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MV aktuell Nach Viren-Alarm: Streit um Quarantäne für Sportler in Zinnowitz
Nachrichten MV aktuell Nach Viren-Alarm: Streit um Quarantäne für Sportler in Zinnowitz
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13:30 16.08.2019
Einsatzkräfte eilten in der Nacht zum Donnerstag zur Sportschule in Zinnowitz. Quelle: Tilo Wallrodt
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Rostock

Für knapp 70 Sportler aus Thüringen und Sachsen hielt ein Sommer-Trainingscamp auf Usedom böse Überraschungen bereit: Die Fechter, Fußballer, Schwimmer und Kampfsportler von insgesamt sechs Vereinen steckten sich offenbar mit einem Magen-Darm-Virus an.

Heftiges Erbrechen und Durchfall fesselten die Sportler ab Mittwochabend an Bett und Toilette. Eine Person wurde wegen akuten Flüssigkeitsmangels in eine Klinik eingeliefert. Die Symptome deuten auf das häufig auftretende Norovirus hin, heißt es sowohl beim Landkreis Vorpommern-Greifswald als auch beim Landesamt für Gesundheit und Soziales. Etwa 100 weitere Sportler müssen laut Landkreis vorläufig in ihren Zimmern bleiben, damit sich eine mögliche Infektion nicht weiter ausbreiten kann.

Mehr als 60 Menschen haben sich an einer Sportschule in Zinnowitz mit einem Magen-Darm-Infekt angesteckt. Sie wurden von Notärzten behandelt.

In der Einrichtung war am Donnerstag von solchen Einschränkungen nichts zu sehen. Hotelgäste bewegten sich ungehindert auf der Anlage, einige spielten Basketball. Niemand werde festgehalten, sagt Carsten Nichelmann, Leiter der Sportschule. „Dazu besteht kein Anlass.“

Es sei ja noch unklar, ob es sich überhaupt um eine hochansteckende Infektion handelt. Das halte er sogar für eher unwahrscheinlich, so Nichelmann. Am Donnerstag habe es keine neuen Fälle mehr gegeben. Vielen der Erkrankten gehe es schon wieder besser. Es würde strenge Hygiene- und Desinfektionsregeln geben, alle Maßnahmen seien mit dem Gesundheitsamt abgestimmt. Insgesamt habe die Schule zurzeit 190 Gäste, so Nichelmann.

Erkrankte müssen auf Zimmern bleiben

Laut Landkreissprecher Achim Froitzheim gibt es frühestens Montag Gewissheit darüber, was die Massen-Übelkeit ausgelöst hat. Lebensmittel seien mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit nicht die Ursache. Es seien Proben von den betroffenen Personen, vom Trinkwasser und Essen genommen worden, die nun ein Labor auswertet.

Froitzheim betonte, wie wichtig die Maßnahmen zur Isolierung seien. Um die Allgemeinheit zu schützen, sei es normal, dass auch noch nicht Erkrankte in ihren Zimmern bleiben müssen. „Auf einem Kreuzfahrtschiff werden Passagiere bei einem Noroviren-Ausbruch in ihren Kabinen eingeschlossen“, sagt der Sprecher.

Gesundheitsamt will lockeren Umgang prüfen

Angesprochen auf die anscheinend eher lockere Umsetzung in Zinnowitz, kündigt Froitzheim an, dass das Gesundheitsamt dem nachgehen werde. Lagus-Chef Heiko Will bestätigt: Ein „Abriegeln“ sei üblich, um die weitere Verbreitung zu stoppen.

Masseninfektionen mit Magen-Darm-Viren sind keine Seltenheit. Erst im Mai erkrankten in Pepelow (Landkreis Rostock) 15 Schüler aus Rheinland-Pfalz an Noroviren, sechs mussten ins Krankenhaus. 2016 wurde in Rostock eine Schule vorübergehend wegen Norovirenbefalls geschlossen. Das Krankenhaus Wolgast verhängte 2015 aus dem gleichen Grund eine Besuchersperre.

Mit 3000 bis 4000 Fällen jährlich ist das meldepflichtige Norovirus nach der Grippe die häufigste Infektionskrankheit in MV. 2019 gab es bis Ende Mai mit 3000 Neuansteckungen bereits mehr als im gesamten Vorjahr.

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