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MV aktuell Pilz-Experten warnen vor Leichtsinn: Ein falsches Exemplar kann tödlich sein
Nachrichten MV aktuell Pilz-Experten warnen vor Leichtsinn: Ein falsches Exemplar kann tödlich sein
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18:40 13.09.2019
Ein Falscher Pfifferling – ungenießbar Quelle: OZ-Archiv
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Stralsund/Rostock

Obacht in der gerade beginnenden Pilzsaison! Wer die leckeren Schwammerl sammelt, sollte sicher sein, dass er keine giftigen Exemplare erwischt. Vor allem Champignons und Knollenblätterpilze sind leicht zu verwechseln, wie der Fall eines jungen Paares zeigt, das sich jetzt in Stralsund vergiftet hat und an den Auswirkungen fast gestorben wäre.

Zu den giftigsten Knollenblätterpilzen gehören der Grüne Knollenblätterpilz, der spitzhütige und der Frühlingsknollenblätterpilz. „Vom Grünen Knollenblätterpilz gibt es eine weiße Variante. Dieser ist komplett weiß. Ein einziges Exemplar reicht aus, um einen Menschen zu töten“, sagt der Pilzberater Frank Dommer aus Groß Lüdershagen bei Stralsund.

Bildergalerie: Essbare Pilze und ihre Doppelgänger

Beim Spaziergang im Wald stößt man auf die verschiedensten Pilzsorten. Hier sind einige Beispiele bei denen Sie zugreifen können, oder lieber die Finger von lassen.

Auf alle Merkmale achten

Die Stiele der Knollenblätterpilze stecken immer in einer taschenartigen Hülle. Pilze sollte man somit immer komplett aus der Erde drehen oder heben, um alle Merkmale zu erkennen.

Gefährlich sind auch noch geschlossene Pilze – man sollte sie immer durchschneiden, damit die Lamellen deutlich sichtbar sind. Hat man einen Champignon erkannt, sollte man trotzdem vorsichtig sein. „Es gibt auch unter den Champignons giftige Arten“, so Frank Dommer.

Im Zweifel zum Pilzberater

Der Ruheständler ist einer von vier Pilzberatern in Stralsund und seit rund fünf Jahren dabei. Im Land sind derzeit etwa 46 Pilzberater ehrenamtlich tätig. Mecklenburg-Vorpommern ist dabei das einzige Bundesland, das die Pilzberatung zur Landesaufgabe gemacht hat. So werden die Experten vom Landespilzsachverständigen Oliver Duty als Beauftragter des Landesamtes für Gesundheit und Soziales (Lagus) koordiniert und angeleitet.

„Seit 2000 Jahren ist das Sammeln und Zubereiten von Pilzen Bestandteil der menschlichen Esskultur. Jedoch gibt es seit dieser Zeit auch Vergiftungen, die durch vermeintlich essbare Pilze verursacht werden“, so Duty. Das Wichtigste beim Sammeln sei, den Pilz genau zu kennen.

Lagerung niemals in Plastiktüten

Wer abenteuerlustig ist und neue Pilzsorten probieren möchte, sollte diese separat aufsammeln und einem örtlichen Pilzberater vorzeigen. So kann man sich sicher sein, dass nichts Giftiges im Korb gelandet ist.

Zu Hause angekommen, ist die Aufbewahrung der Pilze entscheidend: „Auf keinen Fall darf man Pilze in Plastiktüten lagern. Das Pilz-Eiweiß ist leicht verderblich. Dann passiert das Gleiche wie bei Fleisch oder Fisch: Es würde schimmeln, und man riskiert eine Lebensmittelvergiftung“, klärt Duty auf.

Der traditionelle Korb ist die adäquateste Lösung. Danach sollten die Pilze geputzt, also mit einem Pinsel abgebürstet und im Kühlschrank aufbewahrt werden. Auf keinen Fall sollten Pilze gewaschen werden, da sie sich sonst mit Wasser vollsaugen und ihren Geschmack verlieren.

Bei ersten Beschwerden sofort zum Notarzt

„Bloß nicht roh essen, denn so sind die meisten Pilze giftig. Erst wenn sie zehn bis 15 Minuten lang erhitzt wurden, sind sie Speisepilze“, fügt Duty hinzu. „Und da Pilze schwer verdaulich sind – das Pilz-Eiweiß lässt sich nur schwer im Magen zersetzen – sollte man sie auch nicht kiloweise essen.“

Falls sich nach dem Verzehr von zubereiteten Pilzen Anzeichen von Magen-Darm-Beschwerden, wie Erbrechen und Durchfall, zeigen, sollte man den Notarzt rufen. „Jeder Pilz verursacht andere Symptome und schädigt andere Organe. Deshalb ist es am hilfreichsten, wenn man noch Essens- oder Putzreste hat.“ Durch diese könne der Pilz bestimmt werden und die bestmögliche Behandlung erfolgen, informiert Duty.

Seit 2009 verfasst der Landespilzsachverständige Jahresberichte über die Pilzberatung. Alle auftretenden Fälle von Pilzvergiftungen in MV sind in diesem zu finden: „Weil letztes Jahr ein schlechtes Pilzjahr war, gab es nur zwei Fälle von Vergiftung. Zum Glück waren es auch ganz harmlose.“ Die Zahl der Pilzsammler bleibe unterdessen seit Jahren konstant. „Ich habe sogar das Gefühl, dass es von Jahr zu Jahr mehr Pilzsammler werden“, erzählt Duty.

Viele Pilzausstellungen im Land

Verschiedene Vorträge, betreute Wanderungen und informationsreiche Ausstellungen gibt es in ganz Mecklenburg-Vorpommern zu den Pilzen. In Stralsund wird unter anderem in einer Ausstellung am 28. und 29. September im Zoo informiert. Die Experten sind vor Ort. Ähnlich wird das am 21. und 22. September jeweils von 10 bis 18 Uhr im Greifswalder Arboretum sein, wo zu einer großen Pilzausstellung geladen wird. Und Pilzberater sind auch vor Ort, wenn der Botanische Garten in Rostock am 28. und 29. September jeweils von 10 bis 18 Uhr zur Landespilzausstellung lädt. Am 5. und 6. Oktober (jeweils 10 bis 17 Uhr) findet zudem im Kornhaus in Bad Doberan eine Pilzausstellung statt.

Der direkte Kontakt ist wichtig. Deshalb rät der Berater Frank Dommer auch von digitalen Pilz-Beratungs-Apps auf dem Handy ab. „Von einem Bild allein kann nicht jeder Pilz bestimmt werden“, sagt er. „Pilze sind viel komplexer. Einige muss man brechen, fühlen oder sogar riechen.“

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