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MV aktuell Havariekommando erprobt den Ernstfall vor Heiligendamm
Nachrichten MV aktuell Havariekommando erprobt den Ernstfall vor Heiligendamm
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20:33 15.08.2019
Die "Haithabu" hat ihren "Sweeping-Arm" ausgefahren um das Öl (oder Popcorn) seitlich des Rumpfes aufzufangen. Quelle: Moritz Naumann
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Rostock

Regen und Wind beherrschen am Donnerstag die Bedingungen auf der Ostsee zwischen Warnemünde und Heiligendamm. Dann passiert es: Zwei Schiffe kollidieren, eines verliert 50 Kubikmeter Schweröl. Das Havariekommando rückt aus. Das Ölüberwachungsflugzeug Do228 kann aufgrund der tiefen Wolken nicht starten. Stattdessen kommt erstmals eine Drohne zum Einsatz. „Das ist die Zukunft“, sagt der Fachbereichsleiter Schadstoffunfallbekämpfung, Jens Rauterberg. Schließlich sind sie günstig und schnell im Einsatz.

Was im ersten Moment wie ein Horrorszenario für einen der wichtigsten Tourismusstandorte von Mecklenburg-Vorpommern klingt, ist zum Glück nur eine Übungssituation. Das deutsche Havariekommando erprobt den Ernstfall. Mit dabei sind sechs Schiffe – die „Arkona“, die „Kiel“, die „Ranzow“, die „Bottsand“, die „Vilm“ und die „Haithabu“ – allesamt Schiffe aus Kiel, Rostock und Stralsund.

„Das Zusammenspiel der verschiedenen Einheiten ist entscheidend für das Ergebnis der Ölbekämpfung, deshalb sind regelmäßige Übungen auch so wichtig“, betont Jens Rauterberg. Das Havariekommando ist eine gemeinsame Einrichtung des Bundes und der Küstenländer. Es organisiert die Hilfs- und Rettungsmaßnahmen bei Schiffsunfällen auf Ost- und Nordsee. Etwa 160 Übungen führe das Havariekommando im Jahr durch.

Ungesüßt und ungesalzen

Diese Übung beginnt drei Seemeilen vor Nienhagen. Die Arkona lässt über ihre hintere Laderampe Popcorn in das Wasser. „Gepoppt, ungesüßt, ungesalzen und naturverträglich“, versichert der Pressesprecher des Havariekommandos, Michael Friedrich. Warum Popcorn? „Weil es sich auf der Oberfläche fast genauso verhält wie das Öl.“ 20 Kubikmeter landen schließlich in der Ostsee.

Die Arkona zieht eine immer wieder unterbrochene gelbe Spur hinter sich her. Die sechs im Einsatz befindlichen Schiffe werden von Wolfgang Knopf koordiniert. Er dirigiert die Schiffe, die sich zeitweise wie im Tanz umkreisen, von der Arkona aus. Die Drohne spürt das Popcorn auf, überträgt zuverlässig die Daten an die Arkona, so dass Knopf die entsprechenden Anweisungen geben kann.

Groß angelegte Ölbekämpfungsübung auf der Ostsee vor Heiligendamm: Ölaustritt nach Schiffskollision wird geübt - 20 Kubikmeter Popcorn dienen als Ölteppich.

Mit der Ölsperre in die Enge

Erste Amtshandlung: Die Kiel lässt eine 200-Meter-Ölsperre aus. Diese besteht aus mehreren mit Luft gefüllten Schlengeln, die aneinandergereiht in die Ostsee gelassen werden. Hinter der „Kiel“ bringt sich die „Ranzow“ in Stellung, die die Ölsperre aufnehmen soll. Währenddessen macht sich auch die „Bottsand“, ein Einsatzschiff der Bundeswehr, bereit. Sie klappt einmal in der Mitte wie eine Schere auseinander. Damit kann sie das Öl – in diesem Fall das Popcorn – über ein Bürstensystem in ihre Tanks pumpen. Die Bürsten funktionieren ähnlich wie bei einer Straßenkehrmaschine, sagte Rauterberg. Das Öl bleibe an den Borsten haften, das Wasser nicht.

Die „Vilm“ und die „Haithabu“ hingegen lassen seitlich neben dem Rumpf sogenannte Sweeping-Arme zu Wasser. Diese können ebenso das Öl aufsaugen und in die Tanks pumpen. Nachdem die „Ranzow“ das Ende der Ölsperre aufgenommen hat, bilden beide Schiffe eine U-Form, um damit den großen Popcorn-Teppich zusammenzutreiben und aufzufangen. Die „Vilm“, „Haithabu“ und die „Bottsand“ kümmern sich unterdessen um versprengte Teppiche, die nicht mit der Ölsperre erreicht werden können.

Popcorn für die Möwen

Am Ende dauert das gesamte Manöver etwa drei Stunden. 45 Kräfte waren dafür im Einsatz. „Die Kommunikation der Einheiten untereinander und die gesamte Ölbekämpfung liefen gut“, fasst Wolfgang Knopf das Ergebnis der Übung zusammen. Zwar habe man nicht das gesamte Popcorn wieder aufgesammelt, aber das würde die Natur natürlich zersetzen. Außerdem würden dies auch Möwen erledigen – manchmal sogar bevor eine Übung zu Ende gebracht werden konnte, bestätigt Friedrich.

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