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MV aktuell Patienten-Mangel: Prestigeprojekt der Uni-Medizin Rostock auf dem Prüfstand
Nachrichten MV aktuell Patienten-Mangel: Prestigeprojekt der Uni-Medizin Rostock auf dem Prüfstand
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19:30 23.04.2019
Herzeffekt MV: Per Tablet sollen Daten von Herzpatienten an die Unimedizin Rostock übertragen werden. Studienleiter Prof. Christian Schmidt (r.) verfügt aber über deutlich zu wenig Probanden. Quelle: Unimedizin Rostock
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Rostock

Einem Vorzeige-Projekt der Universitätsmedizin Rostock droht womöglich das Aus. „Herzeffekt MV“, ein mit 14 Millionen Euro aus dem Innovationsfonds des Bundes gefördertes Vorhaben zur Behandlung von Herzerkrankungen per Telemedizin, hält nicht, was sein Initiator Prof. Christian Schmidt, Ärztlicher Vorstand, vollmundig angekündigt hatte. Auch nach zwei Jahren mangelt es an Patienten. Gerade mal 545 von erwarteten 3000 Studienteilnehmern sind gewonnen (Stand 8. April). Dies geht aus einer Antwort des Bildungsministeriums auf eine Anfrage der Linken im Landtag hervor. Die Unimedizin selbst bestätigt: Die Fördermittelgeber führen derzeit „eine erweiterte Überprüfung“ durch, da Herzeffekt nicht im Plan liege. Mehr Auskunft gebe es derzeit nicht.

Anfang 2017 war Herzeffekt MV gestartet. Die Projekt-Idee: Im dünn besiedelten Nordosten sollen Patienten mit Herzerkrankungen per Telemedizin betreut werden. Mit Hilfe von Blutdruckmessgeräten, Waagen und Fitness-Armbanduhren erheben die Patienten regelmäßig Daten, die über eine App ins Versorgungszentrum nach Rostock und an die beteiligten Ärzte übertragen werden. Geht es Patienten schlechter, sehen das Ärzte sofort. Nicht immer aber müssen Betroffene ins Krankenhaus. In der Medizin-Branche MV herrscht jedoch seit langem Unzufriedenheit, Vertreter der Branche sprechen von „einem Rohrkrepierer“. Viele Mediziner lehnten Herzeffekt ab, ist zu hören - was sich in mangelnder Kooperationsbereitschaft niedergelassener Ärzte niederschlage.

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Vor sechs Monaten schraubte Projektleiter Schmidt, 2017 „Deutschlands Klinik-Manager des Jahres“, die Erwartungen zurück: Bis Mitte 2019 sollten „mindestens 1086“ Patienten her. Doch auch davon ist derzeit nur die Hälfte erreicht. Als mögliche Gründe habe Schmidt den niedrigen Digitalisierungsgrad in Arztpraxen des Landes, das Alter der Patienten und die großen Entfernungen in MV angeführt, teilt das Bildungsministerium mit. Die Akzeptanz sei aber „mittlerweile größer“. Das Gros der Patienten befinde sich in und um Rostock. In Vorpommern-Greifswald gebe es keinen.

Von der Unimedizin gibt es wegen der laufenden Untersuchung derzeit keine weitere Auskunft. Die Prüfung des Projektes werde etwa zehn Wochen dauern, so Projektmanagerin Sissy Hintz. Herzeffekt MV erhält über vier Jahre 14 Millionen Euro Förderung. Laut Schmidt waren Ende 2018 knapp 4,5 Millionen Euro davon bereits ausgegeben worden. Davon gut drei Millionen für die Partner Philips, die Krankenkassen AOK und TK. Laut Schmidt für Personalmittel, die Errichtung eines Care-Centers, eine technische Plattform zur Betreuung von Patienten und Geräte (Tablets), die Patienten erhalten.

Kritiker hatten das Projekt von Beginn an als Traumschloss („Opium fürs Volk“) bezeichnet. Das Bildungsministerium hält ein Aus des Projekts, das Vorbild für ganz Deutschland werden wollte, offenbar für möglich. Sollte „vorzeitig abgebrochen werden“ - so heißt es auf die Anfrage der Linken -, werden „die möglichen Teilabschlüsse … zu betrachten sein“.

Frank Pubantz