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Nach US-Sanktionen: Wie weiter mit der Ostsee-Pipeline Nord Stream 2?

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12:49 18.12.2019
Rohre für die Ostsee-Gaspipeline Nord Stream 2 werden auf dem Gelände des Hafen Mukran gelagert. Das US-Repräsentantenhaus hat Sanktionen gegen Firmen im Zusammenhang mit der Ostsee-Pipeline Nord Stream 2 auf den Weg gebracht. Quelle: Stefan Sauer/dpa-Zentralbild/dpa
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Lubmin

Nach den angekündigten Sanktionen der USA gegen Baufirmen der Ostsee-Pipeline Nord Stream 2 ist offen, wie es mit der Erdgasleitung weitergeht. Die Nord Stream 2 AG wollte sich am Donnerstag zu Auswirkungen der Entscheidung des US-Repräsentantenhauses nicht äußern. Durch die Leitung soll von 2020 an russisches Erdgas nach Mitteleuropa fließen.

Werden die Verlegearbeiten an der Pipeline auf See jetzt abgebrochen?

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Das ist unklar, Nord Stream 2 hat sich dazu nicht geäußert. Im Hafen Mukran auf Rügen sind am Donnerstag weiterhin Rohre auf Schiffe verladen worden. Dort liegt auch das russische Verlegekranschiff „Fortuna“.

Wie viele Kilometer Leitung sind bereits verlegt?

Nach Angaben von Nord Stream 2 liegen mehr als 2100 Kilometer Rohrleitung auf dem Grund der Ostsee. Die Pipeline besteht aus zwei Strängen, von denen jeder rund 1200 Kilometer lang sein wird. Somit sind noch etwa 300 Kilometer Rohre zu verlegen. Die größte Lücke klafft noch südöstlich der dänischen Insel Bornholm. Allerdings können die Schiffe täglich bis zu drei Kilometer Rohre auf dem Grund der Ostsee verlegen, so dass die Lücke schon weitaus kleiner sein dürfte.

Warum ist der Bau der Leitung nicht weiter fortgeschritten, wenn sie eigentlich Ende 2019 in Betrieb gehen sollte?

Die Nord Stream 2 AG hat erst Ende Oktober die Genehmigung der dänischen Energieverwaltung für den 147 Kilometer langen Abschnitt bei Bornholm erhalten. Damit war der ursprüngliche Zeitplan nicht einzuhalten. Alle für die Pipeline benötigten Rohre sind fertig und lagern im Hafen Mukran. Auch die technische Fertigstellung der Anlandestation in Lubmin liegt laut Nord Stream im Zeitplan.

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Welche Auswirkungen haben die Querelen um Nord Stream auf andere Wirtschaftsunternehmen?

Die Verzögerung bei der Erdgaslieferung bekommt zuerst der Fernleitungsnetzbetreiber Gascade (Kassel) zu spüren. Das Unternehmen hat den ersten Strang der Europäischen Gas-Anbindungsleitung Eugal fertiggestellt. Sie soll Gas aus Lubmin ins sächsische Deutschneudorf nahe der tschechischen Grenze transportieren. Gascade ist noch gelassen und kann die Leitung mit Gas aus der Nordeuropäischen Erdgasleitung NEL planmäßig zum Jahresbeginn in Betrieb nehmen. Der zweite Strang soll in einem Jahr folgen. Ein Sprecher sagte, es sei nicht damit zu rechnen, dass die Pipeline Nord Stream 2 nicht fertiggebaut wird. Nur der Zeitplan stehe jetzt in den Sternen. Auch aus russischer Sicht ist die Ostsee-Pipeline nicht mehr zu stoppen. „Wir gehen davon aus, dass das Vorhaben vollendet wird“, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow.

Was sagt die Politik in Mecklenburg-Vorpommern?

Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) sagte: „Wir stehen unverändert zum Projekt „Nord Stream 2“. Wir brauchen eine sichere Energieversorgung für Deutschland und Europa.“ Amerikanische Sanktionen seien eine weitere Belastung der deutsch-amerikanischen Beziehungen. „Sie zielen allein darauf ab, amerikanisches Fracking-Gas auf den Markt zu bringen“, sagte Schwesig.

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Energieminister Christian Pegel (SPD) sagte, auch wenn die von möglichen Sanktionen betroffenen Verlegeschiffe nicht aus Mecklenburg-Vorpommern stammen, halte er es für unverantwortlich, ein Infrastrukturprojekt der europäischen Energiewirtschaft zum politischen Spielball zu machen. „Wir brauchen eine gesicherte Gasversorgung in Europa. Und wir brauchen einen vernunftgetragenen wirtschaftlichen Dialog mit den russischen Partnern“, erklärte er.

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Von RND/dpa