten keine Rolle. Bisher jedenfalls: Denn geht es nach den Chefs der drei börsennotierten Unternehmen im Land, dann sollten noch mehr Firmen im Land den Schritt an die Aktienmärkte wagen.

„Für kleine Unternehmen, die wachsen wollen, gibt es kaum einen besseren Weg, an Geld zu kommen“, wirbt Jens Gerhardt, Vorstandschef der Hanseyachts AG in Greifswald, für mehr Aktiengesellschaften aus MV. Erst vor einer Woche hat das Rostocker BioTech-Unternehmen Centogene den Schritt gewagt – mit Millionen-Erfolg.

Centogene ist Nummer drei

Nach Hanseyachts und dem Rostocker Windanlagen-Hersteller Nordex ist Centogene erst das dritte Unternehmen aus MV, dessen Aktien am Markt gehandelt werden. Centogene hat sich auf die Diagnose seltener Erbkrankheiten spezialisiert, ist vor allem in Asien und Nordamerika aktiv. Genau deshalb hat Gründer und Unternehmenschef Prof. Arndt Rolfs seine Aktien auch an der New Yorker Nasdaq-Börse platziert.

„Das Verständnis für biotechnologische Unternehmen, wie Centogene, ist in den USA deutlich gereifter als in Europa“, sagt er. Mehr als 60 Millionen US-Dollar hat Centogene durch den Börsengang eingenommen. Das Geld will das Unternehmen investieren: in die Entwicklung neuer Computer-Systeme und sogenannter „Bio-Marker“, die helfen sollen, Erbkrankheiten schneller zu erkennen.

Hanseyachts: „Ohne Börsengang wären wir nicht mehr da“

Geld von Aktionären statt von Banken einzuwerben – das war Jens Gerhardts Motivation, als er mit Hanseyachts an die Börse ging. 35 Millionen Euro nahm die Firma, die Yachten und Segelboote baut, so ein. „Ohne den Börsengang würde es uns nicht mehr geben“, sagt Gerhardt.

Mit dem Geld der Aktionäre hat Hanseyachts den Kauf moderner Produktionsanlagen und Zukäufe von Tochterfirmen finanziert. „Für kleine Unternehmen ist es sicher schwer, an der Börse alles richtig zu machen und die vielen Regularien einzuhalten. Aber es lohnt sich. Denn seit 2007 ist es für kleine Firmen schwer, bei Banken an Geld zu kommen“, so Gerhardt.

Nordex ist die größte AG

Auch für den Windkraftanlagen-Bauer Nordex war die Börsen-Notierung ein Vorteil: „Wir sind 2001 an die Börse gegangen – und das war der richtige Schritt“, sagt Felix Zander, Vize-Präsident (Investor Relations) des Unternehmens. „An der Börse kommen Firmen an frisches Kapital, um beispielsweise ihr Wachstum zu finanzieren. Und durch Anleihen oder Kapitalerhöhungen können die Unternehmen immer wieder neues Geld einwerben.“

Nordex hat so kürzlich frisches Kapital durch eine Kapitalerhöhung über seinen Hauptaktionär in Höhe von 99 Millionen Euro eingenommen, um das weitere Wachstum zu finanzieren – unter anderem für die Produktion von Rotorblättern. „Für viele auch kleinere Unternehmen kann ein Börsengang die richtige Chance sein – wenn die Firma einen klaren Plan für die Zukunft hat“, so Zander.

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Aufwärtstrend der MV-Aktien

Für die drei Börsen-Starts aus MV läuft es an den Aktienmärkten derzeit sehr gut – auch wenn Nordex und Hanseyachts von den Höchstständen weit entfernt sind. Die Hanseyachts-Aktie notierte im Dezember 2017 noch bei elf Euro, aktuell sind die Papiere knapp sechs Euro wert. Bei Nordex ist es ähnlich: Den Spitzenwert von 106 Euro im Jahr 2001 erreicht das Unternehmen nicht mehr. Das Papier notiert bei knapp 12,60 Euro.

Allerdings dürfte es wieder bergauf gehen: Nordex hat am Donnerstag neue Zahlen präsentiert. In der zweiten Jahreshälfte sind die Auftragsbücher gut gefühlt, eine neue Turbine verkauft sich sehr gut. Centogene war mit einem Ausgabepreis von 14 Dollar gestartet und hat diese Marke nach einem leichten Einbruch nun wieder erreicht.

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Von Andreas Meyer

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