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MV aktuell Nach Thomas-Cook-Pleite: Hochzeitsreise von Sassnitzer Paar geplatzt
Nachrichten MV aktuell Nach Thomas-Cook-Pleite: Hochzeitsreise von Sassnitzer Paar geplatzt
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14:40 23.09.2019
Der Reiseveranstalter Thomas Cook hat Insolvenz angemeldet. In den Filialen, hier am Neuen Markt in Rostock, steht das Telefon nicht mehr still. Quelle: Stefanie Ploch
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Rostock

Nach der Pleite von Thomas Cook herrscht das Chaos in den Reisebüros in Mecklenburg-Vorpommern. Etliche Gäste, die nun darum bangen, ob sie ihre Reise antreten können, stehen vor ratlosen Reiseberatern. Auch Touristen, die gerade Urlaub im Land machen, sind betroffen. In einigen Hotels müssen sie die – eigentlich bereits bezahlte – Zimmerrechnung nun aus eigener Tasche bezahlen.

Die Verbraucherzentrale Mecklenburg-Vorpommern hat am Montag deutlich mehr Anfragen als üblich bekommen. „Bis jetzt melden sich Leute, die grad ihre Koffer packen“, sagte Geschäftsführer Jürgen Fischer in Rostock.

Der zweitgrößte Reisekonzern Europas, Thomas Cook, hat am Montag Insolvenz angemeldet. Jeglicher Verkauf von Reisen ist gestoppt. Man könne nicht gewährleisten, dass gebuchte Reisen mit Abreisedatum 23. und 24. September stattfinden, teilte die Thomas Cook GmbH am Montagmorgen in Oberursel bei Frankfurt mit.

Hochzeitsreise von Sassnitzern auf der Kippe

Unter den 600 000 Reisenden, die von der Insolvenz betroffen sind, ist auch Kathleen B. aus Sassnitz auf Rügen. Sie hatte ihre Hochzeitsreise über Thomas Cook gebucht – doch die fällt nun wahrscheinlich ins Wasser. „Wir hatten so lange dafür gespart und uns auf unsere erste Fernreise gefreut“, berichtet die 30-Jährige. „Nach dem ganzen Hochzeits- und Umzugsstress wollten wir uns richtig was gönnen, jetzt sind wir sehr enttäuscht.“

Für eineinhalb Wochen sollte es nach Mexiko gehen. 3700 Euro haben sie dafür zusammengespart. „Wir wollten unbedingt die Pyramiden, die pinke Lagune und die Cenoten sehen. Haben uns vor lauter Vorfreude schon viele Bilder angesehen und jetzt werden wir uns das nicht mehr leisten können.“

Die Sassnitzerin befürchtet, nichts von ihrer Anzahlung von über 700 Euro, die sie vor etwa einem Monat überwiesen hat, zurückzubekommen. „In unserem Reisebüro haben wir noch niemanden erreicht. Wir sind ratlos“, sagt sie. Sie weiß nur, dass nun für ihre Flitterwochen eine Notlösung her muss – Mexiko ist für das junge Ehepaar nicht mehr bezahlbar.

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Telefone stehen nicht still

Im Thomas-Cook-Reisebüro in der Kröpeliner Straße steht das Telefon nicht mehr still. „Wir bitten um Geduld“, sagt eine Tourismuskauffrau einem Kunden am anderen Ende der Leitung. „Wir haben auch erst vor wenigen Stunden in den Medien erfahren und wissen noch nicht, was passiert. Aber wir melden uns bei Ihnen – wir lassen Sie nicht alleine.“ Gegenüber der OZ will sich hier niemand äußern.

Uwe-Peter und Christel Hebst-Cordt haben das Reisebüro gerade verlassen. Ob ihre Reise ins spanische Malaga im kommenden Monat stattfinden kann, wissen die beiden noch nicht. „Auf den Urlaub können wir verzichten, aber nicht auf das Geld“, sagt Uwe-Peter Cordt. Aber es sehe gut aus: „Die Dame im Reisebüro hat uns versichert, dass wir unser Geld wieder bekommen. Wir haben extra eine Versicherung dafür abgeschlossen“, erklärt der 70-Jährige. Sie freuen sich, dass sie in solchen Notfall-Situationen einen Ansprechpartner vor Ort haben.

Uwe-Peter Cordt und Christel Hebst-Cordt vor dem Thomas-Cook-Reisebüro in der Kröpeliner Straße in Rostock. Sie wollten in Kürze in den Urlaub – ob dieser stattfindet, wissen sie noch nicht. Quelle: Stefanie Ploch

Reisebüros können Buchungen nicht bearbeiten

Als sie Sonntagabend von der Krise bei Thomas Cook in den Nachrichten gelesen haben, waren sie sehr aufgeregt. „Und auch jetzt sind wir es noch, weil wir nicht genau wissen, was los ist“, sagt Christel Hebst-Cordt. Denn die Systeme in den Reisebüros sind lahmgelegt. Die Mitarbeiter hätten die Buchung weder einsehen noch bearbeiten können, sagt die 67-Jährige, nachdem sie aus dem Geschäft kam.

Auch Rolf Lindner hat sich auf seine Reise am Jahresende auf die Kanaren gefreut. „Erst Freitag habe ich die Anzahlung veranlasst“, sagt der 66-jährige Rostocker. „Als ich dann heute morgen von der Insolvenz erfahren habe, bin ich gleich zu meiner Bank um zu schauen, ob das Geld schon raus ist.“ Die Abbuchung war schon vorgenommen worden, doch die Bankmitarbeiter würden versuchen, dies rückgängig zu machen, meint er.

Auch er ist froh, im Reisebüro einen Ansprechpartner zu haben. „Die armen Frauen tun mir heute leid. Sie wissen auch noch nicht, was das für die Reisenden bedeutet und müssen trotzdem den Frust verärgerter Kunden auffangen“, sagt er.

Reisepreisversicherung kann helfen

Bei Gritt Blechschmidt im Tui-Reisebüro in Rostock rufen ebenfalls viele aufgeregte Kunden an. Auch bei ihr haben Urlauber Reisen bei Tochterfirmen von Thomas Cook gebucht. „Verständlicherweise möchten sie wissen, was los ist und ob ihre Reise stattfindet“, sagt sie. „Das Gute ist zunächst, dass die Airline Condor, eine Tochtergesellschaft von Thomas Cook, noch fliegt.“ Doch wie lange noch, wisse sie nicht. Sie befürchtet ein ähnliches Szenario wie bei Germania oder Air Berlin in den vergangenen Jahren. Am Montagvormittag hieß es, Condor dürfe aus rechtlichen Gründen keine Thomas-Cook-Passagiere mehr befördern.

„Die Kunden, die eine Pauschalreise gebucht haben, und diese nicht antreten können, haben das Glück, dass es einen Reisepreisversicherungsschein gibt. Wenn sie alles bei der Versicherung einreichen, dann bekommen sie ihr Geld wieder“, sagt Gritt Blechschmidt.

Schwieriger sei es hingegen bei Reisenden, die bereits im Urlaubsland sind und nun nicht zurück kommen – denn die Rückflüge sind nun gestrichen. „Ob mit Thomas Cook, Öger-Tours oder Neckermann Reisen: Die Urlauber stecken jetzt fest.“ Reiseleiter würden derzeit versuchen, Alternativen zu finden.

Auch Urlauber in MV betroffen

Betroffen sind nicht nur Urlauber, die aus MV in die Welt reisen wollen, sondern auch solche, die hier Ferien machen. Im Hotel Neptun in Warnemünde etwa sind derzeit „eine Handvoll“ Zimmer mit Gästen belegt, die über Thomas Cook gebucht haben, sagte Marketingmanager Mario Derer. „Wir bedauern dieses Ereignis natürlich sehr und sind als Hotel auch betroffen. Die Gäste sind die Leidtragenden, und wir versuchen, gemeinsam eine Lösung zu finden.“ Im Zweifelsfall müssten die Gäste wohl ihren Aufenthalt erst einmal aus eigener Tasche zahlen. Das Geld erhielten sie jedoch zurück, wenn sie einen Sicherungsschein haben.

Knapp ein Viertel der deutschen Inlandsferienreisen, die über Veranstalter gebucht werden, führen Urlauber nach MV. Derzeit dürften es allerdings nicht allzu viele sein, meint Verbands-Vize Tobias Woitendorf: „Wir können von Glück reden, dass die Hauptreisezeit vorbei ist.“ Zudem buchen auch nur etwa zehn Prozent aller Urlauber über einen Veranstalter, die meisten reisen individuell an. „Ich gehe davon aus, dass Urlauber, die schon hier sind, auch in ihrem Hotel bleiben können“, sagte Woitendorf. „Bei Gästen, die noch anreisen wollen, sind die Fragezeichen allerdings etwas größer.“

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