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MV aktuell Nord Stream 2 wird wohl deutlich teurer: Was das für Gaskunden bedeutet
Nachrichten MV aktuell Nord Stream 2 wird wohl deutlich teurer: Was das für Gaskunden bedeutet
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06:00 07.10.2019
Die Erdgas-Pipeline Nord Stream 2 bleibt umstritten. Sollte Dänemark die Genehmigung zum Bau weiter hinauszögern, drohen gewaltige Mehrkosten. Quelle: Stefan Sauer/zb/dpa
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Gut 2000 von 2400 Kilometern Erdgasleitung liegen in der Ostsee, vom zum Jahresende angestrebten Abschluss ist die umstrittene Pipeline Nord Stream 2 des russischen Gas-Giganten Gazprom aber weit entfernt. Grund: Dänemark hat eine Genehmigung für die geänderte Routenführung noch immer nicht erteilt.

Nord Stream 2 hält zwar an der Fertigstellung Ende 2019 fest, Verzögerungen könnten aber hohe Mehrkosten bringen. Experten rechnen damit, dass dann auch der avisierte Gas-Preis für die Endkunden ansteigt.

Experte: Gazprom muss Mehrkosten „einpreisen“

„Mehrmonatige Verzögerungen“ könnten zu Mehrkosten von hunderten Millionen Euro führen, erklärt Jens Müller, Sprecher von Nord Stream 2. Wie sich dies auf den kalkulierten Gaspreis auswirkt, ist offen. Simon Schulte vom Energiewirtschaftlichen Institut (EWI) der Universität Köln glaubt weiterhin an einen großen Nutzen der Pipeline.

Früheren EWI-Berechnungen zufolge würde Nord Stream 2 den Gaspreis für die meisten europäischen Länder gegenüber Preisen des Flüssiggases LNG aus zum Beispiel den USA drücken. In Deutschland zwischen zehn und 15 Prozent. Mit einer Verteuerung des Gesamtprojekts allerdings würde ein Teil des Vorteils verpuffen. „Dann müsste Gazprom dies möglicherweise einpreisen“, so Schulte. Er räumt auch ein: Seit der EWI-Gaspreis-Berechnung 2017 habe sich auf dem LNG-Markt einiges getan, vor allem in den USA und Australien. Folge: LNG werde billiger. Dennoch bleibe „ein positiver Preiseffekt“ für das russische Pipeline-Gas, so Schulte.

Für Grüne ist die Pipeline ein „unnötiges Großprojekt“

Das sehen die Grünen in MV anders. „Dass das Gas von Nord Stream 2 günstiger ist, ist noch nicht belegt“, sagt Landeschefin Claudia Schulz. „Die Verzögerung und gegebenenfalls Neuplanung würde das Projekt verteuern und damit deutlich unwirtschaftlicher machen“, erklärt Niklas Nienaß, Europaabgeordneter der Grünen. Seine Partei sei weiterhin strikt gegen eine Inbetriebnahme der neuen Ostsee-Pipeline. Argumente: Der Gasbedarf Europas werde weiter sinken und sei bereits durch Nord Stream 1 und die durch die Ukraine führende Gasleitung „vollständig abgedeckt“. Zudem schwäche Nord Stream 2 die Ukraine, die womöglich keine Transitgelder mehr für russisches Gas erhält, wenn Gazprom die bestehende Leitung dichtmacht.

„Nord Stream 2 ist ein unnötiges Großprojekt“, so Nienaß. „Denn der erhöhte Gasbedarf wird immer wieder behauptet, ist aber nie schlüssig begründet worden.“ Das bekräftigt eine Studie von Wissenschaftlern im Auftrag des Bundesumweltamtes, die mehrere Szenarien vergleicht. Fazit: Angesichts ambitionierter Klimaschutzpläne werde von einem „erheblichen Rückgang der Gasverbräuche“ bis zum Jahre 2050 ausgegangen – je nach Modell um 50 bis 80 Prozent.

Nord Stream 2: Gashunger in Europa wird wachsen

Nord Stream 2 soll wie die bereits bestehende Pipeline Nord Stream 1 bis zu 55 Milliarden Kubikmeter russisches Gas pro Jahr nach Europa bringen. Die Planer beschreiben eine andere Zukunft für Erdgas. Der Bedarf an zusätzlichen Importen stehe „außer Frage“, so Sprecher Jens Müller. Denn die Eigenproduktion der EU sinke um die Hälfte, zudem werde der Kohleausstieg die Erdgas-Nachfrage ankurbeln. Bis 2023 allein in Deutschland um vier bis sieben Milliarden Euro. Wie die Stromversorgung in Deutschland aufrechterhalten werden solle, wenn Atom- und Kohleausstieg voranschreiten, während Leitungen für erneuerbare Energien fehlen, „wird kaum ein Experte überzeugend erläutern können“.

Ursprünglich sollte Nord Stream 2 rund acht Milliarden Euro kosten. Geplant war, dass ab Ende 2019 bis zu 26 Millionen Haushalte mit Erdgas versorgt werden. Neben dem russischen Staatskonzern Gazprom sind an dem Projekt die Konzerne Wintershall, Engie, OMV, Shell und Uniper beteiligt. Derzeit werde die Leitung in schwedischen Gewässern verlegt, so Müller. „Der Bau der Anlandestationen in Deutschland und Russland nähert sich der Vollendung.“

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