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MV aktuell Nach Waldbränden: Diskussion um Löschtechnik
Nachrichten MV aktuell Nach Waldbränden: Diskussion um Löschtechnik
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19:55 27.06.2019
In einem Wald bei Peenemünde ist ein Brand ausgebrochen. Weil das Gebiet stark munitionsbelastet ist, steht die Feuerwehr vor großen Problemen. Quelle: Hannes Ewert
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Peenemünde/Lübtheen

Hitze und wenig Regen: Die Waldbrandgefahr in Mecklenburg-Vorpommern bleibt hoch. Nach Angaben von Hannes Möller, Präsident des Landesfeuerwehrverbands, ist das Risiko auf einem ähnlichen Niveau wie im vergangenen Sommer. Am Dienstag und Mittwoch kam es zunächst in Lübtheen, einen Tag später auf Usedom zu Bränden. Erst am Donnerstag konnte Entwarnung gegeben werden.

Diskussion um Löschtechnik

Die Einsatzkräfte standen bei beiden Bränden vor besonderen Herausforderungen: Die betroffenen Gebiete sind munitionsbelastet, die Löscheinsätze aus diesem Grund gefährlich. „Ohne Löschpanzer werden wir das Problem nicht gelöst bekommen“, sagt etwa Agrarminister Till Backhaus (SPD), der mit seiner Forderung, Spezialfahrzeuge im Nordosten zu stationieren, eine erneute Debatte ausgelöst hat. Auch Simone Oldenburg (Die Linke) fordert, dass darüber diskutiert wird. „Nach dem derzeitigen Stand und dem Dilemma im vergangenen Sommer ist das Problem nicht von der Hand zu weisen“, sagt sie. So müsse mit den Beteiligten darüber gesprochen werden, ob und welche Ausrüstung wichtig sei.

Entspannter sieht das Innenminister Lorenz Caffier (CDU). „Wenn gepanzerte Fahrzeuge benötigt werden, müssen diese von Fall zu Fall angefordert werden“, so der Politiker. Ludwigslust-Parchims Landrat Stefan Sternberg (SPD) verweist auf die insgesamt unzureichende technische Ausstattung vieler Feuerwehren. Das habe sich auch nach den Erfahrungen des Hitzesommers 2018 nicht grundlegend verbessert. „Wir haben einfach zwölf Monate verloren“, kritisiert er.

Insgesamt gut aufgestellt

Hannes Möller, Präsident des Landesfeuerwehrverbandes MV, sieht das Land allgemein bei Waldbränden gut aufgestellt. „Wir haben ein gutes Früherkennungssystem, damit die Waldbrände gar nicht erst so groß werden“, sagt er. „Natürlich müssen die Rahmenbedingungen stimmen – das Forstamt ist dafür zuständig, dass die Gegebenheiten uns ermöglichen, schnell zum Brandort zu kommen.“

Gefährlicher wird es, wenn sich die Brandherde in munitionsbelasteten Gebieten befinden. „In Lübtheen haben wir die höchste Warnstufe 4. Das sind die Gebiete, in denen die Munition offen, also beispielsweise nur von Blattwerk bedeckt, vorliegt“, erklärt Robert Mollitor, Leiter des Munitionsbergungsdienstes MV. „Bei oberflächennaher Munition kommt es in direktem Kontakt mit Feuer schnell zur Detonation.“

Technik folgt Taktik

Aus diesem Grund müssen die Einsatzkräfte in belasteten Gebieten einen Sicherheitsabstand von 1000 Metern halten. Landrat Sternberg hatte am Dienstagabend aus dem benachbarten Brandenburg zwei der Löschpanzer an den Brandort beordert. Sie halfen, Brandschneisen mit Wasser nass zu halten und Glutnester zu bekämpfen. „Auch ein Panzer hat mitunter Probleme. Wir müssen bedenken, dass wir nicht nur die Technik in das Gebiet schicken, sondern damit auch Menschen einem Risiko aussetzen“, betont Hannes Möller. Inwiefern auch zukünftig auf Spezialtechnik in belasteten Gebieten zurückgegriffen werden sollte, müsse besprochen werden. „Technik folgt immer einer Taktik. Man muss darüber sprechen, aber derzeit fahren wir in diesen Gebieten eine Verteidigungstaktik“, sagt Möller. Heißt: Flächen von außen sichern, ein Übergreifen der Flammen verhindern und Menschen in Sicherheit bringen.

Brandbekämpfung aus der Luft

Eine weitere Möglichkeit zur Brandbekämpfung wären Löschhubschrauber. In der Lieberoser Heide in Brandenburg hatte es im Juli 2018 auf einer Fläche von 400 Hektar gebrannt, Anfang Juni 2019 dann erneut auf 1000 Quadratmetern. Die Löscharbeiten fanden fast ausschließlich aus der Luft statt, da auch dieses Gebiet munitionsbelastet ist. Ob ein solcher Einsatz in MV verhältnismäßig sei, müsse diskutiert werden, so Hannes Möller. „Bei uns sind die Flächen viel kleiner. Es obliegt der Einsatzleitung, welche Ausrüstung angefordert werden muss“, sagt er.

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Katharina Ahlers

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