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MV aktuell Neue Regeln beim Online-Banking verunsichern Kunden in MV
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17:59 18.09.2019
Um online aufs Konto zugreifen zu können, müssen Bankkunden sich künftig zweifach ausweisen – etwa mit Hilfe von Laptop und Smartphone. Quelle: Zacharie Scheurer/dpa
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Rostock

Eigentlich sollte sie das Online-Banking sicherer machen – doch die seit Sonnabend geltenden neuen Sicherheitsvorschriften für Bankgeschäfte über das Internet (PSD2) verwirren viele Menschen in MV eher. In den Bankfilialen im Land melden sich zahlreiche Hilfesuchende. Betrüger könnten während der Umstellungsphase sogar leichteres Spiel haben, warnt die Verbraucherzentrale.

Stephan Tietz ist Experte für Finanzdienstleistungen bei der Verbraucherzentrale MV. Er hatte in den vergangenen Tagen mit mehreren unzufriedenen Bankkunden zu tun. „Die meisten beschwerten sich, dass sie nun mit einem normalen Handy keine Tan-Nummern mehr bekommen.“

Diese Transaktionsnummern können nämlich teilweise nur auf Smartphones empfangen werden – viele Besitzer eines alten Tastenhandys schauen in die Röhre oder müssen sich einen mobilen Tan-Generator kaufen, der 15 bis 30 Euro koste, so Tietz. Oft müsse dies der Kunde bezahlen. „Wir finden das nicht korrekt, schließlich muss doch die Bank für die Sicherheit ihrer Kundendaten sorgen.“

Tan-Listen auf Papier gehören der Vergangenheit an

Hintergrund sind die von der EU vorgeschriebenen neuen Schutzmechanismen für das Bezahlen und Überweisen im Netz. So muss seit dem 14. September jeder Zahlungsvorgang mit einem eigenen aus Zahlen und Buchstaben bestehenden Tan-Code bestätigt werden, der entweder aufs Smartphone gesendet oder mit einem Tan-Generator erstellt wird. Tan-Listen auf Papier wurden endgültig abgeschafft, viele Banken hatten schon zuvor auf elektronische Übermittlung umgestellt.

Die andere wichtige Änderung: Auch für das Bezahlen mit Kreditkarte oder Diensten wie Paypal im Internet sind künftig zwei Faktoren Pflicht. Die Verbraucherzentrale erklärt das so: Man muss etwas haben und etwas wissen. Haben muss man ein Gerät zum Übermitteln der Tan oder eine Bankkarte mit Kartenleser und wissen muss man die Tan oder ein Passwort. Früher reichte es etwa, wenn sich Betrüger für Internetkäufe von ihrem Opfer die Kreditkartennummer sowie die Prüfnummer, die beide auf der Karte stehen, besorgten. Das ist nun nicht mehr möglich.

Banken nutzen verschiedene Verfahren

Die neuen Regeln böten tatsächlich mehr Sicherheit, meint Verbraucherschützer Tietz. Doch es gebe auch Schwachstellen. So seien die neuen Verfahren für Kunden, die mit moderner Technik hadern, sehr kompliziert. Zudem nutzten die verschiedenen Banken auch verschiedene Verfahren. „Wir hätten uns mehr Einheitlichkeit gewünscht.“ Gerade Kunden, die etwa ihr Girokonto bei der einen und ihre Kreditkarte bei einer anderen Bank haben, könnten dadurch verwirrt werden. „Das macht es wiederum Betrügern leicht, die sich als Bankmitarbeiter ausgeben und sich geheime Kontodaten geben lassen, um angeblich zu helfen“, so der Experte.

Lesen Sie hier den OZ-Kommentar zum Thema: Neues Online-Banking ist für viele ältere Menschen völlig verwirrend

Laut Verbraucherzentrale kursierten unter anderem sogenannte Phishing-Mails, in denen Bankkunden aufgefordert werden, ihre Kundendaten zu bestätigen – angeblich wegen der Umstellung auf PSD2. Tatsächlich landen die Verbraucher auf gefälschten Portalen, wo sie dann ihre Banking-Daten den Betrügern preisgeben. Ähnliches sei etwa bei Paypal-Kunden versucht worden. Druck versuchten die Kriminellen mit der Drohung aufzubauen, dass ein Konto „eingefroren“ wird, sollte man der Aufforderung nicht nachkommen. Die Verbraucherschützer raten: E-Mail ignorieren und unbeantwortet in den Spamordner verschieben. Zudem gelte, dass Banken oder Zahlungsdienste grundsätzlich nie Kundendaten per Mail oder am Telefon abfragen.

Auch bei Sparkassen in MV gibt es keine einheitliche Lösung

In MV haben weder die Volks- und Raiffeisenbanken (VR) noch die Sparkassen einheitliche Verfahren. Alle VR-Banken bieten zwar nach Angaben von Sprecher Björn Selck die Smart Tan mit Karte und Tan per App über SecureGo/SecureSign an. Darüber hinaus werden aber auch von einigen Niederlassungen mobile Tan verschickt. Dies sei jedoch ein Auslaufmodell, betont Selck. Er stellt fest, dass viele VR-Kunden verunsichert sind: „Es kommt aktuell häufiger vor, dass Kunden Fragen zur Umstellung oder zur Einrichtung der Sicherheitsverfahren haben.“ Meist könne ihnen jedoch schnell und unbürokratisch geholfen werden.

Auch bei den Sparkassen in MV gibt es noch eine bunte Auswahl: „Die Sparkassen haben in der Regel verschiedene Verfahren als Optionen für die Kunden. Dazu gehören Push Tan, Chip Tan und SMS Tan“, erklärt Ronny Susa, Sprecher der Ostsee-Sparkasse (Ospa) in Rostock. „Ob den Kunden alle drei Verfahren durch die jeweilige Sparkasse angeboten werden, obliegt der regionalen Sparkasse selbst.“ Wer da den Überblick verliert, dem werde in den Filialen, per Telefon, Mail oder in Chats geholfen, verspricht Susa.

Postbank-Kunden hatten bei der Umstellung Probleme

Probleme mit der Umstellung auf das neue Verfahren hatte es Anfang vergangener Woche bei der Postbank gegeben. Kunden beschwerten sich, sie könnten online nicht oder nur eingeschränkt auf ihr Konto zugreifen und Anfragen über die Hotline dauerten lange. „Es ist richtig, dass einige Sachen nicht gut laufen“, sagte ein Postbank-Sprecher. Die Finanzaufsicht Bafin sieht jedoch trotz einzelner Schwierigkeiten keine grundsätzlichen Probleme bei der Umstellung auf die neuen Sicherheitsbestimmungen. „Bis auf die wenigen Ruckler ist die Lage ruhig“, sagte ein Sprecher der Behörde.

In einer jüngst veröffentlichten Umfrage des Sicherheitssoftware-Anbieters Entersekt zeigte sich, dass die Hälfte der deutschen Bankkunden Online-Banking per Smartphone wegen Sicherheitsbedenken misstraut. Dagegen fanden es nur fünf Prozent der Befragten zu kompliziert. Die Umfrage wurde allerdings schon im Mai gemacht – also lange bevor die neuen Regeln in Kraft traten.

Viele Wege führen zur Transaktionsnummer (Tan)

Chip Tan oder Smart Tan: Dafür benötigt der Bankkunde seine Bankkarte und einen Tan-Generator. Bei einer Überweisung im Online-Banking erscheint auf dem Bildschirm ein Startcode. Diesen Code gibt der Kunde in den Tan-Generator ein, in den er vorher seine Karte gesteckt hat. Bei den meisten Geldinstituten muss danach noch die Empfängerkontonummer bzw. IBAN und der Betrag der Überweisung eingetippt werden.

Chip Tan comfort oder Smart Tan opticist eine Weiterentwicklung des Chip- oder Smart-Tan-Verfahrens. Dabei hat der Tan-Generator zusätzlich auf der Rückseite fünf optische Sensoren, die Daten über Lichtsignale empfangen können. Übertragen werden sie durch flackernde Schwarz-Weiß-Flächen auf dem Bildschirm des Geräts, das der Kunde für das Online-Banking benutzt.

Photo Tan: Nach Eingabe der Überweisungsdaten am Computer muss mit der Photo-TAN-App auf dem Smartphone oder einem Lesegerät ein farbiger Barcode gescannt werden. Im Display erscheinen dann die Überweisungsdaten sowie eine Tan, die wiederum in den Computer eingegeben werden muss.

Banking mit QR Code: Ähnlichwie Photo Tan, nur dass dabei ein schwarz-weißer QR-Code gescannt wird. Dafür muss zuvor eine App aufs Smartphone geladen werden. Die Überweisung muss dann noch mit einer Tan bestätigt werden, wofür ein Tan-Generator benötigt wird.

mobile Tan oder SMS Tan: AmEnde einer Online-Überweisung fordert der Kunde eine Tan an, die ihm dann per SMS auf sein Handy oder Smartphone zugeschickt wird. Für diese Funktion sollten die Empfangsgeräte immer auf den neuesten Stand der Sicherheit sein. Manche Kunden beklagen, dass sie auf älteren Tastenhandys nicht mehr unterstützt wird.

Tan-Liste oder iTan-Liste: Dabei liest der Bankkunde einen Code von einer Liste auf Papier ab, die ihm seine Bank zuvor zugeschickt hat. Bei iTan sind diese Codes nummeriert, bei Tan nicht. Online-Banking ist seit dem 14. September auf diesem Weg nicht mehr möglich, manche Banken empfehlen ihren Kunden allerdings, die Listen dennoch aufzubewahren, da sie noch anderweitig benötigt werden könnten.

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