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MV aktuell Schnelles Internet für Alle: Nicola Beer (FDP) bekennt sich zur Milchkanne
Nachrichten MV aktuell Schnelles Internet für Alle: Nicola Beer (FDP) bekennt sich zur Milchkanne
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15:24 17.04.2019
Politischer Salon zur Europawahl im Großen Saal des OZ-Medienhauses: Der Geschäftsführende Chefredakteur Alexander Loew spricht mit Nicola Beer (FDP). Quelle: Ove Arscholl
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Rostock

Ein klares Bekenntnis zum Milchkannen-Prinzip – das sollte doch im Agrarland MV gut ankommen: Die Spitzenkandidatin der FDP zur Europawahl, Nicola Beer, hat sich beim Politischen Salon der OZ für flächendeckendes schnelles Internet ausgesprochen. „Wer sagt, wir brauchen den 5G-Standard nicht an jeder Milchkanne, der hat nicht verstanden, was Digitalisierung bedeutet“, sagte Beer am Montagabend. Die Milchkanne als Symbol für Kleinteiligkeit baute Beer auch gleich in ihre Argumentation ein: Gerade in der Landwirtschaft brauche es heute Internet, etwa zur digitalen Analyse der Anbaubedingungen, um effizienter arbeiten zu können.

Spirale nach unten

Das Internet gehöre heute zu den wichtigsten Infrastruktur-Elementen, die darüber entscheiden, ob Menschen in einer Region leben wollen oder nicht. „Da droht eine Spirale nach unten: Wenn die Leute wegziehen, geht auch der Einzelhändler und der Arzt und die Schule macht zu.“ Jeder kleine Handwerksbetrieb brauche heute Internet. „Wenn es fehlt, bremst das Entwicklungen aus, die heute schon möglich wären. Da müssen wir dringend Tempo aufnehmen“, forderte Beer.

Auf eine Frage einer jungen Frau, wie sie zur Bewegung „Fridays for Future“ stehe, antwortete Beer, dass sie zwar das Engagement der Schüler begrüße, „aber mir erschließt sich nicht, warum das während der Schulzeit sein muss.“ Die Schüler sollten lieber im Naturwissenschaftsunterricht gut aufpassen, um später in Studium oder Beruf Lösungen für die drängenden Umweltprobleme finden zu können, etwa im Bereich E-Mobilität.

Austausch auch für Hauptschüler

Beim Thema Bildung sprach sich Beer zudem für mehr europäische Zusammenarbeit aus. So sollten alle jungen Leute von Austauschprogrammen und Bildungsfreizügigkeit profitieren können. „Bisher sind das vor allem Studenten und eine Hand voll Gymnasiasten.“ Vielmehr sollten auch Hauptschüler und Lehrlinge einmal sechs Monate im europäischen Ausland verbringen können. Eine europäische Ausbildungsagentur könnte Lehrlinge überall innerhalb der EU vermitteln. Für einkommensschwache Familien, die sich so einen Austausch bislang nicht leisten können, müsse es Unterstützung geben, regte Beer an.

Auf die Frage eines Zuhörers, was sie von einheitlichen europäischen Mindestlöhnen und Renten halte, antwortete Beer jedoch ablehnend: „Das Aushandeln der Löhne sollte den Tarifpartnern überlassen werden.“ Auch eine einheitliche Rente will die bisherige FDP-Generalsekretärin nicht. Aber es müsse sichergestellt werden, dass alle Rentenansprüche, die Beschäftigte im EU-Ausland erwerben, auch überall angerechnet werden.

Weniger EU-Kommissare

Die EU als gemeinsamen europäischen Staat weiterzuentwickeln, ginge Beer zu weit: „Ich will kein zentralistisches System, sondern eines, das die Vorteile der Vielfalt in den Regionen nutzt.“ Reformieren möchte sie jedoch die EU-Kommission: „Kein Mensch braucht 27 Kommissare.“ 18 sollten die Obergrenze sein, aber auch 15 würden Beer reichen.

Außenpolitisch müsse die EU Einigkeit demonstrieren, forderte sie: „Wir müssen mit einer Stimme sprechen, sonst wird sie nicht gehört und die anderen wissen, dass sie uns auseinanderdividieren können.“ Beer sprach sich auch für eine gemeinsame europäische Armee aus. „Wir werden sicher nicht mehr gegeneinander kämpfen, da ist es doch völlig widersinnig, 27 oder 28 verschiedene Armeen zu haben.“ Dies koste nur Geld: Die Rüstungsausgaben der EU-Staaten seien insgesamt zwar halb so hoch wie die der USA, die Kampfkraft der US-Streitkräfte sei jedoch zehn Mal so hoch wie die aller EU-Armeen zusammen.

Ostsee statt Bodensee

Zum Einstieg hatte der geschäftsführende Chefredakteur der OZ, Alex Loew, Nicola Beer noch einige persönliche Fragen gestellt. Vor die Entscheidung gestellt, ob sie die Ostsee oder den Bodensee bevorzuge, entschied sich Beer für die Ostseeküste – auch wenn sie als Kind mit ihren Eltern meist an der Nordsee Urlaub gemacht habe: „Ich mag die Weite, die Ruhe, das Meer und die steife Brise hier.“

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