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MV aktuell Nach Studie: Experten warnen vor Klinik-Schließungen in MV
Nachrichten MV aktuell Nach Studie: Experten warnen vor Klinik-Schließungen in MV
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21:16 15.07.2019
Die Krankenhaus-Studie der Bertelsmann Stiftung sorgt für eine hitzige Debatte. Quelle: dpa
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Rostock/Gütersloh

Durch die Verringerung von derzeit knapp 1400 auf weniger als 600 Krankenhäuser in Deutschland soll die Versorgung der Patienten verbessert werden. Dieses Ergebnis einer Untersuchung der Bertelsmann Stiftung sorgt in MV für Wirbel: „Unsere 37 Kliniken sind für die medizinische Versorgung der Bürger unverzichtbar“, erklärt Dr. Hanns-Diethard Voigt. Der Vorsitzende der Krankenhausgesellschaft des Landes betont, dass es im Nordosten nach der Wende 55 Häuser gab.

Strukturreform im Nordosten abgeschlossen

Dr. Hanns-Diethard Voigt, Vorsitzender der Krankenhausgesellschaft MV  Quelle: HGW

Viele Kliniken haben finanzielle Sorgen

Nach jüngsten Zahlen der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) hat bundesweit jede dritte Klinik 2017 rote Zahlen geschrieben. Trotzdem kritisiert DKG-Präsident Gerald Gaß den Vorschlag, hunderte Kliniken plattzumachen, scharf: Die Autoren der Studie „propagierten die Zerstörung von sozialer Infrastruktur in einem geradezu abenteuerlichen Ausmaß“.

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Experte: Spezialisierung ist Chance

„Pauschale Betrachtungen sind unsinnig“, erklärt auch Dr. Falko Milski, Geschäftsführer der Bodden-Kliniken Ribnitz-Damgarten GmbH. Allein in der von Bertelsmann untersuchten Modellregion Köln/Leverkusen (Nordrhein-Westfalen) existierten 38 Krankenhäuser, etwa so viele wie in ganz MV. Die Chance der kleineren Einrichtungen bestehe unter anderem in der Spezialisierung. In seinem Haus sei es die Endoprothetik, also der künstliche Gelenkersatz. Aufgrund umfangreicher Instandhaltungsarbeiten hat sein Haus in den beiden vergangenen Jahren rote Zahlen geschrieben. „Doch aktuell sind wir auf dem Weg zur schwarzen Null“, so Dr. Milski. Mit jährlich insgesamt mehr als 20 000 Patienten im vollstationären Bereich und in der Notaufnahme sei man für das ländlich geprägte Einzugsgebiet unentbehrlich.

Krankenhäuser in MV

37 Kliniken gibt es laut Krankenhausgesellschaft MV aktuell im Nordosten

11 Krankenhäuser haben hierzulande zwischen elf und 100 Betten, 21 zwischen 100 und 500 Betten und fünf Häuser zwischen 500 und 1050 Betten

2017 gab es laut Schweriner Gesundheitsministerium 421 636 Krankenhausfälle. 2018 waren es 415 763.

Unterstützung im ländlichen Raum

Dies unterstreicht Stefan Fiedler, Krankenhausdirektor des Ameos Klinikums Ueckermünde (Vorpommern-Greifswald). „Wir versuchen seit Jahren mit vielen Partnern, die Strukturen aufrechtzuerhalten.“ Sein Haus mit 217 Betten habe im Krankenhausbereich keine Existenznöte. Wie auch die Ameos-Einrichtung in Anklam erhalte man im kommenden Jahr eine Förderung von jeweils 400 000 Euro. Diese entstammen dem Fördertopf der Krankenkassen in Höhe von 50 Millionen Euro für die Unterstützung von Kliniken im ländlichen Raum.

24-Stunden-Service ist schwierig

„Gerade für sehr kleine Häuser ist es aber schwer, Fachkompetenz für mehrere Bereiche als 24-Stunden-Service anzubieten“, sagt Prof. Dr. Dietmar Bänsch, Ärztlicher Direktor des KMG Klinikums Güstrow. Selbst in seiner Einrichtung mit 550 Betten wäre dies mitunter ein Kraftakt. Statt Schließungen sei es sinnvoll, die Mini-Einheiten im Land als kompetente Satelliten mit größeren Häusern zu vernetzen, so der Mediziner.

Lesen Sie auch den Kommentar von OZ-Redakteur Volker Penne zum Thema

Volker Penne

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