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MV aktuell Rostocker Corona-Arzt im neuen OZ-Podcast: „Dachte, das Virus verschwindet schnell wieder“
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OZ-Podcast: Rostocker Corona-Arzt: "Dachte Virus verschwindet schnell"

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20:22 28.01.2021
Dr. Micha Löbermann im Aufnahme Studio der Ostsee-Zeitung.
Dr. Micha Löbermann im Aufnahme Studio der Ostsee-Zeitung. Quelle: Montage: Frank Söllner/Benjamin Barz
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Rostock

Niemals hätte sich der Rostocker Oberarzt Dr. Micha Löbermann das Jahr 2020 so vorgestellt. Dass er täglich mit etlichen infizierten Menschen in Kontakt stehen und inmitten einer Pandemie ein Team leiten würde, das bis zu 300 Corona-Tests täglich aufnimmt und auswertet.

Im neuen Podcast der OSTSEE-ZEITUNG, „Ankern mit ...“, spricht der Oberarzt der Abteilung für Infektiologie und Tropenmedizin der Universitätsmedizin Rostock über seinen Alltag und erklärt unter anderem, weshalb wir schon seit vielen Jahren mit Coronaviren leben, ohne es zu bemerken.

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Dass die Pandemie ein solches Ausmaß annehmen würde, nein, damit hat auch Micha Löbermann nicht gerechnet: „Es gab bereits vor 20 Jahren Ausbrüche durch Coronaviren“, sagt er. Zwar haben sich auch damals die Menschen untereinander infiziert, doch die Ausbrüche waren überschaubar. „Ich hatte zu Beginn dieser Pandemie angenommen, dass diese Form des Virus einen ähnlichen Verlauf nehmen wird wie die letzten Male“, so Löbermann.

Krankheit kann dramatisch verlaufen

Die Realität sieht anders aus. Die gestiegenen Corona-Zahlen spiegeln sich dem Mediziner zufolge auch in den Zimmern der Rostocker Universitätsmedizin wider: „Im Sommer waren es mal ein oder zwei Patienten, die in Behandlung waren. Jetzt ist es so, dass es immer über zehn Infizierte sind, die stationär behandelt werden müssen.“

Die Gruppe der Coronaviren ist dem Mediziner schon länger bekannt: „Es gibt eine Art dieser Viren, mit der wir schon lange zu Hause leben“, sagt er. Diese würden den Menschen höchstens einen Schnupfen bereiten. Anders als Sars-Cov-2, dessen Krankheitsverlauf bekanntlich dramatischer sein kann. „Wir sehen, dass es manchmal wirklich lange dauert, bis die Menschen wieder voll auf dem Dampfer sind. Einige gehen danach zur Reha, um wieder richtig fit zu werden“, sagt der Arzt.

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Weniger Herzinfarkte während erster Corona-Welle

Während des ersten Lockdowns bemerkte der Arzt, dass weniger Patienten mit Herzinfarkten oder Krebserkrankungen in die Notaufnahme kamen. Micha Löbermann sagt: „Es ist uns nicht ganz klar, wieso. Eigentlich werden auch in solch einer Lage genauso viele Infarkte erwartet wie sonst auch.“

„Ankern mit ...“

... ist der kostenlose Interview-Podcast der größten Tageszeitung im Nordosten. Wir treffen uns hier mit spannenden Menschen und fragen nach ihrem Blick auf die Nachrichten, die Region und das Leben: Wie gut schläft ein Politiker inmitten einer Krise? Wie geht die Familie des Arztes mit einer Pandemie um? Schämt sich ein Fußballstar für seine Tränen?

Die Besatzung des Audio-Kutters der OSTSEE-ZEITUNG um Benjamin Barz, Lena-Marie Walter, Moritz Naumann und Juliane Schultz lädt im losen Wechsel alle zwei bis vier Wochen einen Gast ein und nimmt sich Zeit für seine Geschichten. Manöverkritik gibt es übrigens auch – hinterher im Kollegengespräch. Denn egal wie hoch die Wellen schlagen: Der Kurs wird offen hinterfragt, jedenfalls in unserer Idee von Journalismus.

Der Podcast ist auf ostsee-zeitung.de zu hören. Außerdem steht er auf den gängigen Portalen Spotify, Google Podcasts, Deezer, Audible, Amazon Music und Apple Podcast zur Verfügung.

Das OZ-Podcast-Team von „Ankern mit...“ (v.l.): Juliane Schultz, Lena-Marie Walter, Benjamin Barz und Moritz Naumann. Quelle: Bildkombo Arno Zill

Regierung hat einen harten Job

Und was sagt der Arzt zu den von der Regierung getroffenen Maßnahmen? Seiner Meinung nach sind sie grundsätzlich notwendig, doch müsse die Regierung genau hinschauen, so Löbermann: „Man muss überlegen, wie groß die Risiken wirklich in den verschiedenen Bereichen sind und wo wirklich Kontakte beschränkt werden müssen“, sagt er.

Die Regierung habe mit dieser Aufgabe keinen leichten Job: „Es ist schwer, immer genau das zu treffen, was jeder gut findet. Ich möchte das nicht entscheiden müssen.“

Schnelltests sind weniger sicher

Micha Löbermanns Alltag wird derzeit durch die Testungen bestimmt: Beim PCR-Test, welcher im Labor der Unimedizin durchgeführt wird, weist man das sogenannte Genom des Virus nach, erklärt er. Mit einem Tupfer wird der Abstrich genommen, dieser kommt zusammengemischt mit einer Lösung in ein Gerät. Die Genome der Viren werden dadurch vermehrt, so dass sich auch sehr geringe Mengen von dem Virus nachweisen lassen. Vier Stunden später steht das Ergebnis fest.

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Anders ist das Verfahren bei dem immer häufiger vorkommenden Schnelltest. Dieser ist als sogenannter Farbumschlagtest konzipiert. Der Unterschied: Nicht das Genom wird vermehrt und untersucht, sondern Eiweißstoffe aus dem Virus werden in eine Lösung gegeben.

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„Läuft die Lösung wie ein Schwangerschaftstest über und es ergibt sich an der Stelle ein Farbumschlag, bedeutet es, dass Eiweiß von dem Virus nachgewiesen wurde“, erklärt Löbermann. Nachteil bei dieser Variante ist: Der Schnelltest benötigt viel mehr Erreger, um das Virus nachzuweisen – er ist weniger sensitiv. Dadurch kann nur bei 60 bis 70 Prozent der Erkrankten tatsächlich das Virus nachgewiesen werden.

Von Lena-Marie Walter