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MV aktuell Nach Tod des Ersthelfers Winfried M: Das sagen Freunde über ihn
Nachrichten MV aktuell Nach Tod des Ersthelfers Winfried M: Das sagen Freunde über ihn
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08:37 14.03.2019
Das Arla-Betriebsgelände in Uphal bei Grevesmühlen Quelle: JULIANE SCHULTZ
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Grevesmühlen

Dicke Regenwolken hängen am Mittwoch über dem Gelände des dänischen Unternehmens Arla in Upahl. Im Minutentakt fahren Lkw rechts vorbei am Pförtnerhaus auf das Betriebsgelände. Genauso oft kommen Lkw auf der linken Seite entgegen. Hier arbeiten 500 Menschen. Winfried M. war seit 2005 einer von ihnen. Der Lkw-Fahrer starb Montagfrüh auf einer Tour im Auftrag seines Arbeitgebers.

In der Nacht vom Sonntag zum Montag war er mit seinem 40-Tonner Richtung Krefeld aufgebrochen. Der Kühllaster war gut gefüllt mit Milchprodukten – bekannte Marken wie Hansano oder Buko werden von der Großmolkerei Arla hergestellt und vertrieben. Gegen 2 Uhr, auf der Autobahn 1, kam M. auf einen Unfall zu. Er hielt auf dem Standstreifen. Was genau dann passierte, muss die Polizei noch ermitteln. Soviel ist jedoch bekannt: M. war offenbar ausgestiegen, um zu helfen. Ein Pkw mit dänischem Kennzeichen raste in die Unfallstelle. Winfried M. verstarb infolge seiner schweren Verletzungen.

Arla Foods in Upahl – Arbeitsplatz von Winfried M.

„Einen besseren Menschen gibt es gar nicht.“

In Upahl kann es Renate Meigut Tage später immer noch nicht fassen. „Wir waren allerbeste Freunde“, sagt die 69-Jährige unter Tränen. „Einen besseren Menschen gibt es gar nicht.“ Sie schildert, wie M.s Ehefrau am Montag anrief und sie vom Tod des Mannes informierte. „Ich habe gesagt, dass ich das gar nicht glauben kann, und sie konnte es auch nicht glauben. Das kann man ja auch nicht begreifen, dass Winfried nicht mehr da ist.“

Die Rentnerin beschreibt ihren ehemaligen Nachbarn als außerordentlich hilfsbereit und großzügig. „Alle meine Lampen hat er mir angeschraubt. Er hätte gar nicht anders gekonnt als anzuhalten. Ich kann mir das so richtig vorstellen, wie er den Unfall gesehen hat und gleich rangefahren ist.“ Und dann kommen ihr wieder die Tränen. „Er mochte so gern in seinem Garten grillen und Karten spielen. Und seine Modelleisenbahn hat er geliebt.“ Sie spricht über M.s Frau, seine zwei Kinder und die beiden Enkel, als wäre es ihre eigene Familie. „Unser ganzes Leben wird sich verändern, wo er nicht mehr da ist. Er wird uns so fehlen.“

Bestürzung auch beim Arbeitgeber

Der Mitarbeiter im Pförtnerhaus von Arla zuckt mit der Schulter: „Nein, ich kenne ihn gar nicht. Hier arbeiten so viele Fahrer, da kann man die Namen gar nicht zuordnen.“ Arla habe die Mitarbeiter per Rundschreiben informiert, was dem Fahrer zugestoßen sei. „Tja“, er atmet durch, „das ist schlimm“.

Transport-Manager Christoph Möller, darf sich nicht äußern. Er verweist sehr freundlich auf die Pressestelle des Unternehmens in Düsseldorf. Auch dort herrscht große Zurückhaltung. Annika Albrecht räumt jedoch ein: „Die Nachricht hat bei uns für große Bestürzung gesorgt. Aber alles Weitere wollen wir der Familie gern persönlich mitteilen.“

„Er war niemand, der einfach vorbei fährt.“

In der Tankstelle in Upahl hat M. nachmittags hin und wieder einen Kaffee getrunken. Eine Mitarbeiterin sagt: „Ich kenne ihn gar nicht anders, er war immer selbstlos. Er war niemand, der einfach vorbeifährt.“

Klaus Bertram steht an einem der Bistro-Tische und isst eine Bockwurst. Der 62-Jährige war M.s Kollege, fährt ebenfalls einen Kühllaster. „Er war ein richtiger Mecklenburger, hatte seine Eigenarten. Ich mochte wie er war.“

„Er wollte doch bald in Rente gehen“

Bertram ist sichtlich erschüttert. „Mich trifft das hart. Er wollte doch bald in Rente gehen. Im Dezember war er 59 geworden, aber die Knochen waren kaputt. Für Fahrer gibt es keine bessere Firma als Arla. Die Arbeitszeiten werden eingehalten, auch anständig Urlaub. Trotzdem ist es ein harter Job.“

Auch Bertram spricht von M.s großer Hilfsbereitschaft. Warum M. nicht gesehen wurde, ist Bertram ein Rätsel: „Wir tragen doch immer eine Warnweste. Das ist unsere Arbeitskleidung. Die kann man gar nicht übersehen.“ Er könne gut verstehen, dass M. angehalten hat. „Viele Autofahrer halten nicht an, wenn sie einen Unfall sehen. Was soll das denn, vergessen die, dass sie die nächsten sein können?“ Er würde es auch tun. „Außerdem macht man sich strafbar, wenn man weiterfährt.“

Renate Meigut, M.s gute Freundin, verrät jedoch am Ende des Gesprächs: „Mein Sohn fährt ja auch Lkw. Ich habe ihm gesagt, dass er einen Notarzt rufen soll, wenn er einen Unfall sieht. Ich habe Angst, dass ihm auch noch was zustößt.“

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Schweigeminute für getöteten Winfried M. aus Grevesmühlen

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