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Neonazi in Rostocker Ortsbeirat: „AfD kann sich nicht vor Verantwortung drücken“

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21:21 11.02.2020
Ivan Kormilitsyn bei einem Schießtraining von Neonazis in der Ukraine und als Mitglied der „Jungen Alternative“. Quelle: OZ
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Rostock

Der Fall eines jungen Neonazis im Rostocker Ortsbeirat von Groß Klein schlägt hohe Wellen. Nach dem OZ-Bericht Ende Januar haben SPD, Linke und Grüne in der Rostocker Bürgerschaft eine Abwahl von Ivan Kormilitsyn beantragt. Die Rostocker AfD weist die Verantwortung für die Aufstellung zurück.

Kormilitsyn, zeitweilig Mitglied der AfD-Jugendorganisation „Junge Alternative“, hat laut Recherche-Netzwerk Exif im Sommer 2018 eine paramilitärische Ausbildung von Neonazis in der Ukraine absolviert. Fotos zeigen ihn unter anderem beim Schießtraining mit einem Sturmgewehr der Marke Kalaschnikow. Der OZ-Redaktion liegen weitere Belege vor.

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AfD-Kreisvorstand will nicht verantwortlich sein

Laut Insidern ist Kormilitsyn fest in der Neonazi-Szene verankert. Er selbst antwortete nicht auf eine OZ-Anfrage, gab im Internet aber eindeutige Kommentare ab, die ihn identifizieren. Dann sendete er „nationalistische Grüße“. Nach Angaben von Exif hat der Rostocker beste Kontakte zu ukrainischen Neonazi-Gruppen, in Rostock zum sogenannten „Baltik Korps“, das der Verfassungsschutz beobachtet.

Die AfD in Rostock hat zur Causa Kormilitsyn bis heute nicht auf eine OZ-Anfrage geantwortet. Im Internet teilt sie mit: „Der Kreisvorstand weist die Verantwortung für die erhobenen Vorwürfe zurück.“ Nicht der Vorstand, sondern eine zeitweilig existierende Fraktion in der Rostocker Bürgerschaft habe Kormilitsyn für den Ortsbeirat Groß Klein aufgestellt.

Kommunalpolitikerin: „Nebelbombe“ der AfD

Dies sei falsch, kontert Sybille Bachmann vom Rostocker Bund. Die AfD zünde eine „Nebelbombe“. Als die Ortsbeiräte benannt wurden, habe die AfD-Fraktion noch gar nicht existiert. „Der Rostocker Kreisvorstand der AfD kann sich nicht vor der Verantwortung für die eingereichten Personalien drücken“, so Bachmann. SPD, Linke und Grüne in der Bürgerschaft haben jetzt eine Abwahl Kormilitsyns beantragt. Dies gilt auch für zwei weitere AfD-Ortsbeiräte.

AfD-Landessprecher Leif-Erik Holm war sofort nach Bekanntwerden zur Personalie Kormilitsyn auf Distanz gegangen. „Wer mit Kriegswaffen und mit ukrainischen Faschisten posiert, die die russische Minderheit in der Ukraine terrorisieren, verstößt gegen alle Grundprinzipien der AfD.“ Holm betont: Kormilitsyn sei nicht AfD-Mitglied.

In Groß Klein hat sich die Lage bislang nicht verändert, sagt Uwe Michaelis (SPD), Chef des Ortsbeirates. Kommende Woche stehe der Abwahlantrag zu Kormilitsyn auf der Tagesordnung.

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Von Frank Pubantz