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MV aktuell Palastabend und Maler-Lesung in der Rostocker Kunsthalle
Nachrichten MV aktuell Palastabend und Maler-Lesung in der Rostocker Kunsthalle
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13:42 30.09.2019
Der Fotograf Andreas Mühe (l.) und der Maler Norbert Bisky im Talk in der Kunsthalle Rostock. Quelle: Michael Meyer
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Rostock

„Für mich ist der Palast eine Marmorfläche zum Skaten.“

„Die Wende war ein großartiger Moment, weil von einem Tag auf den anderen alles zusammenbrach.“

„Ja, ich kann nicht nur Strand. Ich kann auch Bockwürste.“

Drei energetische Sätze, wie sie in ihrer stilistischen Ästhetik nicht unterschiedlicher sein können. Drei Sätze aus drei Generationen. Und drei Sätze, die sich mit Vor- und Nachwendezeiten auseinandersetzen. Die Skatererinnerung stammt von dem Berliner Fotografen Andreas Mühe (40). Für den Leipziger Maler Norbert Bisky (48), der in Berlin lebt, war der Mauerfall der geniale Moment des großen Zusammenbruchs. Und der Usedomer Maler und Schriftsteller Matthias Wegehaupt (81) sorgte in den 80er Jahren für einen Skandal bei der Bezirksausstellung in der Rostocker Kunsthalle, weil er ein Bild mit einem Wasserfall aus Bockwürsten ausstellte. Der Vorsitzende des Verbandes Bildender Künstler der DDR, Willi Sitte (1921-2013), sei unglaublich echauffiert gewesen, erinnert sich Moderator Ulrich Ptak. „Alle haben den Klassenkampf gemalt und er gibt Bockwürste ab. Herrlich!“ Das sei Pop-Art gewesen. „Tja, nur dass ich noch gar nicht wusste, was Pop-Art ist“, lacht Wegehaupt.

Die Rostocker Kunsthalle widmete sich an zwei Tagen dem Wendethema. Einmal etwas popart-laut-grell-bunt und einmal im eher gediegenen Atem der klassischen Moderne. Einmal mit Partygedudel und „Grüner Wiese“-Reminiszenz-Ambiente plus Sehen-und-Gesehen-werden-Anspruch und einmal kontemplativ als Lesung zum Nachdenken und Schmunzeln

Rund 300 Gäste kamen am Freitag zum vierten Palastabend der Rostocker Kunsthalle im Rahmen der Ausstellung zum Palast der Republik. Rund 50 Besucher kamen zur Lesung des Usedomer Malers und Schriftsteller Matthias Wegehaupt, der seinen dritten Roman vorstellte.

Kehliger Mix aus Ton, Steine, Scherben und Irish Folk

Die Berliner Künstler Andreas Mühe und Norbert Bisky, die der Kunsthalle schon länger verbunden sind und ihre Werke in Ausstellungen gezeigt haben, lockten Freitagabend 300 Gäste an. Es gab zum Warm-up etwas anstrengende Musik des Projekts „Meuterland“ von Robert Beckmann (Gitarre) und Gunnar Lahrs (Violine, Gesang). Ein kehliger Mix aus Ton, Steine, Scherben und Irish Folk. Dann durfte man sich an diesem vierten Palastabend zur Ausstellung den launigen Erinnerungen von Mühe und Bisky an den Palast der Republik hingeben, der 1976 in Berlin eröffnet und 2006 abgerissen wurde.

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„Dieser Riss in der Matrix hätte der Innenstadt gut getan.“

Für Mühe, der zur Wende zehn gewesen ist, war das ein Ort zum Skaten. Die Entscheidung, ihn abzureißen und durch das Schloss zu ersetzen, sei die blödsinnigste der Stadt Berlin. „Dieser Riss in der Matrix hätte der Innenstadt gut getan“, sagte Mühe, der die Nachwendezeit als angenehm in Erinnerung hat, „da die Alten damit beschäftigt gewesen sind, den Arsch an die Wand zu kriegen im neuen Westen und wir Kinder unendliche Freiheiten hatten“. Bisky erinnert sich an den Palast „als ersten Ort, wo ich Malerei erleben konnte.“

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„Bilder sind die Fassung suchenden Antworten dieser Welt.“

Gestern dann lud Wegehaupt zur Matinee. Der Maler und Schriftsteller stellte nach „Die Insel“ und „Schwarzes Schilf“ seinen dritten noch unveröffentlichten Roman „Die Uferlinie oder die Insel II“ einer kleinen Öffentlichkeit von 50 Besuchern vor – darunter Ex-Umweltminister Wolfgang Methling und der Fotograf Hans Pölkow. Vor einem seiner eigenen Bilder („Sommer 1989“) und Werken von Günther Uecker, Jürgen Weber oder Oskar Manigk ließ Wegehaupt seine Romanfigur aus „Die Insel“, den autobiographisch gezeichneten Maler Unsmoler, die Insel verlassen.

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Unsmoler geht über Griechenland nach New York, wo er Zeuge von 9/11 wird. Wegehaupt zeichnet hier am Schicksal eines Künstlers die Nachwendezeit. Als alles plötzlich möglich schien und von einem Tag auf den anderen jegliche Struktur zerbröselte, konnte auch alles geschehen: Bleiben oder gehen, Heimat als Schutzraum oder Aufbruch zu neuen Wegen mit Chance und Scheitern.

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Wegehaupt sagt zum Verhältnis des kreativ Schaffenden im Spannungsprozess von Malen und Schreiben, dass ein jedes seine Grenzen und Möglichkeiten habe: „Bilder sind die Fassung suchenden Antworten dieser Welt. Wo ist der Raum für das neue Bild, das immer wieder existenzielle Bild, das immer wieder existenziell notwendige Bild, für das wir Maler leben.“

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Von Michael Meyer

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