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MV aktuell Nach Fusion: Cinestar-Kinos in MV sollen vorerst weiterbetrieben werden
Nachrichten MV aktuell Nach Fusion: Cinestar-Kinos in MV sollen vorerst weiterbetrieben werden
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06:51 11.12.2018
Cine Star wurde von Cinemaxx übernommen (Symbolfoto) Quelle: imago/Schöning
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Rostock

Höhere Preise, weniger Vielfalt, Abbau von Arbeitsplätzen – die Filmförderungsanstalt (FFA) befürchtet negative Auswirkungen durch die Mega-Fusion der beiden großen Kinobetreiber Cinestar und Cinemaxx. „Mit Übernahmen dieser Größenordnung sollen natürlich auch immer ,Synergieeffekte’ realisiert werden“, erklärt FFA-Vorstand Peter Dinges gegenüber der OZ. Cinestar ist mit sieben Kinos – insgesamt 38 Säle – der größte Kinobetreiber in Mecklenburg-Vorpommern. Auch bundesweit ist die Gruppe Marktführer.

Kürzlich hatte der Cinemaxx-Eigentümer, die britische Vue Entertainment, Cinestar erworben. Dem Verkauf muss das Bundeskartellamt allerdings noch zustimmen. Das Verfahren könne „bis zu zwölf Monate dauern“, sagt der Geschäftsführer der Cinestar-Gruppe, Oliver Fock. Ob der Name Cinestar bleibt, ob alle Standorte in MV weiterbetrieben und alle Mitarbeiter weiterbeschäftigt werden – das ist alles offenbar noch ungeklärt.

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Eintrittspreise seit 2008 um 4,50 Euro gestiegen

Cinestar-Chef Fock versichert aber: „Aktuell wird es keinerlei Änderungen für das operative Geschäft, für Mitarbeiter und die Standorte geben.“ Durch den Zusammenschluss der Kino-Betreiber Cinestar und Cinemaxx entsteht eine Kino-Kette, die in Deutschland über rund 85 Kinos mit insgesamt mehr als 700 Leinwände verfügen wird.

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Bei einer solche Fusion könnten „Arbeitsplätze in den Kinos und ihren Verwaltungen wegfallen“, befürchtet hingegen FFA-Vorstand Dinges. Außerdem sei zu befürchten, dass es weniger Wettbewerb gebe, „weil an manchen Orten Quasi-Monopole entstehen könnten“. Dinges: „Das kann für die Besucherinnen und Besucher höhere Preise und weniger Vielfalt bedeuten.“ Nach FFA-Angaben stiegen die durchschnittlichen Eintrittspreise in deutschen Filmtheatern seit dem Jahr 2008 von 6,14 Euro auf 8,63 Euro im vergangenen Jahr.

Cinestar hat lange MV-Vergangenheit

Die Geschichte des größten deutschen Kino-Betreibers Cinestar ist eng mit Mecklenburg-Vorpommern verbunden. Nach der Wende hatte die Lübecker Kieft & Kieft Filmtheater GmbH, aus der später Cinestar hervorging, einige Kinos im Nordosten übernommen und zu modernen Kinos ausgebaut. So wurde etwa 1995 in Wismar der erste Cinestar-Filmpalast eröffnet. 1996 folgte in Rostock-Lütten-Klein das Multiplexkino, ein Kino mit mehreren, arenenartigen Sälen und großen Leinwänden.

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Als das Unternehmen nach dem Kauf der schwer angeschlagenen UFA-Gruppe in finanzielle Schieflage geriet, wurde Cinestar im Jahr 2004 komplett von dem australischen Entertainment-Unternehmen Event Hospitality & Entertainment Limited (EVT) übernommen. Derzeit betreibt Marktführer Cinestar bundesweit 55 Kinos und beschäftigt 2700 Mitarbeiter; zwei weitere Kinocenter sollen bis Mitte 2019 eröffnet werden.

Britisches Unternehmen zahlt 222 Millionen Euro

Nun bekommt der Platzhirsch mit der britische Vue Entertainment, zu der Cinemaxx gehört, erneut einen neuen Besitzer. Der Kaufpreis liegt bei insgesamt rund 222 Millionen Euro. EVT, so heißt es, wolle sich künftig auf den australischen Markt konzentrieren. „Wir glauben an die Zukunft der Kinobranche, allerdings befindet sich der größere Anteil unserer Kinoaktivitäten in Australien und Neuseeland. Deshalb können wir mit den deutschen Kinos keine Synergien erzielen“, sagte EVT-Hauptgeschäftsführerin Jane Hastings.

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Die größten Kinobetreiber nach Sitzplätzen

Platz 1– Cinestar: Die Gruppe betreibt in Deutschland 55 Kinocenter, zwei weitere sollen 2019 eröffnet werden. Die Filme werden auf rund 420 Leinwänden gezeigt, die Säle verfügen über insgesamt 97 000 Plätze.

Platz 2 – Cineplex: Der 1996 gegründete Verbund unabhängiger, mittelständischer Kinounternehmen unterhält bundesweit 90 Kinos mit insgesamt knapp 520 Leinwänden und rund 91 000 Sitzplätzen.

Platz 3 – Cinemaxx: Das Tochterunternehmen der britischen Vue Entertainment hat in Deutschland 30 Kinos mit etwa 285 Leinwänden und insgesamt 73 000 Sitzplätzen. Drei Kinos betreibt Cinemaxx in Dänemark.

Platz 4 – United Cinemas International (UCI): UCI eröffnete 1990 in Hürth bei Köln der erste deutsche Mulitplex-Kino. Mittlerweile betreibt UCI in Deutschland und Österreich 26 Kinos mit rund 50 000 Plätzen.

Platz 5 – Kinopolis: Das erste Kinopolis-Kino wurde bereits 1905 in Baden-Baden eröffnet. Heute unterhält das Unternehmen 17 Kinocenter mit mehr als 28 000 Sitzplätzen.

Vue Entertainment will hingegen international expandieren. „Der Kauf von Cinestar passt zu unseren geschäftlichen Zielen, die darauf ausgerichtet sind, weltweit Spitzen-Kinohäuser aufzubauen und zu führen“, erklärte der Hauptgeschäftsführer Tim Richards. Die britische Kino-Kette mit Sitz in London betreibt rund 85 Kinos unter anderem in Großbritannien, Irland und Portugal. 2014 übernahm Vue die deutsche Cinemaxx Holdings GmbH. Auch Cinestar-Chef Fock sieht den Verkauf als Chance für weiteres Wachstum.

Cinemaxx wurde 1998 gegründet. In MV ist das Unternehmen derzeit nicht präsent, bundesweit betreibt es 30 Kinos sowie drei in Dänemark. Vue Entertainment hatte Cinemaxx 2014 übernommen.

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Axel Meyer

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