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MV aktuell Fußball-Legende Carsten Jancker: „Will noch mal die Champions-League-Hymne hören“
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OZ-Podcast: Fußballer aus Grevesmühlen Carsten Jancker will wieder in die Champions League

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09:20 22.12.2020
Carsten Jancker in seinem Podcast-Studio zu „MyPodCarsten“. Moritz Naumann traf sein Idol Carsten Jancker digital via Video-Interview und nahm mit ihm eine Folge des OZ-Podcasts „Ankern mit ...“ auf. Quelle: MHsportsmarketing, Benjamin Barz
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Rostock

In Bayern nannte man ihn „Fußballgott“: Der gebürtige Mecklenburger Carsten Jancker stürmte stets mit Wucht in Richtung Tor. Markenzeichen des 1,93 Meter großen Hünen war die Glatze, die er sich mit 20 Jahren scheren ließ. In der aktuellen Ausgabe des OZ-Podcasts „Ankern mit ...“ steht der Ex-Nationalspieler überraschend offen Rede und Antwort.

Von seinem peinlichsten Moment bis zu großen Zukunftsplänen spart er kein Thema aus. OZ-Redakteur Moritz Naumann erfüllte sich damit einen Traum und sprach mit dem Idol seiner Kindheit. Für die teils sehr lustige Unterhaltung gab es beste Voraussetzungen: Beide sind heute Podcaster und trainierten einst unter dem selben Trainer in Wismar.

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Alle Folgen: „Ankern mit...“ auf Spotify

Anruf von Franz Beckenbauer: „Wer verarscht mich da?“

Jancker ist 1974 in Grevesmühlen geboren. Die Grundlagen für seine spätere Profikarriere lernte der Champions-League-Gewinner, Pokalsieger und mehrfache Deutscher Meister bei der TSG Wismar und dem FC Hansa.

An seine Ausbildung in der DDR und die frühen Jahre am Sportinternat in Rostock denkt er gern zurück. „Ich habe nur Gutes in Erinnerung.“ Auch wenn es aus heutiger Sicht mit acht Trainingseinheiten plus Spiel wohl zu viele Einheiten gewesen seien. „Es war schon stressig, aber ich wollte das“, so Jancker. Er habe sich damals privilegiert gefühlt, sagt der heute 46-Jährige. Sein Weg führte ihn mit 17 Jahren zum 1. FC Köln und weiter nach Wien.

Bildergalerie: Carsten Jancker: Stationen seiner Karriere in Bildern

Ex-Profi-Fußballer Carsten Jancker galt in den frühen 2000er-Jahren als einer der effektivsten Sturmtanks der Bundesliga. Rapid Wien, Bayern München, Udinese Calcio und der 1. FC Kaiserslautern zählten zu seinen prominentesten Stationen.

Spätestens als er nach Hause kam und Franz Beckenbauer auf dem Anrufbeantworter um Rückruf bat, nahm seine Karriere die entscheidende Wende, obwohl er zunächst dachte: „Wer verarscht mich da?“ Fortan teilte er sich mit Weltmeistern wie Oliver Kahn, Jürgen Klinsmann und Lothar Matthäus eine Kabine. Zum Glück sei Fußball aber einfach, erklärt Jancker: „Da sagst du Hallo, hast einen gewissen Respekt und dann geht es raus zum Training.“

Bitterste Niederlage? – „Das war in der U7 bei der TSG Wismar

Bei Bayern München sei alles riesengroß gewesen. „Du brauchst ein paar Fußballschuhe – hier hast du drei“, hieß es dort. Und der Druck? Jancker sagt, den habe er nicht empfunden. Er wollte nur spielen. Aber natürlich habe das Umfeld und insbesondere Manager Uli Hoeneß die Spieler darauf getrimmt, immer zu siegen.

Oft gelang das, aber einige Male auch nicht, und so ist die Frage nach seiner bittersten Niederlage eine, die der Fußballer wohl in jedem Interview beantworten muss. Darauf kann es nur eine Antwort geben: „Das war in der U7 bei der TSG Wismar“, sagt Jancker im Podcast ernst.

Das Trauma: Verspielter Sieg im Champions-League-Finale

Dann lacht er und erinnert sich an den verpassten Sieg im Champions-League-Finale 1999. Ein Trauma: Bayern führt gegen Manchester 1:0. Jancker wird eingewechselt, bekommt den Ball auf den Fuß, schießt mit einem spektakulären Fallrückzieher aufs Tor und trifft – die Latte.

Bis in die Nachspielzeit hält Bayern die Führung, sieht wie der sichere Sieger aus. Doch dann: zwei Gegentore von Manchester und Aus ist es mit dem Traum vom Sieg. „Wenn du in 90 Sekunden einen Lebenstraum verlierst, ist das natürlich sehr bitter“, sagt Jancker. Zwei Jahre später holte er sich doch noch den Sieg im wichtigsten Mannschaftswettbewerb des Vereinsfußballs.

Wie schmerzhaft aber die Niederlage Carsten Janckers in der E-Jugend war, schildert Wilfried Eschen im Podcast sehr lebendig. Eschen war damals Kinder- und Jugendtrainer in Wismar und besiegte mit seiner Mannschaft das TSG-Team mit dem kleinen Carsten im Endspiel um die Kreismeisterschaft. „Da hat er geweint“, so der Trainer. Und Jancker bestätigt: „Ich konnte schon als Kind nicht verlieren.“

Peinliche Attacke gegen Berti Vogts

Diese Eigenschaft führte später auch zu einem Vorfall, den er heute als sein peinlichstes Erlebnis bezeichnet: Seine überkochenden Emotionen gegen Berti Vogts, den er während eines Bundesliga-Spiels heftig gestikulierend anbrüllte. „Das ist nicht nur peinlich, sondern auch negativ für die Familie. So was hätte man sich sparen können.“

Ankern mit...

... ist der kostenlose Interview-Podcast der größten Tageszeitung im Nordosten. Wir ankern hier mit spannenden Menschen der Region und fragen nach ihrem Blick auf die Nachrichten und das Leben.

Die Besatzung des Audio-Kutters der OZ um Benjamin Barz, Lena-Marie Walter, Moritz Naumann und Juliane Schultz lädt im losen Wechsel alle zwei bis vier Wochen einen Gast ein und nimmt sich Zeit für seine Geschichten. Manöverkritik gibt es am Ende jeder Folge im Kollegengespräch.

Der Podcast ist auf ostsee-zeitung.de/podcasts zu hören. Außerdem steht er auf den gängigen Portalen Spotify, Google Podcasts, Deezer, Audible, Amazon Music und Apple Podcast zur Verfügung.

Inzwischen ist Jancker Trainer eines Regionalligisten in Österreich. Schritt für Schritt wolle er sich von dort an die höheren Ligen heranarbeiten. Er sagt ganz klar: „Mein Ziel ist es, in der Bundesliga zu trainieren. Und mein ganz großes Ziel wäre es, die Champions-League-Hymne noch einmal zu hören.“

Wie ihm das gelingen soll, wie er heute noch zu seiner Heimat steht, warum er selber mit „MyPodCarsten“ unter die Podcaster gegangen ist und vieles mehr verrät Jancker im OZ-Podcast „Ankern mit ...“.

Von Moritz Naumann, Juliane Schultz