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MV aktuell Nach brutalem Vorfall in Frankfurt: Reisende auch in MV verunsichert
Nachrichten MV aktuell Nach brutalem Vorfall in Frankfurt: Reisende auch in MV verunsichert
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13:45 06.08.2019
Ein Mitarbeiter der DB Sicherheit steht am Gleis 7 des Frankfurter Hauptbahnhofs, in den ein ICE einfährt. (Symbolfoto) Quelle: Arne Dedert/dpa
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Rostock/Stralsund/Binz

Der gewaltsame Tod eines Jungen am Frankfurter Hauptbahnhof bewegt auch die Menschen in MV. In einer OZ-Umfrage auf den großen Bahnhöfen in Rostock, Stralsund und Binz auf Rügen zeigen sich viele Befragte verunsichert. Daran wird wohl auch das Sicherheitskonzept, das die Bahn nun in Frankfurt testen möchte, nicht viel ändern, vermutet die Opposition im Schweriner Landtag.

Der schreckliche Vorfall am Frankfurter Bahnhof, bei dem ein Mann ein Kind auf die Gleise gestoßen hat, macht viele Menschen nachdenklich. Der Abstand zum Bahngleis beim Warten auf den Zug ist plötzlich ein Thema.

„Ich habe eine Gehbehinderung und bin deshalb auf Bahnhöfen sehr vorsichtig. Allerdings achte ich nicht speziell darauf, was hinter mir passiert. Ich bin erschüttert von den Vorfällen in Frankfurt. Ich selbst stehe vom Bahnsteig weit entfernt – schon immer“, sagt Stephanie Baum aus Brandenburg am Binzer Bahnhof.

Auf Verhalten der Leute achten

Rüdiger Stein aus Eisenach (Thüringen) meint: „Ich bin viel mit dem Zug unterwegs und eigentlich immer sehr vorsichtig. Ich stehe meist in der Mitte des Bahnsteiges und beobachte die Umgebung. Ich schaue auch auf das Verhalten der Leute in der Umgebung. Generell fühle ich mich sicher am Bahnhof, obwohl es schon manchmal ein echtes Gerangel ist.“ Die Berlinerin Gisela Born sagt: „Jeder sollte aufpassen am Bahnsteig. Ich tue das auch. Etwas Abstand, gerade mit Kind, sollte man einhalten.“

In Rostock meint Jörg Koester aus Schwalmstadt (Hessen), er halte generell ausreichend Abstand zum Bahngleis. Sein Verhalten habe sich nach dem Todesfall des Achtjährigen nicht verändert. Den Rostocker Bahnhof hält er für nicht sicher genug. „Es gibt zu viele Stockwerke. Der Hauptbahnhof in Hamburg ist hingegen mit den Gleisen übersichtlicher.“ Toni Vogt aus Bad Sülze meint: „Ich bin sehr vorsichtig und schaue mich lieber um seit dem Vorfall in Frankfurt.“

Sorgen um die Tochter

In Stralsund sagt Cindy Magdanz: „Als Mutter einer siebenjährigen Tochter mache ich mir seit dem schrecklichen Ereignis von Frankfurt mehr Sorgen, wenn mein Kind auf Klassenfahrt geht – da habe ich schon ein flaues Gefühl im Bauch.“ Und auch Jens Meinke meint: „Ich habe mittlerweile generell ein mulmiges Gefühl bei größeren Menschenansammlungen, egal ob an Bahnsteigen, Schranken oder Volksfesten, ein bisschen unwohl ist mir da schon.“

Für Peter Ritter, innenpolitischer Sprecher der Linken im Schweriner Landtag, wird auch eine verstärkte Videoüberwachung, wie sie jetzt in Frankfurt getestet werden soll, die Menschen nicht beruhigen: „Videokameras haben noch kein Verbrechen verhindert.“ Viel wichtiger wäre es seiner Ansicht nach, mehr Personal auf die Bahnsteige zu schicken. „Vor allem im ländlichen Raum in MV und besonders abends sind die Bahnhöfe oft verwaist.“ Das gelte selbst für den wichtigen Knotenpunkt Bad Kleinen: „Da sieht man überhaupt keinen.“ Daher sollte generell darüber nachgedacht werden, dort mehr Personal einzusetzen, fordert Ritter.

Milliarden für Schutzwände?

Marcel Drews vom Fahrgastverband Pro Bahn MV fordert ebenfalls mehr Personal: „Das erhöht das Sicherheitsgefühl und es ist schnell jemand da, der bei einem Zwischenfall eingreifen kann.“ Technische Lösungen wie Trennwände am Bahnsteig, die verhindern sollen, dass man ins Gleisbett fallen oder gestoßen werden kann, hält Drews dagegen für unrealistisch: „Das würde einen größeren Milliardenbetrag kosten und wäre auch technisch schwierig, weil verschiedene Züge auch an unterschiedlichen Positionen halten.“

Auch der Fraktionsvorsitzende der AfD, Nikolaus Kramer, hält nicht viel von den Frankfurter Plänen: „Verbesserte Bahnsteigmarkierungen, Ansagen und Videoüberwachung werden Mordanschläge nicht verhindern. Es ist zu überlegen, ob bei der Polizei Angestellte Verwaltungsaufgaben übernehmen können, um Polizisten freizusetzen, damit diese an unseren Bahnhöfen Schutz bieten.“ Das eigentliche Problem sei jedoch die verrohte Gesellschaft und das hohe Gewaltpotenzial „bestimmter Tätergruppen“.

Keine Stolperfallen in MV

Nach Angaben der Bahn entsprechen zumindest baulich die Bahnhöfe in MV weitgehend den bestehenden Sicherheitsvorgaben. „An nahezu allen Bahnhöfen sind die Bahnsteige eben, stabil und haben keine Stolperfallen“, sagt Sprecher Holger Bajohra. An Bahnhöfen, durch die schnelle Züge wie Intercitys oder ICE’s nur durchfahren, seien die Bahnsteige mit Schraffierungen am Boden und weißen Streifen markiert. So soll erreicht werden, dass Wartende weit genug zurücktreten, um nicht vom Sog mitgerissen zu werden.

Von den 180 Bahnhöfen im Land seien zudem 60 videoüberwacht. Mehr sei jedoch aus Datenschutzgründen schwierig, erklärt Bajohra: „Die Bundespolizei darf nur dort regelmäßig aufzeichnen, wo es häufig zu Straftaten kommt.“ Und die Bahn selbst nutze die Videoüberwachung nur, um bei großem Andrang zusätzliches Personal stellen zu können. Das sei vor allem in den größeren Städten, an Ausflugs- oder wichtigen Veranstaltungsorten der Fall.

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