Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
MV aktuell Nordost-AfD wirbt um Vertrauen bei enttäuschten Konservativen
Nachrichten MV aktuell Nordost-AfD wirbt um Vertrauen bei enttäuschten Konservativen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
10:45 10.11.2019
Alexander Gauland: „Die CDU ist ein Anhängsel des linken Mainstreams geworden“ Quelle: Bernd Wüstneck
Anzeige
Waren/Müritz

Die AfD in Mecklenburg-Vorpommern will sich in den kommenden Monaten verstärkt um enttäuschte CDU-Wähler kümmern und sie zur Umorientierung bewegen. „Die CDU ist ein Anhängsel des linken Mainstreams geworden“, sagte AfD-Bundeschef Alexander Gauland am Samstag beim Landesparteitag. Sie sei eine Partei, die in Thüringen lieber einen linken Ministerpräsidenten im Amt halten möchte, als eine bürgerliche Regierung mit der AfD zu bilden. Es werde sich historisch rächen, eine Partei, die in Thüringen 25 Prozent erhalten hat, zu missachten und zu versuchen, sie ins politische Aus zu drücken, zeigte sich Gauland überzeugt. Die AfD kam bei der Landtagswahl in Thüringen auf 23,4 Prozent.

Auch Holm warb um das Vertrauen

Auch der in Waren wiedergewählte Landesvorsitzende Leif-Erik Holm warb um das Vertrauen bei den bürgerlich-konservativen Menschen im Nordosten. Viele Menschen seien der Meinung, dass die AfD-Positionen zwar richtig seien. Es werde der Partei aber nicht zugetraut, dies umzusetzen, sagte er. Das fehlende Vertrauen liege an der vielfachen Diffamierung, der seine Partei ausgesetzt sei. So werde es beispielsweise immer schwieriger, Versammlungsräume zu bekommen. Vor dem Versammlungsort fanden sich am Samstagmorgen rund 250 Demonstranten ein, um ihren Protest gegen die AfD auszudrücken.

Als Co-Landessprecher wählten die knapp 300 Parteimitglieder den 65-jährigen Schweriner Kommunalpolitiker Hagen Brauer.

Ersehnte Debatte um Dennis Augustin blieb aus

Die mit Spannung erwartete Debatte um eine mögliche Rückkehr des aus der Partei ausgeschlossenen früheren AfD-Co-Landesvorsitzenden Dennis Augustin, der in Waren anwesend war, fiel aus. Der entsprechende Antrag wurde zurückgezogen. Damit entfiel auch eine Auseinandersetzung um eine mögliche Führungsrolle eines gemäßigten beziehungsweise völkisch-nationalen Flügels in der Landespartei. Der Ausschluss war mit einer Mitgliedschaft bei der NPD-Jugendorganisation Junge Nationaldemokraten begründet worden, die er beim Eintritt in die AfD verschwiegen haben soll.

„Der national-konservative Flügel gehört natürlich zur AfD, auch in Mecklenburg-Vorpommern

Holm zeigte sich nach seiner Wahl auch angesichts der Querelen um Augustin zufrieden mit seinem Ergebnis. „Der national-konservative Flügel gehört natürlich zur AfD, auch in Mecklenburg-Vorpommern“, sagte er. Dieser sei aber nicht das Problem, dabei gehe es eher um die, die völlig abseits stehen und im Grunde mit der AfD nicht viel gemein haben.

Die AfD, die im Nordosten aktuell gut 800 Mitglieder hat, müsse den Ton besser treffen, um die konservativ-bürgerlichen Menschen zu erreichen, sagte Holm. Diese Menschen seien für die CDU verloren und suchten eine neue politische Heimat. „Diese Heimat müssen wir ihnen bieten.“ Es sei das Ziel bei der Landtagswahl im Herbst 2021, stärkste Kraft zu werden. Dann wären die anderen Parteien gezwungen, mit der AfD zu reden, sagte Holm. Langfristig werde kein Weg an der AfD vorbeiführen.

Die Grünen sind der Hauptgegner der AfD

Für den Chef der Bundespartei sind die Grünen der künftige Hauptgegner. „Gegen die Grünen müssen wir kämpfen, um dieses Vaterland zu bewahren“, erklärte Gauland. Die Grünen wollten nicht nur die Industrie zerstören, sie würden auch noch die Landwirtschaft zerstören. Gauland zeigte sich überzeugt, dass der Höhenflug der Grünen beendet werde, wenn die wirtschaftliche Lage schwieriger werden sollte. In diesem Zusammenhang bezeichnete er die AfD als „letzte Hoffnung aller vernunftorientierten Pragmatiker.“

Gauland bezeichnet den 9. November als Tag der Deutschen Einheit

Am Tag des Mauerfalls bezeichnete Gauland den 9. November als den eigentlichen Tag der Deutschen Einheit. Im Westen sei man erstaunt gewesen, dass die Menschen im Osten an die Einheit der deutschen Nation und an den souveränen deutschen Nationalstaat geglaubt hatten. „Dieser Unterschied in dem Herangehen an den 9. November 1989 erklärt viele Wahlergebnisse von heute.“ Die AfD sei die Partei, die das bürgerrechtliche Erbe des 9. November bewahre.

Weiteres zum Thema:

Holm vs. Augustin: Machtkampf bei der AfD in MV

Trotz AfD-Streit: Augustin will wieder Landessprecher werden

Binzer Hotel wegen AfD-Veranstaltung im Fokus der Kritiker

Innenminister Caffier: „Der Kampf gegen Rechts hat Priorität“

Machtkampf in der Landes-AfD: Rechter Flügel will das Ruder übernehmen

Von RND/dpa

Matthias Sievert ging es gut in der DDR – dazu steht der heutige Geschäftsführer des Piraten-Theaters in Grevesmühlen. Er war einer der Moderatoren des Fernseh-Jugendmagazins „Elf 99“. Die Mauer will er dennoch nicht zurück.

10.11.2019

In Pötenitz, an der B 105 hinter Dassow und auf der Teschower Halbinsel sind noch Überreste alter DDR-Grenzanlagen zu finden. Restauriert oder auch nur betretbar ist keiner der alten Türme.

10.11.2019

Die Demonstrationen in den Umbruchwochen des Herbstes 1989 waren landesweit von neuen Losungen geprägt. Grund: Die Machthaber in SED und Staat verweigerten im September und Oktober zumeist den Dialog mit den Bürgerrechtlern und Demonstranten.

10.11.2019