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MV aktuell Nach dem Eurofighter-Crash: MV wehrt sich gegen Übungsflüge
Nachrichten MV aktuell Nach dem Eurofighter-Crash: MV wehrt sich gegen Übungsflüge
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20:59 25.06.2019
Eine Einheit für chemische, biologische, radiologische und nukleare Dekontamination steht in der Nähe einer der Absturzstellen. Der General Flugsicherheit der Bundeswehr hat nach dem Absturz von zwei „Eurofighter“-Kampfflugzeugen in Mecklenburg-Vorpommern die Untersuchung der Unfallursache übernommen. Quelle: Christophe Gateau/dpa
Nossentin/Laage

Einen Tag nach dem Zusammenstoß zweier Eurofighter über der Mecklenburgischen Seenplatte ist eine Debatte um die Sicherheit bei Übungsmissionen der Luftwaffe entbrannt. Der Landrat des betroffenen Landkreises, Heiko Kärger (CDU), forderte am Dienstag, dass die Bundeswehr auf Luftkampf-Übungen über bewohnten Gebieten verzichten soll. Bei einer solchen Simulation war es zu dem Unglück am Fleesensee gekommen. Auch Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) sagt: „Einheimische wie Urlauber dürfen nicht in Gefahr gebracht werden.“

Ursache noch immer unklar

Unterdessen herrscht in der Region rund um die kleinen Orte Silz und Nossentiner Hütte noch immer der Ausnahmezustand: Große Flächen sind weiter militärischer Sperrbezirk, die Suche nach Wrackteilen der Kampfjets wird noch Tage dauern. Erst am Dienstagabend konnten die beiden Flugschreiber der Maschinen geborgen werden. „Zur Unglücksursache gibt es noch keine neuen Erkenntnisse“, sagt ein Sprecher der Luftwaffe der OZ. Das hat Folgen für das Jagdgeschwader „Steinhoff“ in Laage, von dem die beiden abgestürzten Maschinen stammten: Sämtliche Eurofighter dort bleiben vorerst am Boden. Startverbot. „Ob menschliches Versagen zum Absturz geführt hat oder ein technisches Problem – das ist offen. So lange gehen wir auf Nummer sicher“, sagt der Sprecher des Geschwaders, Matthias Ackermann.

Pilot noch im Krankenhaus

Bei den beiden verunglückten Piloten handelt es sich um Flieger aus Laage. Der Überlebende ist Fluglehrer im Geschwader, einer der erfahrensten Piloten der Luftwaffe. Der Oberstleutnant hat mehr als 3700 Flugstunden absolviert. Er befindet sich weiter in der Rostocker Uni-Klinik. Es gehe ihm „den Umständen entsprechend gut“, so die Luftwaffe. Bei dem Todesopfer handelt es sich um einen 27-jährigen Oberleutnant, der gerade erst seine Grundausbildung in Spanien absolviert hatte. Die beiden abgestürzten Maschinen simulierten über der Müritz die Jagd auf einen dritten Eurofighter. Die Unglücksmaschinen „spielten“ dabei die Jäger und versuchten, sich in gute „Schussposition“ hinter dem dritten Jet zu bringen. Der „Gejagte“ kehrte unbeschädigt nach Laage zurück.

Region in Angst

In der Region rund um Malchow fordern viele Bürgermeister nach dem Unglück ein Ende der Übungsflüge: „Wir haben in unserer Gemeinde noch mal Glück gehabt, dass nicht auch am Boden Menschen verletzt wurden“, so die Bürgermeisterin von Nossentiner Hütte, Birgit Kurth (parteilos). Malchows Bürgermeister René Putzar (parteilos) sagte der OZ, dass sich seit zwei Jahren Beschwerden von Urlaubern über die Übung am Himmel häufen würden: „Wir haben das Gefühl, dass seitdem mehr bei uns geflogen wird. Welches Gefahrenpotenzial diese Übungen in sich bergen, haben wir nun leider erlebt.“ Landrat Heiko Kärger (CDU) wird noch deutlicher: „Die Luftwaffe muss ausschließen, dass über bewohnten Gebieten Übungen stattfinden, bei denen Flugzeuge zusammenstoßen können.“ Ministerpräsidentin Schwesig (SPD) sagte der OZ: „Es ist klar, dass die Bundeswehr Übungsmöglichkeiten haben muss. Aber auch in dünn besiedelten Regionen leben Menschen. Hierher kommen unsere Urlaubsgäste. Es muss geprüft werden, ob die Sicherheitsstandards ausreichen.“ Ähnlich äußerten sich auch Grüne und Linke in MV.

Galerie: Ausnahmezustand am Fleesensee

Die Suche nach den Wrackteilen der abgestürzten Eurofighter am Fleesensee dauert an.

Luftwaffe verteidigt Übungen

„In Laage werden sämtliche Eurofighter-Piloten der Luftwaffe ausgebildet“, so ein Sprecher. Unter anderem seien bei Rostock auch Alarmrotten stationiert, die in Notfällen den deutschen Luftraum sichern. „Diese Aufgabe ist für die Sicherheit Deutschlands absolut wichtig und solche Einsätze lassen sich nicht allein in Simulatoren oder über See proben.“

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