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MV aktuell Pflegende Angehörige in MV leiden unter Dauerstress
Nachrichten MV aktuell Pflegende Angehörige in MV leiden unter Dauerstress
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12:04 29.03.2019
Die Rostocker Pflegeberaterin Astrid Klinzing berät einen 89-jährigen Rostocker unter anderem zum Umbau der Dusche und Beantragung einer Haushaltshilfe Quelle: Volker Penne
Rostock/Schwerin

Ausgebrannt, schmerzgeplagt, depressiv: Der größte Pflegedienst in Deutschland – die pflegenden Angehörigen – leidet zunehmend unter Erschöpfung. Rund 7,5 Prozent dieser Frauen und Männer stehen kurz davor, das Handtuch zu werfen. Allein in MV sind es 4350 Angehörige, die die Grenze der Belastbarkeit erreicht haben. Das belegt der Barmer-Pflegereport 2018.

Die Nöte der pflegenden Angehörigen, Möglichkeiten der Unterstützung für die Helfer, Angebote der Pflegeversicherung sowie Fragen rund ums Erbrecht sind Schwerpunkte der heute beginnenden dreiwöchigen OZ-Serie „Achtung, vorsorgen!“

Lesen Sie hier: OZ-Kommentar: Mehr Hilfe für die Helfer ist nötig

Drei Viertel der gut 91 000 Pflegebedürftigen hierzulande werden daheim betreut. Und die Zahl der Pflegefälle wächst. Allein bei der AOK Nordost in MV stieg sie von 48 600 im Jahre 2014 auf aktuell mehr als 53 000. „Gleichzeitig kämpfen die Betreuer daheim immer stärker mit der Doppelbelastung von Beruf und Pflege, dem Verantwortungsdruck, Informationsdefiziten und sozialer Isolation“, betont AOK-Pressesprecher Markus Juhls. Dies trage dazu bei, dass Erkrankungen des Skeletts sowie muskuläre und psychische Probleme zu den häufigsten Ursachen für Krankschreibungen zählen.

Laut Barmer Ersatzkasse leiden in MV 59 Prozent der pflegenden Angehörigen unter Rückenschmerzen. Nur in Brandenburg und Thüringen sind es mit 60 Prozent noch etwas mehr. Alarmierend: Bereits 22 Prozent der Helfer im Nordosten klagen über Depressionen. Diese Einschätzung untermauert auch Angelika Stahl von der IKK Nord. „Neben Rückenproblemen wächst der enorme psychische Druck bei den Betreffenden“, erklärt die Pressesprecherin. Seitens der IKK Nord-Pflegekasse unterstütze man die Versicherten mit einer fundierten Pflegeberatung, aber auch mit der finanziellen Beteiligung an den aktuell 18 Pflegestützpunkten im Land.

Gutachter empfahlen oft Pflegestufe 2

Die Rolle der unabhängig und kostenlos beratenden Stützpunkte betont Sozialministerin Stefanie Drese (SPD). Zudem sei neben einem Rechtsanspruch auf eine Auszeit mit Reha-Leistungen die Entbürokratisierung der ambulanten Pflege wichtig. So geht es zum Beispiel darum, dass Pflegebedürftige für Taxifahrten zum Arzt künftig keine Genehmigung der Krankenkasse mehr einholen müssen. Die Politikerin beklagt Informationsdefizite. So wüssten viele zu Hause betreute Pflegebedürftige nicht, dass sie Anspruch auf einen Entlastungsbeitrag in Höhe von monatlich 125 Euro haben.

„Der Bedarf an Unterstützung ist groß“, bestätigt Diane Hollenbach, Leiterin des Geschäftsbereichs Pflegeversicherung beim Medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK) MV. Allein 2018 wurden durch den MDK 50 627 Gutachten erstellt. Am häufigsten – in 29,8 Prozent der Fälle – empfahlen die Gutachter Pflegegrad 2.

Neben der Verbesserung der Rahmenbedingungen in der Kurzzeit- und Verhinderungspflege will Sozialministerin Drese die ehrenamtliche Nachbarschaftshilfe im Land installieren. Nachbarschaftshelfer könnten die Erkrankten beispielsweise im Haushalt und beim Einkaufen unterstützen. Dazu ist aber eine Änderung der entsprechenden Landesverordnung nötig.

Volker Penne