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MV aktuell Notarzt im Leonie-Prozess: „Das Mädchen war wohl schon seit Stunden tot“
Nachrichten MV aktuell Notarzt im Leonie-Prozess: „Das Mädchen war wohl schon seit Stunden tot“
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14:51 25.09.2019
Notarzt Robert Papendieck als Zeuge im Leonie-Prozess im Landgericht Neubrandenburg. Er und sein Team hatten vergeblich versucht, die Sechsjährige zu reanimieren. Quelle: Cornelia Meerkatz
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Neubrandenburg/Torgelow

Am zweiten Tag des Leonie-Prozesses sind erhebliche Zweifel daran laut geworden, dass das sechsjährige Mädchen infolge eines Treppensturzes gestorben ist. Am Mittwoch sagte vor dem Landgericht Neubrandenburg das Rettungsteam aus, das am Abend des 12. Januar 2019 um 19.28 Uhr in Leonies Wohnung in Torgelow gerufen wurde. Den Notruf hatte der Angeklagte abgesetzt, Leonies Stiefvater David H.

Notarzt Robert Papendieck (32) erklärte dem Gericht, dass Leonie bei seinem Eintreffen bereits leblos gewesen sei. Er sei vor Ort zu der Auffassung gelangt, dass die Kleine schon länger tot sein musste und nicht erst nach dem Notruf gestorben ist. Darauf hätten mehrere Hinweise an Leonies Körper hingedeutet. Das Team sei nur wenige Minuten nach dem Notruf bereits am Ort des Geschehens angekommen, da sich die Wache in der Nähe befinde.

Fotos vom Prozessauftakt:

Die Todesursache und den Tathergang der Sechsjährigen soll ab Dienstag der Prozess gegen den Stiefvater am Landgericht Neubrandenburg klären.

Richter Jochen Unterlöhner fragte noch einmal nach: „Können Sie sagen, dass das Kind schon länger tot war?“ Antwort: „Ja, das kann ich mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit. Wir reden hier nicht von Minuten, sondern von Stunden.“

David H. sagte beim Notruf: „Es wird alles gut Leonie“

Das widerspricht den Angaben des angeklagten Stiefvaters, der bislang in Vernehmungen stets angegeben hatte, dass das Kind mit einem Puppenwagen die Treppe heruntergestürzt ist und zum Zeitpunkt des Notrufes noch am Leben war. Der Notruf wurde am Mittwoch vor Gericht vorgespielt. David H. sagt in der Aufnahme auch Worte wie „Es wird alles gut, Leonie“. Im Hintergrund hört man ein Kind weinen – zu dem Zeitpunkt befanden sich neben Leonie noch zwei weitere Kinder in der Wohnung.

Notarzt Robert Papendieck betonte in seiner Aussage die vielen Ungereimtheiten, die er vor Ort vorgefunden habe. Es habe keinerlei Spuren eines Sturzes an der besagten Treppe gegeben. Im Zimmer habe es keinen Kühlakku oder nassen Lappen gegeben, wie man es nach einem Sturz erwarten würde. Der Stiefvater habe sich nach der Todesnachricht zudem wie ein schlechter Laienschauspieler verhalten, so hat es der Arzt auch in seinem Gedächtnisprotokoll notiert.

Außerdem habe er sofort die schweren Verletzungen an Leonie registriert. Ein großes Hämatom über dem gesamten rechten Auge. Schwerste Kopfverletzungen, darunter eine Schädelfraktur, wohl herbeigeführt durch stumpfe Gewalt. Einen instabilen linken Brustkorb, was auf mehrere Rippenbrüche schließen ließ. Die Haare Leonies seien nass gewesen. Der Körper habe wie gewaschen gewirkt.

Notarzt: „Wir hatten keine Chance mehr ihr zu helfen“

47 Minuten hätten er und sein Team um das Leben des Kindes gekämpft, doch Leonie habe zu keinem Zeitpunkt mehr Vitalzeichen gezeigt. „Wir hatten den Eindruck, dass wir viel zu spät gerufen wurden und wir keine Chance mehr hatten zu helfen“, sagte Papendieck aus.

Oliver E., Leonies leiblicher Vater, wurde während der Aussage zunehmend von Weinkrämpfen geschüttelt. Er musste schließlich den Saal verlassen, weil er die Schilderung der Verletzungen seiner Tochter nicht mehr ertragen konnte.

Lesen Sie hier, was am ersten Prozesstag geschah:

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Von Cornelia Meerkatz

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