Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
MV aktuell Opfer schweigen aus Schamgefühl: Viele Straftaten in MV werden nicht angezeigt
Nachrichten MV aktuell Opfer schweigen aus Schamgefühl: Viele Straftaten in MV werden nicht angezeigt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
Jetzt kostenlos Testen Zur Anmeldung
10:50 02.11.2019
Diebstähle stellen in MV, auch wenn die aktuelle offizielle Statistik einen Rückgang ausweist, einen Schwerpunkt der Straftaten dar. Quelle: Polizeiliche Kriminalprävention
Anzeige
Schwerin/Güstrow

Die offizielle Zahl der Straftaten im Nordosten sinkt. 2018 wurden fast 1700 Fälle weniger registriert als 2017. Den im Vorjahr insgesamt erfassten 108 665 Straftaten steht aber eine Vielzahl nicht gemeldeter Delikte gegenüber. Dies belegt die zweite sogenannte Dunkelfeldstudie in MV, die im Frühjahr veröffentlicht wurde. Derartige Analysen untersuchen die tatsächliche Zahl der Straftaten.

Rechte der Kriminalitätsopfer im Blickpunkt

Der Schutz der Bürger ist ein sensibles Thema. Die OZ wird sich deshalb in den kommenden 14 Tagen dieser Problematik in ihrer Serie „Mit Sicherheit“ besonders intensiv widmen. Dabei geht es zum Beispiel um die Rechte der Kriminalitätsopfer, den Schutz vor den Tricks der Betrüger, die Sicherheit in Krankenhäusern und um den Kampf gegen die Internetkriminalität.

30 Opferschutz-Beauftragte in Präventionsteams

Ein praktisches Ergebnis der zweiten Dunkelfeldbefragung in MV: Um die Hilfe für Betroffene zu verstärken, wurden 30 Opferschutz-Beauftragte in den Präventionsteams der Polizeidienststellen des Landes benannt. Sie sollen den mitunter verunsicherten und kraftlosen Bürgern beratend zur Seite stehen. Sie zeigen ihnen unter anderem den Weg zu den Opferberatungsstellen auf. Zudem können Betroffene beispielsweise eine psychosoziale Prozessbegleitung erhalten.

10 424 Frauen und Männer angeschrieben

„Das subjektive Sicherheitsempfinden im Land hat sich im Vergleich zur Dunkelfeldstudie 2014 verbessert“, verdeutlicht die Kriminologin Prof. Dr. Rita Bley. Der Dozentin an der Güstrower Fachhochschule für öffentliche Verwaltung, Polizei und Rechtspflege oblag die wissenschaftliche Leitung der Dunkelfeldbefragungen. Gut 10 000 Bürger wurden angeschrieben, 4189 antworteten. Ergebnis: Die Angst, Opfer von Internetbetrug, Sachbeschädigung oder Diebstahl zu werden, ist besonders ausgeprägt. Ein Drittel der im Schnitt 52,4 Jahre alten Studienteilnehmer hält dies für möglich.

Alles zum Thema „Sicherheit“

Im Herbst und Winter gibt es besondere Dinge zu beachten. Ist Ihr Haus einbruchssicher? Ist Ihr Auto fit für den Winter? In unserem Sicherheitsspezial informieren wir über diese wie über zeitlose Themen – und erklären zum Beispiel, wie Sie Ihre finanzielle Vorsorge jetzt optimieren können, welche Apps Sie lieber nicht auf Ihrem Smartphone lassen sollten und welche Kindersitze wirklich halten, was sie versprechen.

Sexualstraftaten kaum angezeigt

„Die Aufklärungsquote der offiziell erfassten Straftaten im vergangenen Jahr betrug 62,2 Prozent“, verdeutlicht Innenminister Lorenz Caffier (CDU). Damit liege MV seit Jahren über dem Bundesdurchschnitt, so der Politiker. So wurden 2018 deutschlandweit nur 57,7 Prozent aller Straftaten aufgeklärt.

Lesen Sie auch den Kommentar zum Thema

Die Dunkelfeldanalyse zeigt aber, dass nur insgesamt 28 Prozent der Straftaten angezeigt werden. „Während bei Diebstahl 48,1 Prozent der Delikte bekannt wurden, waren es beispielsweise bei häuslicher Gewalt nur drei Prozent. Noch viel geringer fiel der Wert bei Sexualstraftaten aus“, verdeutlicht Expertin Bley.

Scham und Sorge vor Stigmatisierung dominieren

OZ-Sicherheitsserie

Das Wippen-Gespräch zum Thema „Klima nur ein Hype?“ findet am 6. November um 20 Uhr statt. Der Eintritt im Konrad-Zuse-Haus (Albert-Einstein-Str. 22, Rostock) ist frei.

Am 12. November geht es um 18 Uhr bei einer Podiumsdiskussion im Rostocker Medienhaus in der R.-Wagner-Str. 1a mit dem Internet-Kriminologen Thomas Gabriel-Rüdiger um Straftaten im Netz.

Am 13. November folgt um 18 Uhr ebenfalls im Rostocker Medienhaus, R.-Wagner-Str.1a, ein Webinar mit Gesa Stückmann zum Thema Cybermobbing. Auch diese Veranstaltungen sind kostenfrei.

Am 8. und 13. November beantworten Experten Leserfragen bei OZ-Telefonforen zu den Themen Erben & Schenken sowie Pflege.

„Scham, peinliche Berührtheit, Sorge vor Stigmatisierung, aber auch vor dem Verlauf eines Ermittlungsverfahrens lassen die Opferzeugen schweigen“, sagt Dr. Evelin Werner. Sie gehört im Nordosten zu einer Handvoll von Psychologen, die auf dem Gebiet des Strafrechts mit der Fachausrichtung Aussagepsychologie tätig sind. Auffällig: Bei Delikten mit Körperverletzung nutzten zahlreiche Betroffene die Chance der anonymen, gerichtsfesten Feststellung von Verletzungen in den Opferambulanzen der Rechtsmedizin. „Opfer von Sexualstraftaten tun dies kaum“, so Dr. Werner. Die Folgen sind fatal. Denn Schleimhautverletzungen verheilten recht schnell. Damit sei ein wichtiger Teil der Beweissicherung vertan, kritisiert die Psychologin.

Senioren sehr oft Opfer von Trickbetrügern

Vor einem weiteren aktuellen Phänomen nicht nur im Nordosten warnt Matthias Rascher, Pressesprecher des Landeskriminalamt MV. Demnach wurden im ersten Halbjahr 2019 bereits 830 Fälle von Trickstraftaten zum Nachteil älterer Menschen bei der Polizei zur Anzeige gebracht. „Dies sind 118 Fälle mehr als im Vorjahreszeitraum“, so Rascher.Mehr zum Thema:

Studie: Sicherheitsgefühl im Wohnumfeld nimmt mit dem Alter ab

Mehr Polizei in Badeorten an der Ostsee – Urlauber sollen sich sicher fühlen
Antisemitische Straftaten in MV nehmen dramatisch zu

Von Volker Penne

Ältere Bürger fühlen sich zunehmend unsicher in ihrem Wohnumfeld: Das belegt die Dunkelfeldbefragung in MV. Opfer sexueller Gewalt erstatten kaum Anzeigen. Rechtsmedizin sichert Beweise auch anonym.

02.11.2019

Sogenannte Dunkelfeldstudien untersuchen die tatsächliche Zahl der Straftaten. In MV werden viele Delikte gar nicht erst angezeigt. Die Opfer müssen stärker über ihre Rechte aufgeklärt werden, meint OZ-Redakteur Volker Penne.

02.11.2019
MV aktuell Einfallsreich dank Niedrigzinsen - Stiftungen in MV profitieren von Spenden

Die Niedrigzinsen machen den Stiftungen in Mecklenburg-Vorpommern das Leben schwer. Doch sie wissen sich offenbar zu helfen.

02.11.2019