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MV aktuell Pegel will Karniner Brücke auf Usedom wieder aufbauen
Nachrichten MV aktuell Pegel will Karniner Brücke auf Usedom wieder aufbauen
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20:34 20.03.2019
Jedes Jahr findet ein Fest an den Resten der Karniner Hubbrücke statt. Bis 1945 fuhren hier Züge, dann sprengte die Wehrmacht das Bauwerk. Usedomer hoffen heute auf den Wiederaufbau. Quelle: Tilo Wallrodt
Schwerin/Usedom

Eines der kniffligsten Verkehrsprobleme des Landes ist womöglich auf dem Weg zu einer Lösung. Verkehrsminister Christian Pegel (SPD) plant nach OZ-Informationen eine Komplettplanung für die Wiedererrichtung der 1945 zerstörten Karniner Brücke, die die Insel Usedom per Bahn mit dem Festland verbinden könnte. Dafür soll Pegel acht Millionen Euro aus dem kommenden Landeshaushalt beantragt haben. Auf Usedom sorgt dies für Freude, könnte die Wiedereinrichtung der Bahnverbindung doch mit den Verkehrskollaps verhindern.

„Das Land hält die zweite Bahnverbindung auf die Insel Usedom für ein wesentliches Verkehrsprojekt“, erklärt Renate Gundlach, Pegels Sprecherin, auf OZ-Anfrage. Sie bestätigt aktuelle Haushaltsgespräche. Derzeit verhandeln Fachminister um viele Millionen mit Finanzminister Mathias Brodkorb (SPD) für den Doppelhaushalt 2020/21.

Kosten: bis zu 150 Millionen Euro

Acht Millionen hat Pegel laut internen Quellen für die Karniner Brücke im Visier. Damit ist die Klein-Variante einer Vorentwurfsplanung (Kosten: rund 400 000 Euro) offenbar vom Tisch. Pegel wolle die komplette Bauplanung selbst in die Hand nehmen, ist zu hören. Denn letztlich müsse der Bund Brücke und Bahnverbindung – Kosten: bis 150 Millionen Euro – bauen.

Die Ministeriumssprecherin hält sich zu Details und Zahlen bedeckt, bestätigt aber „Prüfungen, ob und gegebenenfalls wie eine Aufnahme in den nächsten Doppelhaushalt in Betracht kommt“. Der Bund hatte den Bau der Karniner Brücke 2015 nicht in den Bundesverkehrswegeplan bis 2030 aufgenommen. Läge aber eine Planung im Land bereits vor, wäre die Chance für die Aufnahme größer, so Gundlach.

Verkehrsprojekte des Bundes in MV

Die Bundesregierung will bis 2030 mehr als 700 Millionen Euro in neue Straßen, Schienen und bessere Schifffahrtswege in MV investieren, fixiert im Bundesverkehrswegeplan von 2015.

In Rostock soll die Zufahrt zum Seehafen von 14,5 auf 16,5 Meter Tiefe ausbaggert werden. In Wismar ist gleiches geplant – auf 11,5 Meter Tiefe. Rund 500 Millionen Euro will der Bund in neue Straßen in MV investieren. Wichtigste Projekte: Weiterbau der Autobahn 14 bei Ludwigslust und der zweite Abschnitt der B96 zwischen Samtens und Bergen auf Rügen. Bergen soll zudem eine Ortsumgehung bekommen. Gleiches gilt für die Stadt Wolgast sowie eine Umgehung der B105 für Mönchhagen und Rövershagen.

Vorpommern-Staatssekretär Patrick Dahlemann (SPD) hofft auf Bewegung zur Karniner Brücke. „Acht Millionen sind viel Geld, aber es ist auch ein wichtiges Projekt“, sagt er. „Wir müssen als Land unsere Hausaufgaben machen, um dann gute Argumente gegenüber dem Bund zu haben.“ Er hoffe sogar, dass es auf dieses Weise gelingt, den Bund noch vor 2030 zum Bau der Bahnstrecke zu überzeugen, so Dahlemann. Das Beispiel der Ortsumgehung Zirchow auf Usedom habe gezeigt: Es ist auch möglich, nachträglich Projekte durchzusetzen.

Auf Usedom sorgen die neuen Nachrichten für Verzücken. „Ich bin freudig überrascht“, erklärt Günther Jikeli, Vereinschef der Usedomer Eisenbahnfreunde, die seit Jahren für einen Wiederaufbau der Karniner Brücke kämpfen. Die Insel brauche die Bahn, „damit Vorpommern nicht abgehängt wird“. Zum einen wäre dies ein Weg gegen den drohenden Verkehrskollaps. Denn 2022 will Polen den Swinetunnel öffnen, es wird auch auf der deutschen Seite der Insel mit deutlich mehr Verkehr gerechnet. Die Bahnanbindung könnte dies eindämmen. Weiteres Argument: Die Insel brauche Beschäftigte für die Tourismussaison, derzeit seien aber die südlichen Regionen um Ueckermünde und Pasewalk „abgeschnitten“.

Amthor: Projekt ist nicht realisierbar

„Eine Bahnverbindung hilft allen“, sagt auch Lars Petersen (CDU), Bürgermeister von Heringsdorf. Eine Direktverbindung würde die Insel aufwerten, so Petersen. Zudem sei angesichts der aktuellen Klimaschutz-Diskussion Bahn sowieso die bessere Wahl.

Kritisch hatten CDU-Bundestagsabgeordnete das Thema Karniner Brücke in der Vergangenheit betrachtet und die Wirtschaftlichkeit angezweifelt. Philipp Amthor sprach von einem „nicht realisierbaren Projekt“ - und zog den Zorn vor allem von SPD-Leuten auf sich. Die Brücke sei „ein Schlüsselprojekt des Inselsüdens“, konterten diese. Die Linken hatten sich im Bundestag pro Brückenbau ausgesprochen.

Rehberg begrüßt Vorstoß

Eckhardt Rehberg, CDU-Haushaltsexperte im Bundestag, erklärt jetzt, er begrüße den aktuellen Vorstoß des Landes. „Auf dieser Basis und entsprechend der gesetzlichen Regelungen kann der Nutzen-Kosten-Faktor für das Vorhaben ermittelt werden, auf dessen Grundlage dann über eine künftige Aufnahme in den Bundesverkehrswegeplan entschieden werden kann. "

Dass sich auch im wichtigen Verkehrswegeplan noch etwas bewegen lässt, zeigen zwei andere Beispiele in MV: Im vergangenen Herbst stufte Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) den Ausbau der Bahn-Strecken Stralsund-Greifswald-Berlin und Schwerin-Grevesmühlen-Lübeck in die Top-Kategorie mit gesicherter Finanzierung hoch.

Die Brücke bei Karnin wurde 1876 errichtet und war zunächst eine Dreh-, später eine Hubbrücke. Am Ende des Zweiten Weltkrieges wurde sie von der Wehrmacht gesprengt. Das verbliebene Teilstück ist heute ein Denkmal.

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