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MV aktuell Neues Video: Wolf läuft bei Marlow übers Feld
Nachrichten MV aktuell Neues Video: Wolf läuft bei Marlow übers Feld
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06:46 15.01.2019
Diese vier Wolfswelpen tappten im Sommer 2014 in der Lübtheener Heide (Ludwigslust-Parchim) in die Fotofalle einer Wildkamera. Quelle: WWF/Norman Stier
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Kloster Wulfshagen

Es ist nur Sekundensache, doch auf dem Video gut zu erkennen: Ein ausgewachsener Wolf läuft bei Kloster Wulfshagen (Vorpommern-Rügen) über den Acker, schnürt quer über die Landstraße und weiter über ein Rapsfeld in Richtung Wald. Als Ansgar Kurp die kleine Filmsequenz von einer Bekannten als Whatsapp-Nachricht zugespielt bekam, sah er sofort: „Das ist unser Rapsschlag, gleich dort hinter den Häusern.“ Inzwischen hat der 52-Jährige herausgefunden, von wem die Aufnahme stammt: Emily Niemann aus Bartelhagen I bei Marlow gelang die Aufnahme. Nachmittags gegen 14 Uhr, kurz vor Weihnachten.

Die 15-Jährige war mit ihrem Vater Marco im Auto unterwegs. „Das war ziemlich aufregend“, berichtet Marco Niemann. Die beiden hatten den Wolf schon vorher auf einem Feld bei Bartelshagen I gesehen. Erst dachten sie, es sei ein Hund. „Er kam näher, lief direkt vor uns über die Straße“, erinnert sich der 45-Jährige. „Ich musste bremsen, sonst hätte ich ihn überfahren.“ Aus der Nähe waren die beiden sich einig: „Die Größe, der Schwanz – das muss ein Wolf sein“, sagt Marco Niemann, der Wölfe sonst nur aus dem Güstrower Wildpark kennt. In der Nähe von Kloster Wulfshagen sahen sie Isegrim dann ein paar Minuten später noch einmal – und dort gelang Emily das kleine Video.

Ansgar Kurp vermutet seit längerem, dass sich in der Nähe von Marlow ein Wolf angesiedelt hat. Oder mehrere. Und wo Rüden eine Gefährtin finden, ist im Frühjahr mit Nachwuchs zu rechnen. Welpen wären der Nachweis für ein Rudel – das nördlichste Wolfsrudel in Mecklenburg-Vorpommern. Sechs Rudel, außerdem mehrere Einzelwölfe und Wolfspaare wurden in MV bereits offiziell bestätigt, bei Marlow aber noch keins.

Im Forstamt Billenhagen werden im Frühjahr Wildkameras aufgehängt

Videos mit Wolfsrudeln gibt es Dutzende in den sozialen Netzen. „Viele stammen aus Niedersachsen oder aus dem Ausland und werden im Norden nur geteilt“, sagt der Koordinator des Wolfsmonitorings, Norman Stier. Insofern ist Emilys Video etwas Besonderes. „Ein authentischer Nachweiß bei Kloster Wulfshagen ist interessant für uns“, bestätigt der Wildbiologe. Im vorigen Sommer hatte es etwa zehn Kilometer entfernt auf einer Weide bei Blankenhagen (Landkreis Rostock) einen Wolfsangriff auf eine Schafherde gegeben, auch Jäger hatten schon von einem Wolf berichtet, der ein Rehkitz in den Wald schleppte. Auch Muffelwild sei vermutlich schon Opfer der geschützten Raubtiere geworden, meint der ehrenamtliche Wolfsbetreuer im Forstamt Billenhagen, Jens Gonnermann. Er selbst habe jedoch noch keinen Wolf in der Region gesehen. „Auch bei den Drückjagden im November und Dezember ist nichts gemeldet worden.“ Im Frühjahr sollen deshalb auf mehreren Schneise in seinem Revier Wildkameras aufgehängt werden. Sie könnten Gewissheit schaffen. Bei den Rudeln in der Ueckermünder Heide (Vorpommern-Greifswald) und bei Lübtheen (Ludwigslust-Parchim) gelang mit solchen Geräten bereits mehrfach der Nachweis von Welpen.

OZ-Podiumsdiskussion mit Agrarminister Backhaus

Hat MV schon zu viele Wölfe? Wie weit sollte sich das Raubtier im Land ausbreiten? Darum geht es am 29. Januar bei einer Podiumsdiskussion in Grevesmühlen (Nordwestmecklenburg), zu der die Ostsee-Zeitung einlädt. Als fachkundige Gäste stellen sich Umweltminister Till Backhaus (SPD), Landwirt Kurt Klaczinski aus Pötenitz und Jäger Ulf-Peter Schwarz aus Plüschow bei Grevesmühlen, Schäfer Ingo Stoll aus Langsdorf bei Grimmen und Stefan Schwill, Landesvorsitzender des Naturschutzbundes, den Fragen. Beginn: 18 Uhr im Kreistagssaal in der ehemaligen Malzfabrik. Der Eintritt ist frei.

Jäger blockieren Wolfsmonitoring

Auch auf dem Darß sind seit längerem Wildkameras installiert, allerdings ohne Erfolg. Dabei hatte es auch dort Hinweise auf das Vorkommen der geschützten Raubtiere gegeben. „Entweder sie sind nicht in die Falle getappt oder es war ein Einzeltier, das weitergezogen ist“, meint Wolfsmanager Stier. Das Schweriner Umweltministerium rief bereits mehrfach dazu auf, Wolfssichtungen zu melden. „Wir gehen aber davon aus, dass uns nur ein Bruchteil erreicht“, sagt Stier. Gerade Jäger würden ihre Informationen eher zurückhalten.

Auch Ansgar Kurp hat bisher keinen der Vorfälle, die ihm bekannt sind, gemeldet. Ihm fehle das Vertrauen in das Wolfsmonitoring, sagt der Inhaber des Gestütes Nordvorpommern. Der Verwaltungsaufwand sei hoch, auch die Methodik zweifelt er an. „Den Wolf so lange zu schonen, bis die Entwicklung aus dem Ruder läuft“, hält Kurp für falsch. Er verlangt, „das Problem jetzt anzupacken, nicht erst wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist“. Für den studierten Forstwirt gehört der Wolf „auf die Liste des jagdbaren Wildes“. Das bedeute ja nicht, dass wild drauflos geschossen werde. „Wenn Wölfe eine ganzjährige Schonzeit behalten, bleibt es weiter eine Einzelfallentscheidung, ob geschossen werden kann“, meint Kurp, der auch Jäger ist.

Wolfsbestand kann sich alle drei bis vier Jahre verdoppeln

Unter dem jetzigen strengen Schutz vermehrt sich das Raubtier rasant. Um 25 bis 30 Prozent pro Jahr, räumte auch Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU) jüngst ein. Alle drei bis vier Jahre würde sich der Wolfsbestand damit verdoppeln. Der Landesjagdverband sieht die hohe Populationsdynamik kritisch. Verbandssprecher Ulf-Dieter Schwarz betont aber: „Niemand will den Wolf wieder ausrotten.“

Gestütschef Kurp befürchtet Probleme für seinen Betrieb. Zwar würden Einzelwölfe Pferde nicht angreifen. „Das passiert erst, wenn sie im Rudel jagen oder sehr hungrig sind“, meint der Landwirt. Es sei aber schlimm genug, die Tiere auf der Koppel zu beunruhigen. „Pferde sind Fluchttiere. Wenn sie ausbrechen, sind sie in der Nähe von Straßen oder Bahnlinien eine Gefahr.“ Der Aufwand, sie heil und gesund wieder zurückzubekommen sei das eine. „Es schadet aber immer dem Ruf des Gestüts“, weiß der Betriebsleiter. Schon jetzt würden Kunden nachfragen, ob die Region ein Wolfsproblem habe. Dabei gehe es um das versicherungstechnische Risiko, aber auch um den ideellen Wert der Tiere. Das Gestüt Nordvorpommern gilt als renommierter, international agierender Spezialbetrieb. Züchter aus ganz Deutschland, aber auch aus Österreich, der Schweiz und den Niederlanden vertrauen dem norddeutschen Gestüt Fohlen zur Aufzucht und Ausbildung an. „Wenn den Tieren was passiert, ist der gute Ruf schnell weg.“

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Elke Ehlers

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