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MV aktuell Neue Jobs und Unternehmen: Windenergiebranche fordert Offshore-Testfeld vor Warnemünde
Nachrichten MV aktuell Neue Jobs und Unternehmen: Windenergiebranche fordert Offshore-Testfeld vor Warnemünde
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07:00 08.05.2019
In der Ostsee vor Rügen drehen sich die Windräder des Windparks „Wikinger“. Das bis zum Jahr 2023 geplante nationale Testfeld für Offshore-Windkraftanlagen vor Warnemünde wird voraussichtlich eines der großen Themen bei der 8. Zukunftskonferenz „Wind & Maritim“ sein. Quelle: BERND WÜSTNECK/DPA
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Rostock

Neue Jobs, Ansiedlungen von Unternehmen und Forschungseinrichtungen: Die Windenergiebranche im Nordosten setzt große Hoffnungen in das geplante Testfeld für Offshore-Windenergieanlagen vor Warnemünde. „Mit dem Testfeld haben Rostock und Mecklenburg-Vorpommern eine hervorragende Chance als Standort für Forschung und Technologieentwicklung“, sagte der Vorsitzende des Windenergie-Netzwerks MV, Andree Iffländer, im Vorfeld der Zukunftskonferenz „Wind & Maritim“. Die Konferenz beginnt am Mittwoch in Rostock.

Testfeld wäre einzigartiges Projekt

„Der Wirtschaftsstandort MV profitiert enorm von der Windenergiebranche“, betonte der Schweriner Energieminister Christian Pegel (SPD). So seien in den vergangenen Jahren „mehr als 15 000 hoch qualifizierte und gut bezahlte Arbeitsplätze entstanden, die direkt mit der Windenergie in Verbindung stehen“. Häfen und Werften hätten durch die Offshore-Windindustrie neue Geschäftsfelder erschlossen und ihr Portfolio erweitert.

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Das Testfeld könnte der Branche einen zusätzlichen Schub geben. „Wir können Schrittmacher der Entwicklung sein – oder ihr hinterherlaufen“, so Iffländer. Ein solches Testfeld sei „einzigartig in Europa und sogar der Welt“. Auch der Koordinator der Bundesregierung für die maritime Wirtschaft, Norbert Brackmann (CDU), betonte, dass der Ausbau der Offshore-Windenergie „aufgrund der hohen Investitionskosten für die Windparks und Offshore-Netzanbindungen mit einer hohen Wertschöpfung verbunden“ sei. „Industriepolitisch ist das ein Gewinn für den Wirtschaftsstandort Mecklenburg-Vorpommern und Deutschland“, so Brackmann, der am Mittwoch an der Zukunftskonferenz teilnehmen wird.

Kritik aus der Tourismuswirtschaft

Das bis 2023 geplante Testfeld soll etwa elf Kilometer vor Warnemünde entstehen – was für reichlich Kritik sorgt. Der Handels- und Gewerbeverein Warnemünde befürchtet erhebliche Nachteile: Der Tourismusstandort werde massiv gefährdet, das Segelrevier vernichtet, Wirtschaftswachstum und Wertschöpfung in der Region würden gebremst, hieß es in einer Stellungnahme.

Internationale Messe in Rostock

Zur 8. Zukunftskonferenz „Wind & Maritim“ erwarten die Veranstalter am 8. und 9. Mai 2019 rund 300 Teilnehmer in der Hansemesse in Rostock-Schmarl. Die Branchenexperten kommen aus Deutschland und Ländern, wie u. a. Schweden, Norwegen, Dänemark, Türkei, Finnland, Österreich, Spanien und Schottland.

Die Konferenz verbindet Themen der Windenergie mit der Maritimen Wirtschaft. Dabei sollen den Angaben zufolge Markt- und Technologietrends in den Bereichen der On- und Offshore-Windenergie, Maritimen Wirtschaft und im Zukunftsfeld Power to X – der Verbindung der Sektoren Strom, Wärme und Mobilität – aufgezeigt werden.

Vor einigen Wochen hatte der Bundestag den Weg für den Windpark frei gemacht (OZ berichtete). Das Genehmigungsverfahren steht indes noch aus. Neben dem Testfeld mit etwa zwölf Offshore-Windenergieanlagen sei auf der ausgewiesenen Fläche Platz für die gleiche Anzahl kommerziell betriebener Anlagen. Wie groß diese letztlich sein werden, sei noch unklar.

225 Meter hohe Offshore-Anlagen

Die nächste Generation von Offshore-Anlagen mit Leistungen von zehn Megawatt (MW) werde derzeit entwickelt, erklärte Iffländer. Bei einem Rotordurchmesser von 193 Metern seien sie etwa 225 Meter hoch. Bei schönem Wetter werde man solche Anlagen von Warnemünde aus sehen können.

„Die Akzeptanz beim Ausbau der erneuerbaren Energien ist zunehmend wichtiger“, sagte Brackmann. Bedeutend sei daher, „die Anliegen der Bevölkerung durch eine frühzeitige Beteiligung vor Ort ernst zu nehmen und so in den Planungen zu berücksichtigen“. Das bekräftigte auch Energieminister Pegel: Nur mit der Akzeptanz der Bürger „werden wir unsere Klimaziele erreichen können“.

In den vier deutschen Ostsee-Windparks EnBW Baltic 1 und 2, Wikinger und Arkona produzieren derzeit insgesamt 231 Windenergieanlagen mit einer Leistung von 1075 MW Strom für rund 800 000 Haushalte. Die Hälfte der Leistung entfällt allein auf den kürzlich ans Netz gegangenen Windpark Arkona nordöstlich der Insel Rügen.

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